Nur auf freigegebenen Trails sowie auf Wegen, die breiter als zwei Meter sind, dürfen Radfahrer in Baden-Württemberg fahren. Foto: Imago images/Cavan Images

Kürzlich wurden drei Trails im Stuttgarter Wald für Mountainbiker geöffnet, viele weitere gesperrt. Doch durch die Verbotsschilder werden manche Radler wohl erst auf die illegalen Wege aufmerksam. Die Stadt hat bereits Ideen dazu.

Seit Kurzem gelten für die Mountainbiker im Stuttgarter Wald neue Regeln: Die drei szenebekannten Trails, die zuletzt als Pilotprojekt getestet wurden, dürfen nun offiziell befahren werden. Das sind der Arizona-Trail und der Indiana-Jones-Trail in Botnang sowie der Klabuster-Trail 2 in Kaltental. Dafür entschied die Stadt, „dem wilden Biken einen Riegel vorzuschieben“. Das bedeutet: Alle anderen Trails in Naturschutzgebieten, Waldbiotopen und Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH-Gebieten) wurden gesperrt. In den vergangenen Tagen wurden etwa am Birkenkopf, in Kaltental, am Lemberg und an der Ruhbank Verbotsschilder aufgestellt oder Seile aufgehängt.

 

Nun scheinen diese Schilder aber – zumindest teilweise – eine gegenteilige Wirkung zu erzielen: „Unter den Trails, die jetzt gesperrt, sind teilweise auch welche, die nur sehr wenige Biker kannten und deren Trail-Eingänge auch nicht offensichtlich sind“, heißt es von den Mountainbikern im Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Schwaben. Nun wirkten diese Schilder an „eigentlich unauffälligen Traileingängen“ eher wie Hinweis- statt wie Verbotsschilder.

Auch Wege gesperrt, die vermehrt von Fußgängern genutzt würden

Zudem seien auch Wege gesperrt worden, die für Mountainbiker nicht attraktiv seien und vor allem von Fußgängern genutzt würden. „Letztlich wirken die Schilder nicht beziehungsweise bewirken sogar das Gegenteil: Mehr statt weniger Frequenz in manchen Gebieten“, heißt es vom DAV.

In der Stadtverwaltung hält man dies für unrealistisch: „Wir gehen aktuell davon aus, dass sich die Mountainbiker für ihre Fahrten auf einschlägigen Online-Plattformen über bereits vorhandene Trails informieren und somit der beschriebene Effekt nicht vorhanden oder nicht sehr groß sein wird“, sagt Harald Knitter, ein Sprecher der Stadt.

„Was mutet die Stadt uns noch zu?“, fragt ein Mountainbiker

Unterdessen findet auch Alexander Lukasch, der Geschäftsführer des Vereins Mountainbike Stuttgart, deutliche Worte zu den Sperrungen: „Es macht sich weiter Frustration breit.“ Im Freizeitkonzept für den Stuttgarter Wald habe es noch „Angebote statt Verbote“ geheißen, kritisiert er. Und die drei geöffneten Trails seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings viel zu wenig für Zehntausende Mountainbiker: „Was mutet die Stadt uns Mountainbikern noch zu, bevor wir endlich legale Strecken zur Ausübung unseres Sportes bekommen?“

Der Sprecher der Stadt bestätigt, dass im Wald alle Trails gesperrt wurden, die der Unteren Forstbehörde bekannt seien und die in einem entsprechenden Gebiet liegen: „Auf Grund der empfindlichen Natur in diesen Gebieten ist es besonders wichtig, dass das Befahren solcher Trails unterbleibt.“ Sollte die Sperrung mit Schildern und Kordeln nicht ausreichen, könnten sie auch mit Baummaterial verbaut werden, meint er.

Erst kürzlich hat sich eine AG gegründet

Die Stadt scheine „kein Verständnis für uns Sporttreibende zu haben“, sagt Lukasch. Schwer verständlich sei, dass zur wirtschaftlichen Nutzung schwere Maschinen im Wald „Verwüstung hinterlassen“ dürften, Radler aber keine schmalen Wege befahren dürften. Er hinterfragt auch, ob es wirklich um den Schutz der Natur gehe, „denn wenn Trails gesperrt werden, ohne attraktive Alternativen zu schaffen, entstehen neue“.

Erst kürzlich wurde eine Arbeitsgruppe Legale Trails gegründet, in der Mountainbiker und Vertreter der Stadt sitzen. Alexander Lukasch betont, dass man den Prozess „kritisch begleite“ und „fordernd bleibe“. Vom DAV Schwaben heißt es, dass „die Energie für Sperrungen lieber in attraktive und im Sinne der Natur lenkende Angebote gesteckt werden – so wie es im Freizeitkonzept vereinbart wurde“.