Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Andreas P. steht zu Prozessbeginn im Sitzungssaal im Landgericht Würzburg. Dem Angeklagten gehört eine Gartenlaube bei Arnstein, in der sechs junge Leute bei einer Geburtstagsfeier Ende Januar 2017 an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben waren, darunter seine zwei Kinder. Foto: dpa

Er wollte seiner Tochter einen schönen 18. Geburtstag bereiten. Doch der Tag endete tragisch: Sechs Jugendliche starben in einer Gartenhütte an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Nun äußert sich der Besitzer der Hütte vor Gericht. Warum ist das unsichtbare Gift so gefährlich?

Würzburg/Arnstein/Stuttgart - Im Prozess um die tödliche Kohlenmonoxid-Vergiftung von sechs Teenagern in einer Gartenlaube in Unterfranken hat sich der Besitzer des Häuschens umfassend zu den Hintergründen geäußert. „Nach wie vor bin ich fassungslos wie und warum das passieren konnte. Ich begreife das einfach nicht“, ließ der 52-jährige Andreas P. am Mittwoch vor dem Landgericht Würzburg von seinem Verteidiger verlesen. „Ich will aber keine Schuld von mir weisen“, las Strafverteidiger Hubertus Krause weiter vor.

Anklage: Fahrlässige Tötung

Der Mann aus Arnstein steht wegen sechsfacher fahrlässiger Tötung vor Gericht. In seiner Gartenlaube starben im Januar sechs Teenager an einer Kohlenmonoxidvergiftung, darunter zwei seiner eigenen Kinder. Schuld war ein im Technikraum des Häuschens aufgestellter benzinbetriebener Stromgenerator, der nicht für Innenräume geeignet war.

Der Anklageschrift zufolge soll der 52-Jährige zudem eine wackelige Abgasableitung gebastelt haben, die im Laufe des Abends zusammengebrochen war. Deshalb konnte sich das tödliche Gas unbemerkt in der Hütte verteilen.

„Etwas Schreckliches ist passiert“

Er selbst hatte die Toten am Morgen nach der Feier in der Laube entdeckt. Er habe zunächst angenommen, die jungen Leute hätten nur zu viel getrunken und würden deshalb noch schlafen. Erst Minuten später sei ihm klar geworden, dass „etwas Schreckliches passiert ist“.

Das Gericht muss nun entscheiden, wie der Mann dafür zur Verantwortung gezogen werden muss. Sollten die Richter seine Schuld feststellen, können sie sowohl eine Geldstrafe als auch eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren verhängen.

Kohlenmonoxid – Vorsicht Lebensgefahr!

Wie häufig sind Kohlenmonoxid-Vergiftungen?

Kohlenmonoxid-Vergiftungen (CO-Intoxikationen) sind weltweit die Hauptursache für tödliche Vergiftungen. Das Statistische Bundesamt (Destatis) verzeichnet für 2015 insgesamt 648 Todesfälle durch die „toxische Wirkung von Kohlenmonoxid“. Es ist der mit Abstand höchste Wert seit 1998 (477). Davon sind laut Statistik 146 Vergiftungen auf Unfälle sowie 347 auf „vorsätzliche Selbstbeschädigung“ (etwa Suizid) zurückzuführen.

Die Zahl der nicht tödlich endenden Vergiftungsfälle dürfte um ein Vielfaches höher liegen, zumal zahlreiche Zwischenfälle nicht bekannt werden. Laut Axel Hahn, Toxikologe am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vergiften sich geschätzt mehr als 3000 Menschen in Deutschland mit Kohlenmonoxid. „Wie viele es wirklich sind, wissen wir nicht, weil es in Deutschland kein Vergiftungsregister gibt.“ Auf Grund ihrer unspezifischen Symptomatik werde eine Kohlenmonoxid-Vergiftung oft nicht erkannt oder falsch gedeutet, so Hahn.

Was macht Kohlenmonoxid so gefährlich?

Kohlenstoffmonoxid oder Kohlenmonoxid (CO) besteht aus den chemischen Elementen Kohlenstoff (C) und Sauerstoffel (C). Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas, das sogar durch Betondecken und Wände dringt. Kohlenmonoxid entsteht, wenn kohlenstoffhaltige Materialien wie Öl, Gas, Holz, Pellets oder Grillkohle bei hoher Temperatur verbrannt werden und gleichzeitig die Sauerstoffzufuhr nur gering ist.

Das Gas ist deshalb so hochgiftig, weil es das Hämoglobin im Blut bindet und den Transport von Sauerstoff unmöglich macht. Beim Hämoglobin handelt es sich um Eiweiße (Proteine), die in den roten Blutkörperchen Sauerstoff binden und ihnen ihre rote Farbe verleihen.

Warum wird vor Indoor-Grills gewarnt?

Eine besondere Gefahrenquelle sind Indoor-Grills. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) warnen: „Selbst wenn Fenster, Türen oder auch das Garagentor aus ‚Sicherheitsgründen‘ geöffnet sind, können CO-Konzentrationen auftreten, die zum Tode führen.

Diese Gefahr besteht auch bei Geräten, die als spezielle ‚Indoorgrills‘ ausgelobt werden, obwohl sie glühende Holzkohle als Wärmequelle verwenden, oder bei holzkohlebefeuerten Kochtöpfen, so genannten ‚hot pots‘, wenn sie im Wohnzimmer oder in Restaurants betrieben werden.

Wenn Türen und Fenster nicht ausreichend zum Lüften geöffnet sind wie zum Beispiel bei Grillfesten in einer Tiefgarage, können CO-Konzentrationen entstehen, die tödlich sind.“

Wodurch werden CO-Vergiftungen verursacht?

Typische Vergiftungsquellen sind Brände, defekte Gasthermen, Zier- und Heizkamine, die bei ungenügender Luftzufuhr und -abfuhr Kohlenmonoxid freisetzen können. CO-Vergiftungen kommen häufig vor bei Rauchgasvergiftungen und der Minenkrankheit, die durch Einatmen giftiger Gase im Bergbau entsteht.

Auch suizidale CO-Intoxikationen, also absichtliche Vergiftungen mit dem Gas spielen in der Statistik eine große Rolle. Wenn man Ameisensäure und Schwefelsäure vermischt, entsteht Kohlenstoffmonoxid. Gibt man Sauerstoff hinzu, verbrennt Kohlenmonoxid in blauer, durchsichtiger Flamme zu Kohlenstoffdioxid.

Wie verläuft eine CO-Vergiftung?

Zu Beginn klagen die Betroffenen über Übelkeit und Schwindel. Im Verlauf der Vergiftung kommt es zu Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma, Herzrhythmusstörungen und schließlich zum Tod durch Hirnschwellung, Atem- und Kreislaufversagen. Sind mehr als 70 Prozent des Hämoglobins im Blut mit Kohlenmonoxid belastet, stirbt man innerhalb weniger Minuten.

Viele der Opfer, die die Vergiftung überleben, haben zeitlebens unter bleibenden Schäden am Herzen und Nervensystem wie zum Beispiel Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Psychosen, Bewegungsstörungen, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen zu leiden.

Heizen, grillen, vergiften

Welche Geräte sind potenzielle Gefahrenquellen?

– Gasthermen, Durchlauferhitzer oder andere mit Gas betriebene Geräte.

– Heizungsanlagen die fossile Brennstoffe wie Öl, Holz, Gas verbrennen.

– Schornsteine und sonstige Ab- und Zuluftwege.

Es ist (überlebens-)wichtig, dass alle Geräte im Haus, in denen Verbrennungsprozesse stattfinden, sowie die Abluftkanäle, Schornsteine und Kamine regelmäßig von Fachleuten wie Schornsteinfegern oder Ofen- und Luftheizungsbauern überprüft werden.

Wie kann man einen CO-Ausstoß verhindern?

„Probleme treten erst dann auf, wenn die Verbrennung nicht sauber läuft, weil zu wenig Luft zur Verfügung steht und die Verbrennung unvollständig abläuft“, erklärt Uwe Redeker, Technikexperte beim Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) Bayern. „Dann entsteht nicht Kohlendioxid entsteht, sondern Kohlenmonoxid. Dieses ist hochgiftig, es riecht weder noch kann man es sonstwie wahrnehmen. Wenn man es einatmet, wird man einfach müde, schläft ein und erstickt.“

Viele ältere ältere Gasheizgeräte, die an einen Schornstein angeschlossen sind, entsprächen nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), betont Nikolaus Fleischhacker, Geschäftsführer der Oranier Heiztechnik im hessischen Haiger. „Ältere Geräte haben keine Vorrichtung zur Abgasüberwachung. Diese Sicherung ist im Zweifelsfall sogar lebenswichtig, da sie vermeidet, dass gesundheitsschädliche Abgase in den Wohnraum gelangen können: Falls der Schornstein nicht ausreichend zieht, wird ein Temperaturfühler über das aus der Strömungssicherung austretende Abgas erwärmt, die Gaszufuhr wird unterbrochen und das Gerät schaltet sich ab.“

Warum sind moderne Geräte sicher?

Wer einen Kessel oder Wärmeerzeuger auf Verbrennungsbasis aufstellen will, muss ihn beim Bezirkskaminkehrer anmelden. Der Fachmann nimmt das Gerät ab und überprüft es in regelmäßigen Abständen. „Die Überprüfung der Geräte ist unterschiedlich und hängt ab von der Art der Verbrennung“, sagt Uwe Redeker. „Unkritische Geräte, die der neuesten Brenngeräte-Generation angehören, werden alle zwei bis drei Jahre überprüft. Ältere Geräte müssen jedes Jahr geprüft werden.“

Moderne Geräte schalten sich Redeker zufolge automatisch ab, wenn Gas austritt. Uralt-Geräte, die 30, 40, 50 Jahre alt seien, hätten diese Technik nicht. Auch bei Kaminen sei dies häufig nicht der Fall. Redeker: „Ein ganz banaler Fall: Viele Kamine haben eine Klappe, die Zugluft verhindern soll. Wenn man vergisst sie aufzumachen, bevor man den Kamin anmacht, ist der ganze Raum schnell voller giftigem Rauch.“

Welche Tipps geben Experten?

– Niemals Autos mit laufendem Motor in eine Garage stellen, auch wenn das Garagentor geöffnet ist.

– Niemals gasbetriebene Backröhren zum Heizen zweckentfremden.

– Niemals Holzkohle-Grills innerhalb von Gebäuden benutzen.

– Niemals mit Benzin betriebene Geräte wie Rasenmäher, Kettensägen oder Motoren in Innenräumen verwenden.

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