Wer dieser Tage ein Polizeirevier aufsuchen muss, sollte sich vorher anmelden. Foto: Gottfried Stoppel

Der Infektionsschutz stellt auch für die Polizei eine große Herausforderung dar. Wie schützen sich Polizisten im Einsatz vor einer Ansteckung – und was müssen Menschen beachten, die jetzt ein Polizeirevier aufsuchen müssen?

Rems-Murr-Kreis - Das Coronavirus wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Doch manchen Berufsgruppen, die rund um die Uhr verfügbar sein müssen, ist es unmöglich, alle Empfehlungen zu befolgen. Polizisten etwa, die bei Festnahmen anderthalb Meter Sicherheitsabstand einhalten, wären undenkbar. Doch wie geht die Polizei mit den Herausforderungen durch die Krankheit um? Der Aalener Polizeipräsident Reiner Möller hat uns erklärt, wie die öffentliche Ordnung auch in Corona-Zeiten aufrecht erhalten werden kann.

Höhere Infektionsgefahr für Polizisten

Häufiges Händewaschen, kein unnötiger Körperkontakt – manches lässt sich natürlich auch im Polizeialltag umsetzen. „Es ist aber leider auch so, dass meine Kolleginnen und Kollegen per se einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, unabhängig von der derzeitigen Corona-Krise“, sagt Möller. Die Fahrzeuge und Dienststellen der Polizei seien mit medizinischer Schutzausrüstung ausgerüstet. Diese kam bisher zum Beispiel zum Einsatz, wenn es die Beamten mit einem Hepatitis-infizierten Straftäter zu tun bekamen. Derzeit sei genügend Schutzausrüstung vorhanden. „Im Bereich der Masken und Desinfektionsmittel haben wir wegen des erhöhten Bedarfs unsere Vorräte nochmals aufgestockt“, erklärt Möller.

Home-Office und abgesagtes Training auch bei der Polizei

Die Polizisten sind dazu aufgerufen, persönliche Kontakte – seien sie privat oder dienstlich – auf ein Minimum zu reduzieren. Derzeit finden gemeinsame Besprechungen mit möglichst wenigen Teilnehmern und nur wenn unbedingt nötig statt. Stattdessen setzt die Polizei auf Video- und Telefonkonferenzen – und Führungskräfte halten sich, wenn möglich, räumlich getrennt auf. „Home-Office ist in der Tat auch bei uns ein Thema“, so Möller. Gerade viele Stabs- und Verwaltungsaufgaben könne man durchaus von daheim aus erledigen. Zahlreiche Schulungen und Trainings seien erst einmal abgesagt. Ein Personalengpass bei der Polizei bestehe wegen all dem aber nicht.

Polizistenkinder: Notbetreuung nur selten nötig

Eltern, die beide in Bereichen der kritischen Infrastruktur, wie etwa Pflege- und Sicherheitsberufen arbeiten, haben auch in Zeiten von Kita-Schließungen einen Anspruch auf Notbetreuung ihrer Kinder. Der Bedarf daran sei aber „erstaunlich gering“, so Möller. „Zudem ist es so, dass derzeit auf Landesebene ein Konzept in Ausarbeitung ist, das dann nähere Regelungen zur Betreuung von Kindern zum Gegenstand hat.“

Besuche auf dem Revier möglichst vorher ankündigen

Aber nicht nur für Polizisten, sondern auch für Bürger ändert sich einiges. Wer bisher zum Beispiel auf dem Revier in Waiblingen eine Anzeige aufgeben wollte, gelangte zunächst zusammen mit anderen Menschen in eine Schleuse, bevor er eingelassen wurde. Zu Corona-Zeiten ist bereits vor der äußeren automatischen Schiebetür Schluss – die Polizei will vermeiden, dass sich in der Schleuse mehrere Menschen aufhalten und sich möglicherweise anstecken.

Die Beamten bitten Menschen, die eine Anzeige erstatten oder aus anderen Gründen ein Polizeirevier aufsuchen müssen, sich wenn möglich vorher telefonisch anzukündigen. Sie verweisen zudem auf die „Internetwache“ der Landespolizei – eine Webseite, über die nicht-drängende Hinweise oder Anzeigen eingeschickt werden können. Eine weitere Bitte der Ordnungshüter haben diese jüngst über Facebook veröffentlicht: „Wir sind für euch da – bleibt ihr daheim“, so der Titel des Postings. „Ihr entlastet unsere Kollegen im Streifendienst ungemein, wenn diese nicht als Corona-Party-Crasher gefordert sind oder Bolz- und Spielplätze räumen müssen.“

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