Rems-Murr-Kreis Das will der Landkreis gegen Motorradlärm tun

Von Frank Rodenhausen 

Die Polizei soll in dieser Saison Motorradfahrer und ihre Bikes stärker unter die Lupe nehmen. Foto: Stoppel/Archiv
Die Polizei soll in dieser Saison Motorradfahrer und ihre Bikes stärker unter die Lupe nehmen. Foto: Stoppel/Archiv

Stärkere Kontrollen, gelbe Karten für Lärmsünder und die Überprüfung der Fahrerlaubnis: Das Landratsamt in Waiblingen hat ein Paket von Maßnahmen vorgelegt, um dem Motorradlärm Herr zu werden. Unsere Karte zeigt die Lärm-Hotspots der ganzen Region.

Rems-Murr-Kreis - Noch herrscht witterungsbedingte Ruhe, doch sobald die ersten richtig wärmenden Sonnenstrahlen viele Motorradfahrer aus ihrer Winterruhe locken, wird es an einigen Strecken im Rems-Murr-Kreis erfahrungsgemäß ziemlich laut. Dem will das Landratsamt in dieser Saison mit einem ganzen Maßnahmenpaket begegnen. Die Konzeption, eine Mischung aus Kampagne und Kontrollen, hat der Verkehrsausschuss des Kreistags jetzt auf den Weg gebracht.

Die Möglichkeiten, des Problems Herr zu werden, sind allerdings ziemlich begrenzt. Daraus macht Anna Katharina Maier vom Amt für Recht und Ordnung im Waiblinger Landratsamt keinen Hehl: So liege der von Motorrädern verursachte Lärm in den meisten Fällen durchaus im Rahmen des Erlaubten, weil die Fahrzeuge die für sie geltenden Grenzen einhielten. Und selbst bei Verstößen seien Verkehrssünder wegen des Helms über dem Kopf oft nur schwer zu identifizieren.

Polizei soll kontrollieren und „Gefährder“ anschreiben

Eine Umfrage habe ergeben, dass viele Städte und Landkreise vor der gleichen Problematik stünden. „Einen Masterplan für einen Ausgleich zwischen legalem Fahrvergnügen und der gesundheitlichen Belastung von Anwohnern kritischer Strecken gibt es nicht“, heißt es aus dem Waiblinger Landratsamt. Die Behörde will es deshalb nun mit mehreren Maßnahmen versuchen und dabei eng mit den betroffenen Städten und Gemeinden zusammenarbeiten. So sollen die gemeinsamen Kontrollen mit der Polizei verstärkt und bei Verstößen Gelbe Karten verschickt werden. In den „Gefährderanschreiben“ könnten für den Wiederholungsfall schlimmere Sanktionen angedroht werden – etwa eine Überprüfung der Fahrerlaubnis oder die Auflage eines Fahrtenbuches.

Parallel dazu soll eine öffentlichwirksame Kampagne unter dem Motto „Lärm macht krank“ gestartet werden. Zudem erwägt die Kreisbehörde die Anschaffung einer elektronischen Tafel, die Verkehrsteilnehmer bei aufheulendem Motorenlärm dazu auffordert, leiser zu fahren. Auch den Kommunen mit einschlägig bekannten Strecken werde empfohlen, ein solches Display anzuschaffen. Ein entsprechender Pilotversuch des Verkehrsministeriums an sechs Strecken im Land lasse durchaus Erfolge erkennen. Ausgerechnet in Weinstadt-Schnait, das ebenfalls an dem Feldversuch teilgenommen hatte, waren die gemessenen Lärmwerte allerdings nicht so stark gesunken wie etwa in Bernbach oder Finsterrot im Landkreis Heilbronn.

Darum sind Tempolimits laut dem Landratsamt nicht machbar:

Bauliche Maßnahmen oder Geschwindigkeitsreduzierungen hingegen sind laut dem Landratsamt in Gebieten, die unter saisonalem Motorradlärm leiden, in der Regel nicht möglich, denn die Voraussetzung wäre ein im Jahresmittelwert überhöhter Lärmpegel. Zudem sei in den meisten Fällen nicht die Geschwindigkeit ursächlich für den Lärm, sondern das Fahren im hohen Drehzahlbereich.

Eine unfallträchtige Strecke indes, die wegen ihrer Topografie Motorradfahrer aus der ganzen Region regelmäßig zu illegalen Wettfahrten verleitet, will man durch bauliche Maßnahmen für solche Zwecke unattraktiver machen. So soll unterhalb des Sulzbacher Weilers Berwinkel auf der Fahrbahn ein Rüttelbelag aufgebracht werden und eine trennende Mittelmarkierung das Schneiden der sogenannten Blockhauskurve verhindern. Außerdem sollen von einem Parkplatz am Waldrand die Sitzgelegenheiten entfernt werden. Dort nämlich schenken bisher viele Biker den illegalen Zeitfahrten ihrer Kollegen Beachtung – weswegen der Bereich gemeinhin auch „Applauskurve“ genannt wird.

Lesen Sie jetzt