Werben für das Festival der Kulturregion: Thomas Putze (von links), Nicola Schelling, Peter Weigand, Bettina Pau, Gottfried Hattinger und Matthias Knecht Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Drei Wochen lang erproben internationale Künstler in 21 Kommunen der Region Stuttgart die „Kunst des Rückzugs“.

Stuttgart - Als vor mehr als zwei Jahren das Thema des diesjährigen Festivals der Kulturregion Stuttgart feststand, konnten die Macher nicht ahnen, welche Bedeutungsverschiebung der Festival-Titel „Unter Beobachtung. Kunst des Rückzugs“ in Zeiten der Pandemie erhalten würde. Matthias Knecht, OB von Ludwigsburg und Vorsitzender der Kulturregion Stuttgart, verwies denn auch bei der Vorstellung des Festivalprogramms in den Wagenhallen zu allererst darauf, „wie das Thema des Festivals in besonderem Maße zu dem passt, was wir im vergangenen halben Jahr erlebt haben“.

Wohnen unter Beobachtung in einem Buswartehäuschen

Rückzug in die Isolation? Rückzug, um sich der Beobachtung zu entziehen? Was unter den Vorzeichen von Corona eine mehr oder weniger freiwillige Vernunftentscheidung auf Zeit sein mag, ist unter den Bedingungen von Big Data und der „gläsernen Gesellschaft“ möglicherweise ein Frage der existenziellen Selbstbehauptung. Der künstlerische Leiter des Festivals, das ab 25. September drei Wochen lang 21 Kommunen in der Region bespielt, will mit den Projekten der 30 beteiligten Künstler und Künstlergruppen Antworten auf die Frage suchen, welche Rückzugsorte es unter den Voraussetzungen der „medialen Bedrängnis“ noch geben kann: „Wo sind die Refugien, Reservate Idyllen oder Oasen, in denen wir Zuflucht finden?“, fragt Gottfried Hattinger. „Können Kunst und Kultur solche Reservate sein?“

Die Versuche, die die Künstler unternehmen, um Möglichkeiten des Rückzugs auszuloten, reichen vom „Wohnen unter Beobachtung“ in einem öffentlichen Buswartehäuschen in Gerlingen, dem sich die österreichische Künstlerin Barbara Ungepflegt für die Dauer des Festivals aussetzen wird, bis zur Installation „Surveillance Speaker“ (Überwachungs-Sprecher) des belgischen Medienkünstlers Dries Depoorter in Kornwestheim. Folgenden Städte und Gemeinden am Festival beteiligt: Backnang, Bad Boll, Bietigheim-Bissingen, Ditzingen, Esslingen, Filderstadt, Gerlingen, Göppingen, Kirchheim unter Teck, Kornwestheim, Leonberg, Ludwigsburg, Marbach am Neckar, Ostfildern, Remseck, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Hall, Stuttgart, Waiblingen und Winnenden.

Zum ersten Mal gibt es auch ein Festivalzentrum

Zum ersten Mal wird das Festival der Kulturregion auch ein Festivalzentrum besitzen: Das Stuttgarter Studio umschichten der Architekten Peter Weigand und Lukasz Lendzinski wird gemeinsam mit dem Performance-Künstler Thomas Putze in den kommenden Tagen aus tonnenschweren hölzernen Schalungsplatten, die bei den Betonarbeiten auf der Stuttgart-21-Baustelle anfallen, eine „begehbare Skulptur“ auf dem Pariser Platz erstellen.

Das Festival der Kulturregion Stuttgart findet von 25. September bis 18. Oktober statt. Das ganze Festivalprogramm und weitere Informationen gibt es hier.
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