Bei den Wagenhallen kommen Subkultur, mit der geplanten Interimsoper die Hochkultur, Wohngebiete und bestehende Schulen zusammen. Dieses „Eperimentierfeld“ soll bei der IBA aufgegriffen werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Stadtverwaltung will die ersten Projektideen für die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart einreichen. Vor allem die CDU und die SPD finden den Vorschlag zu mutlos und zu wenig ambitioniert. Der Baubürgermeister und seine grünen Parteifreunde sehen das anders.

Stuttgart - Die Stadt Stuttgart nimmt Kurs auf die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart und will jetzt die ersten Ideen für Projekte in der Landeshauptstadt einspeisen. Doch noch gibt es im Rathaus erhebliche Meinungsunterschiede, was die richtige Herangehensweise und die Beiträge zur IBA angeht. Das wurde am Dienstag klar, als der Ausschuss für Umwelt und Technik über den Vorschlag der Verwaltung für eine erste Tranche von Projektvorschlägen beriet.

Bei drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung empfahl er den betroffenen Bezirksbeiräten, die das Thema nun auch beraten, und dem Gemeinderat für seine Sitzung am 24. Januar immerhin mit einer tragfähigen Mehrheit die Zustimmung. Damit gibt es ein erstes Votum dafür, der IBA-GmbH mit ihren Gremien einige Schwerpunkte anzubieten, wo man zentrale Zukunftsfragen der StadtRegion aufwerfen und exemplarisch beantworten könnte.

Vorschläge reichen von Wagenhallen bis Untertürkheim

Es handelt sich um das Quartier um die Wagenhallen und das Rosensteinviertel (Themenbereich: Vernetzung von Sub- und Hochkultur sowie Experimentierfeld für die Baukultur einer Neuen Moderne), um Neckarabschnitte und Nachbarschaften in Cannstatt, Untertürkheim und Stuttgart-Ost (Stadt am Fluss), um Stuttgart-Vaihingen (Vernetzung von Ortsmitte, Gewerbezentrum, vielfältigen Verkehrsachsen sowie Eiermann-Campus), und das Gebiet Stöckach mit dem EnBW-Areal (integrierte Nutzungen in einer Smart-City mit E-Mobilität und Glasfaserkabel), um die Leonhardsvorstadt im Zentrum mit dem Züblin-Areal (soziale Innenstadt mit günstigem Wohnen), um die Böckinger Straße in Zuffenhausen (ähnliche Themen wie in der Leonhardsvorstadt) und um die Weißenhofsiedlung (experimentelles Wohnen früher und heute).

Zu wenig Visionäres und Zukunftsweisendes, meinen die Kritiker

Das Abstimmungsergebnis täuscht allerdings etwas über das Ausmaß der Unzufriedenheit hinweg. Die CDU warf der Verwaltung mangelnden Mut vor, über den Standard für eine Ausstellung vom Schlage einer Bundesgartenschau hinauszudenken. Das Thema Hochhaus fehle ganz. Die SPD meinte, einfaches Subsummieren schon bisher bekannter Kleinprojekte reiche nicht. Die SÖS vermisste innovative Projekte. Die Freien Wähler meinten: „Zu kurz gesprungen.“ Die FDP sah nichts Visionäres und Zukunftsweisendes. Der Einzelstadtrat der Liberal-Konservativen Reformer jedoch erkannte „vier bis fünf großartige Dinge“. Und er urteilte: „Leuchtturmprojekte zu bringen, ist in unser aller Verantwortung.“ Die Grünen merkten an, wesentliche Denkanstöße sollten – wie in den 1920er Jahren für die Weißenhofsiedlung – von außen eingeholt werden.

Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sagte, es handle sich zwar um längst bekannte Flächen, für sie wolle man aber mit Hilfe der IBA weiterdenken, notfalls auch einen Schritt zurückgehen. Die Projektideen böten viele Chancen. Beispiel Stöckach: Da gehe es um Fragen, wie sehr die Stadt baulich verdichtet sein müsse, welche Wohnungsgrundrisse man brauche, wie viele flexibel „zuschaltbare“ Zimmer und wie viel Smart-City mit E-Mobilität und digitaler Infrastruktur.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: