Die Anlegestelle wird deutlich aufgehübscht, danach soll daneben eine neue Bucht im Neckar angelegt werden. Foto: Stadt Ludwigsburg

In Ludwigsburg beginnt bald die Umsetzung des Projekts Uferwiesen II: Am Neckar soll unter anderem eine neue Bucht entstehen – mit Rastplätzen und Liegeflächen. Kreuzfahrtschiffe sollen künftig auf der anderen Flussseite halten – direkt vor einem Schrottplatz.

Ludwigsburg - Im Jahr 2014 sollte es losgehen, aber das wurde nichts, weshalb es dann 2015 losgehen sollte, aber das wurde auch nichts. 2016 ging vorüber, und bald ist auch das Jahr 2017 passé. Dann aber, diesmal wirklich, soll es losgehen: Im Frühjahr beginnt die Stadt Ludwigsburg damit, das Neckarufer in Hoheneck umzugestalten. Erstmals hat sich die Verwaltungsspitze jetzt öffentlich dazu geäußert, wie sie das größte Problem des Projekts aus dem Weg räumen will: Wohin mit den Flusskreuzfahrtschiffen? Die bis zu 105 Meter langen Kästen halten bislang an der viel zu kleinen Anlegestelle am Westufer des Neckars – also mitten in dem Areal, das nun für viel Geld zu einem Naherholungsgebiet umgebaut werden soll. Das heißt: Sie sind im Weg.

„Wir suchen noch nach anderen Möglichkeiten“, sagt der Baubürgermeister Michael Ilk, der sich selbst allerdings schon festgelegt zu haben scheint. Die Schiffe, in der Saison zwischen April und Oktober meist randvoll mit Touristen, sollen auf die gegenüberliegende Seite des Flusses weichen. Der Vorteil ist, dass dort ebenfalls eine Anlegestelle vorhanden ist, die Stadt also nicht allzu viel Geld in die Hand nehmen müsste. „Das ist meine favorisierte Lösung“, sagt Ilk. Nur leider ist es eine Lösung, die sehr umstritten ist, denn sie hat auch einen gravierenden Nachteil: Die besagte Anlegestelle befindet sich direkt vor einem Schrottplatz.

Die Touristen kommen in Ludwigsburg an – und sehen erst mal Schrottberge

Die Touristen, voller Vorfreude auf die barocke City und das hübsche Schloss, bekommen dann also als ersten Eindruck von Ludwigsburg Schrotthaufen, Metallberge und Abfall serviert. Für manche vor Ort undenkbar. Als im vergangenen Jahr entsprechende Gerüchte publik wurden, hagelte es Kritik aus dem Stadtteilausschuss. Die Besucher „im Schrott aussteigen zu lassen“, sei ja wohl eher kontraproduktiv, hieß es. Ilk sieht die Vorbehalte gelassen. Natürlich sei diese Anlegestelle „nicht so attraktiv“, aber die Passagiere müssten dort nicht lange verweilen. Ein kurzer Weg zum Bus, schon gehe es weiter in die Stadt. „Ich sehe darin kein großes Problem.“ Fakt ist: Die Stadt muss schnell eine Entscheidung treffen, denn auf der Hohenecker Seite dürfen die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr halten. Die Genehmigung dafür ist ausgelaufen.

Zudem wird die alte Anlegestelle, die künftig für kleinere Linienschiffe wie den Neckar-Käpt’n reserviert sein wird, im Frühjahr komplett umgebaut – dabei handelt es sich um den ersten Baustein des Projekts Uferwiesen II, das an die 2010 abgeschlossene Renaturierung des Ufers weiter südlich anknüpft. Schon damals wurden mit großem Erfolg weite Teile der Areals zum Naherholungsgebiet umgestaltet.

Sonnendeck, Liegen und ein Rastplatz für Radfahrer

Jetzt soll auch aus der maroden Haltestelle selbst ein „attraktiver Aufenthaltsbereich werden“, berichtet Bernd Wenger vom Grünflächenamt. Inklusive Sitzgelegenheiten, Sonnendeck, einem Rastplatz für Radler, auch über eine Pedelecstation wird nachgedacht. Neun Monate wird der Umbau voraussichtlich dauern, gleichzeitig werden im Umfeld Wege verbreitert, die Möblierung und Beleuchtung erneuert, der Baumbestand ergänzt. Anschließend will sich die Stadt den Flächen zwischen der Anlegestelle und der weiter nördlich gelegenen Neckarbrücke widmen. Dort ist eine Bucht geplant: Umrandet von Liegen, von denen aus Besucher barfuß in den Neckar laufen können. Ein anderer Teil ist allein der Ökologie vorbehalten, unter anderem mit Laichplätzen für Fische.

1,6 Millionen Euro wird das gesamte Vorhaben kosten. Während der Umbau der Anlegestelle in trockenen Tüchern ist und bald beginnt, wartet die Stadt für die Bucht auf Fördergeld vom Land in Höhe von rund 600 000 Euro. Ludwigsburg hatte die Mittel bereits für 2017 beantragt, kam aber nicht zum Zug. Jetzt hofft man, dass die Uferwiesen II auf der Warteliste weit genug oben stehen. „Unser Ziel ist, nach der Anlegestelle sofort mit der Herstellung der Bucht zu beginnen“, sagt Wenger.

Projekte
– Renaturierungen, neue Ufer, Stege und Wege: Der Regionalverband und das Land haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte gefördert, die das Ziel haben, Gewässer erlebbar zu machen. Während anderswo in Deutschland Städte und Landschaften oft von Flüssen geprägt werden, wurden Gewässer in Württemberg lange vernachlässigt. So ist der Neckar in weiten Teilen eine unzugängliche Schifffahrtsstraße.

Ludwigsburg
– Eines der größten Projekte war die Renaturierung der Zugwiesen , einer 17 Hektar großen Auenlandschaft unweit der Neckar-Staustufe im Ludwigsburger Stadtteil Poppenweiler – inklusive Fischtreppe und Aussichtsplattform. In erster Linie dienen die Zugwiesen als Biotop, sie werden seit der Eröffnung im Jahr 2012 aber auch gerne von Besuchern zur Naherholung genutzt.

Remseck
– Einmalig in der Region ist der 2014 angelegte und fast hundert Meter lange Sandstrand in Remseck. 2,2 Millionen Euro kostete es, am Zusammenfluss von Rems und Neckar ein Naherholungsgebiet zu schaffen. Auch hier gilt: Partys sind verboten, um die Natur zu schützen.

Ditzingen
– An der Glems soll ein innerstädtischer Aufenthaltsbereich mit Terrassen entstehen – das hat die Stadt gerade beschlossen. Über die genaue Gestaltung soll Ende Januar eine Jury entscheiden.

Region
– Auch in Leonberg hat man sich Gedanken um die Glems gemacht – und den Fluss stellenweise aus seinem Betonkorsett befreit. Viel Geld fließt in die Neugestaltung des Enzparks in Besigheim. Auch in Vaihingen/Enz, Esslingen, Marbach, Fellbach, Hessigheim, Göppingen oder Waiblingen wurden in den vergangenen Jahren Uferbereiche von Flüssen umgestaltet. Die Landeshauptstadt hat kürzlich einen Masterplan zur Entwicklung des Neckars vorgelegt – mit dem Ziel, „Stuttgart als Stadt am Fluss erlebbar zu machen“.

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