Im Dialog stehen der Grüne Tayfun Tok, Wolfgang Kölle, sowie Tobias Vogt und Fabian Gramling von der CDU (von links). Foto: avanti

Die Bauernproteste gegen die Agrarpolitik sind berechtigt, finden Abgeordnete aus dem Landkreis Ludwigsburg. Sie nahmen an einer Kundgebung bei Pleidelsheim teil.

Zufrieden mit dem Verlauf der Bauernproteste im Kreis Ludwigsburg zeigte sich Wolfgang Kölle, Vorstandsmitglied des Vereins Land Schafft Verbindung (LSV) am Montagmorgen gegen 8 Uhr am Straßenrand bei Pleidelsheim: „Wir haben den Verkehr nicht blockiert, aber Präsenz gezeigt.“ Der Bönnigheimer Landwirt hatte eine Kundgebung an der Autobahnauffahrt organisiert. Zu ihr kamen Politiker wie die Christdemokraten Fabian Gramling (MdB) und Tobias Vogt (MdL) sowie der Grünen-Landtagsabgeordnete Tayfun Tok.

 

Einige Bierbänke und einen Behälter mit Punsch hatte Wolfgang Kölle am Fahrbahnrand platziert. Das war im Vorfeld genehmigt worden, wenn auch an einer etwas anderen Stelle – und auch in einem Zeitraum, der sich um diese Uhrzeit schon dem Ende neigte. „Eigentlich kostet das Parken auf dem Grünstreifen 80 Euro“, sagte ein Polizist, der angesichts der Umstände auf das Ordnungsgeld verzichtete. Der Morgen hatte den Beteiligten schon genug abverlangt. So mussten die beiden CDU-Politiker bei klirrender Kälte auf Schusters Rappen vom P+M-Parkplatz erst mal zum Treffpunkt hinüberlaufen. Dort waren um diese Zeit außer Kölle nur noch einige Helfer anwesend.

Die Landwirte kalkulieren langfristig – der Staat agiert kurzfristig

Ständig passierten Traktoren den Knotenpunkt mit Aufschriften wie „Opa erzählt, wie ein Bauernhof war“. Existenzängste trieben die Landwirte auf die Straße. Ein Lied davon konnte Wolfgang Kölle singen, der einen Pferdehof betreibt und angesichts der politischen Entscheidungen in Berlin von Einnahmeverlusten berichtete. Er kenne keine Bauern, die Villen auf den Seychellen hätten – sie steckten ihr Geld in die Maschinen, von denen viele schon 20 Jahre alt seien. „Die Landwirte tragen dazu bei, dass die Lebensmittel günstig bleiben.“ Die Politiker sollten nicht gegen die Bauern arbeiten, sondern sie unterstützen – etwa, indem die Herkunft von Zutaten in Lebensmitteln sichtbarer werden müsse.

Verständnis für die Aktion der Bauern und deren Ärger äußerten alle drei Abgeordnete. „Man hat die Landwirte zum Bauernopfer gemacht“, sagte Fabian Gramling, der die Ampelkoalition stark kritisierte, die Maß und Mitte verloren habe, indem sie eine relativ kleine Gruppe der Bevölkerung zur Kasse bitte. Tobias Vogt erinnerte an den hohen Einsatz der Landwirte: „Sie stehen früher als wir auf, um ihre Felder zu bewirtschaften und sorgen dafür, dass wir etwas auf dem Tisch haben.“ Sie bräuchten Planungssicherheit, denn ihre finanziellen Kalkulationen liefen über Jahrzehnte – kurzfristig höhere Abgaben schädigten sie.

Der Grünen-Abgeordnete kritisiert ebenfalls den Ampel-Beschluss

Für einen Fehler hält auch der Grüne Tayfun Tok den Abbau der Steuervergünstigungen für Agrardiesel. „Wer seit Jahrzehnten seine Familie durch die Hofarbeit ernährt, spürt eine ansteigende Mehrbelastung“, sagte der Landtagsabgeordnete aus Murr. Politiker sollten sich bemühen zu hören, was die Landwirte bräuchten, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die grün-schwarze Landesregierung betreibe seit 2022 einen Strategiedialog. „Es geht um weniger Dokumentationspflichten und mehr Vertrauen den Landwirten gegenüber.“

Auch wegen möglicher Schadensersatzforderungen habe der LSV auf Blockaden wie die vor dem Lager einer Discounterkette verzichtet, erklärte Wolfgang Kölle. Er denkt, dass es in dieser Woche nicht mehr zu schärferen Aktionen komme, zumal sie wegen einer 48-Stunden-Frist sowieso erst am Donnerstag stattfinden könnten.