Die Protestwelle gegen rechts ist ins Rollen gekommen – auch aufseiten der Wirtschaftsvertreter. Foto: imago/Carsten / Thesing

Die Zivilgesellschaft macht gegen die AfD und Fremdenhass mobil. Diesem Protest fühlen sich auch Unternehmen aus dem Südwesten verpflichtet. Die Firmen engagieren sich dabei ganz konkret gegen Extremismus.

Berichte über konspirative Treffen rechtsextremer Aktivisten aus dem Umfeld von „Reichsbürgern“ und Identitärer Bewegung mit Vertretern der AfD haben die öffentliche Diskussion über die Partei angeheizt. Mit den rechtsradikalen Plänen einer „Remigration“ wurde für viele eine Grenze überschritten, was sie nicht mehr schweigend und tatenlos zur Kenntnis nehmen wollen. Auch die Wirtschaft formiert sich gegen die AfD. Und das nicht erst jetzt, heißt es im Fall des Laserherstellers Trumpf. Aus Ditzingen kommt der Hinweis, dass sich die Eigentümerfamilie schon lange gegen die AfD positioniere.

 

Über den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sagt die Trumpf-Vorstandsvorsitzende Nicola Leibinger-Kammüller: „Er ist ein offener Antisemit und ein Populist, der unsere Demokratie verachtet. Dessen muss sich jeder klar sein, der die Partei wählt.“ Außerdem erwähnt Leibinger-Kammüller den Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie, der in Schulen geht und den Trumpf unterstützt.

Bosch fühlt sich der eigenen Geschichte verpflichtet

Noch länger fühlt sich die Robert Bosch GmbH verpflichtet, sich rechtsradikalen Tendenzen zu widersetzen. Schließlich stand der Firmengründer während des Nationalsozialismus dem Widerstand nahe und schützte nach Kräften verfolgte Mitarbeiter. Diesem historischen Anspruch verleiht das Unternehmen Nachdruck, indem es die Aktion „Nie wieder ist jetzt“ unterstützt. Dazu der Bosch-Chef Stefan Hartung: „Als internationales und global agierendes Unternehmen setzen wir uns dafür ein, dass Deutschland ein weltoffenes Land bleibt, und erteilen jeglicher Position zur Ausgrenzung von Teilen der Bevölkerung eine klare Absage. Für die enormen Herausforderungen unserer Zeit gibt es keine einfachen Lösungen. Wir werden sie nur bewältigen können, wenn wir als Gesellschaft zusammenstehen und wesentliche Werte wie Vielfalt, Chancengerechtigkeit und die Teilhabe aller aufrechterhalten.“

Außerdem heißt es aus dem Hause Bosch, dass man die rechtsextremistischen Entwicklungen mit Sorge beobachte und überprüfe, wie sich das Unternehmen dazu aufstelle. „Bosch wertschätzt alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unabhängig von ihrer nationalen und kulturellen Identität. Wir fördern den Austausch zwischen ihnen – dies ist für uns eine Bereicherung“, heißt es in einem Firmenstatement.

Mercedes-Benz hat auf Anfrage bezüglich der AfD folgende Erklärung abgegeben: „Die AfD vertritt der Wirtschaftspolitik schadende und Teile der Partei sogar verfassungs- und fremdenfeindliche Positionen, die mit Werten von Mercedes-Benz nicht vereinbar sind.“ Eckart von Klaeden, als Leiter des Bereichs External Affairs so etwas wie der Mercedes-Außenminister, ergänzt, dass „diese Positionen der AfD unserer Sicherheit und unserem Wohlstand die Grundlage entziehen“.

Mercedes-Benz sei sich bewusst, dass das Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung habe, die über das Kerngeschäft hinausgehe. In einer Erklärung weist der Konzern außerdem darauf hin, dass man sich mit anderen deutschen Firmen im „Freundeskreis Yad Vashem“ zusammengeschlossen und eine Erklärung gegen Antisemitismus und Rassismus unterschrieben habe. Yad Vashem ist die Gedenkstätte in Jerusalem, die an den Holocaust und an während dieser Zeit gezeigten Heldenmut erinnert. Darüber hinaus sei man im Rahmen der Aktion „Nie wieder ist jetzt“ engagiert.

Porsche begrüßt die klare Haltung gegen Extremismus

Dasselbe gilt für das Unternehmen Daimler Truck. „Ich beobachte den aufkeimenden Nationalismus mit Sorge“, sagt der Vorstandschef Martin Daum. „Die AfD vergiftet das gesellschaftliche Klima. Die Partei hat keine Idee, geschweige denn eine Lösung. Sie nutzt den Ärger und die Wut der Menschen. Wir haben globale Probleme. Die kann keiner allein lösen. Abschottung und Konflikte machen diese nur noch größer. Zusammenarbeit, Austausch, Kompromiss und Verständnis sind notwendig – alles Vokabeln, die ich nicht bei der AfD finde.“

Für Porsche meldet sich Andreas Haffner in der Sache zu Wort, im Vorstand verantwortlich für den Bereich Personal und Soziales: „In diesen herausfordernden Zeiten ist es wichtiger denn je, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Porsche steht für eine offene Gesellschaft, Respekt und Toleranz. Insofern begrüßen wir ausdrücklich, dass in diesen Tagen so viele Menschen eine klare Haltung gegen Extremismus zeigen.“