Nikolas Löbel muss sich gegen Vorwürfe aus seiner eigenen Partei zur Wehr setzen. Foto: dpa

Wieder einmal knirscht es in der Mannheimer CDU. Teile der Partei, die sich als „schweigende Mehrheit“ bezeichnen, machen Stimmung gegen ihren eigenen Bundestagskandidaten Nikolas Löbel.

Mannheim - Die Mannheimer CDU schießt kurz vor der Bundestagswahl quer gegen ihren eigenen Direktkandidaten Nikolas Löbel. Wie schon bei früheren Querelen in der Mannheimer CDU bleiben die Drahtzieher allerdings im Verborgenen. Eine „Gruppe besorgter CDU-Mitglieder“, die sich als die „schweigende Mehrheit in der CDU Mannheim“ bezeichnet, schreibt an örtliche Bundestagsabgeordnete unterschiedlicher Couleur, an Stadträte und Pressevertreter, sie hätten „große Bedenken an der Eignung des CDU-Kandidaten Nikolas Löbel“.

Das belegen sie unter anderem mit einer Erklärung der Bundestagsabgeordneten Egon Jüttner und Roderich Kiesewetter (beide ebenfalls CDU), die allerdings schon vom Juni 2016 datiert. Darin bestätigen die beiden Abgeordneten, „dass uns Herr Nikolas Löbel zur verdeckten Parteienfinanzierung aufgerufen hat“.

Vorwurf verdeckter Parteienfinanzierung

Löbel habe sie als Landesvorsitzender der Jungen Union (JU) Baden-Württemberg aufgefordert, für ihn einen Mitarbeiter im Stuttgarter Büro der Landesgeschäftsstelle der JU anzustellen und über die Mitarbeiterpauschale des Bundestags zu bezahlen. Das, so schreiben Jüttner und Kiesewetter, hätten sie abgelehnt, mit dem Hinweis, „dass eine solche Konstellation verdeckte Parteien­finanzierung wäre und somit nicht erlaubt sei“.

Löbel erklärte auf Anfrage, „die Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage“. Es habe im Jahr 2012 Überlegungen gegeben, dass sich die JU im Land mit Roderich Kiesewetter eine Personalstelle teilen und diese zu je 50 Prozent anteilig finanzieren könnte. Das bezeichnet Löbel als „ganz üblichen Vorgang“. Er schreibt weiter: „Jedoch kam es nie dazu. Es blieb bei einer Idee.“ Mit ­verdeckter Parteienfinanzierung habe das überhaupt nichts zu tun. „Der Vorwurf ist völlig absurd und aus der Luft gegriffen.“

Pikant an der Geschichte ist, dass der 31-jährige Löbel gerne Egon Jüttner als Mannheimer CDU-Bundestagsabgeordneter beerben möchte. Der 75 Jahre alte Jüttner, der seit 1990 mit Unterbrechungen viermal in den Bundestag gewählt wurde, tritt nun nicht mehr an. Er hatte bereits bei der Kandidatenaufstellung Löbel nach Kräften zu verhindern versucht.

Fehde zwischen Mandatsträger und Kandidat?

Löbel erklärte, er wolle sich nicht weiter mit den Vorwürfen beschäftigen, sondern konzentriere sich „voll auf den Wahlkampfendspurt“. Allerdings scheint die Fehde zwischen Mandatsträger und Bewerber munter weiterzugehen. Löbel, der das Direktmandat für Mannheim anstrebt, hatte erklärt, „die Stadt braucht eine bessere Lobby in Berlin“. Das weist Jüttner auf seiner Homepage scharf zurück und spart nicht mit persönlichen Vorwürfen. Die Aussagen Löbels hält Jüttner nicht nur gegenüber den bisher in der Politik Agierenden „für herabsetzend“, sondern auch „für überheblich und selbstüberschätzend“.

Schon im Jahr 2006, hatten in Mannheim in der „Froschkönig-Affäre“ CDU-Mitglieder unter Decknamen Parteifreunde in einem Internetforum als Intriganten und Strippenzieher verunglimpft. Damals trat der Parteivorstand geschlossen zurück.

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