Wer alles in Herrenberg protestiert, ist noch offen. Das Bild entstand in Berlin. Foto: dpa

Die Teilnehmer eines AfD-Treffens werden mit einem Fest empfangen – aber keineswegs gefeiert.

Herrenberg - Die Frage nach fremdenfeindlichen Strömungen in seiner Stadt beantwortet der Oberbürgermeister Thomas Sprißler standardmäßig mit einem Nein. Punkt. In der Tat hatte sich in Herrenberg bereits eine Gemeinschaft zur Betreuung von Flüchtlingen gegründet, lang bevor der erste Flüchtling dort ankam. Ungeachtet dessen hat die AfD auch in Herrenberg einen Ortsverband, und ziemlich genau jeder Zehnte Herrenberger gab bei der Bundestagswahl den Rechtsaußen seine Stimme. Eben dies wird am Tag der Deutschen Einheit sichtbar werden.

Die AfD lädt in die Alte Turnhalle ein, zu einem „Treffen christlicher Patrioten“. Martin Hohmann und Joachim Kuhs werden sprechen, zu ihrem Verständnis christlicher Werte und bürgerlicher Familien. Die Einladung endet mit dem Satz: „Wir freuen uns auf einen angeregten Meinungsaustausch.“

Die Protest-Gemeinschaft spiegelt ihren eigenen Namen

Der dürfte garantiert sein, jedenfalls vor der Halle. Dort werden die christlichen Patrioten mit einem Fest begrüßt, samt Musik und Tischkicker, das aber keineswegs den christlichen Patriotismus nach Lesart der AfD feiern soll, sondern ziemlich genau das Gegenteil. Für das Protestfest hat sich eine Gemeinschaft gegründet, die gleichsam ihren selbst gewählten Namen widerspiegelt: „Herrenberg bleibt bunt“. Die große Mehrzahl der Parteien vereinigt sich in ihr genauso wie die Kirchengemeinden, das Jugendhaus oder der Weltladen.

„Das ist ein Art Aufforderung an die sogenannte schweigende Mehrheit, ihre Stimme zu erheben“, sagt Jörn Gutbier, der Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat. Das AfD-Treffen sei zwar der Auslöser der Gründung gewesen, aber das Bündnis soll erhalten bleiben. Zumal es „aus den Kräften besteht, die sowieso aktiv sind“, meint Gutbier, „in Herrenberg sind wir ganz gut aufgestellt, was Toleranz betrifft“.

Der Oberbürgermeister muss sich rechtfertigen

Worauf die bislang einzige Diskussion zu den Veranstaltungen hindeutet. In der Bürgersprechstunde des Gemeinderats musste der Oberbürgermeister sich dafür rechtfertigen, dass die Stadt ihre Halle für die AfD öffnet. Es gebe schlicht keine rechtliche Möglichkeit, die Veranstaltung zu unterbinden, sagte Sprißler, „auch wenn mich das persönlich nicht freut“.

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