Es schaut an der Aldinger Straße in Kornwestheim ein bisschen aus wie in den Weiten der USA: Die Tankstelle ist im vergangenen Jahr aufgegeben worden. Foto: Werner Waldner

Einige Autofahrer blieben 2018 mit ihren Fahrzeugen liegen, weil Wasser im Kraftstoff war. Sie hatten in Kornwestheim getankt. Der Pächter und der Lieferant streiten sich nun über hohe Kosten.

Kornwestheim - In reinem Zustand wäre er rund 20 000 Euro wert, der E-10-Kraftstoff, der in einem Tank unter der inzwischen geschlossenen Kornwestheimer Tankstelle an der Aldinger Straße lagert. Mit Wasser versetzt ist das Benzin allerdings keinen Cent mehr wert, sondern verursacht lediglich Kosten. Wer für diese aufkommt, darüber streiten sich zwei Unternehmen.

Vor gut einem Jahr hatte es für rund 20 Autofahrer eine unliebsame Überraschung gegeben: Nach dem Tanken schafften ihre Fahrzeuge nur noch wenige Kilometer und blieben dann liegen. Wurde zunächst vermutet, dass sich Diesel mit dem E-10-Kraftstoff vermischt hatte, so stellte sich später heraus, dass Wasser die Ursache dafür war, dass die Autos nicht mehr fahren konnten. Aber wie kam das Wasser in den Kraftstoff? Die Frage darauf wird vermutlich ein Gericht klären müssen.

Drei Gutachter waren im Einsatz

Die beiden Kontrahenten, Atif Akkus, der die Tankstelle betrieben hat, und die Firma Wahr als Lieferant des Kraftstoffs, sehen jeweils den anderen als Verursacher. Atif Akkus hat im Laufe des vergangenen Jahres drei Gutachter die Tankanlage inspizieren lassen und dreimal das Ergebnis bekommen, dass sowohl die Tankkammer als auch die Saugleitung dicht sind und deshalb kein Wasser von außen eindringen konnte. Die Dekra etwa schreibt in ihrer Expertise in bürokratischem Stil: „Abschließend kann gesagt werden, dass anhand der vordokumentierten Prüfungen und Nachweise, der durch den Unterzeichner getroffenen Feststellungen sowie unter der Annahme der Durchführung regelmäßiger, gewissenhafter Wartung der Anlage Wasser weder durch einen schadhaften Tank beziehungsweise ein schadhaftes Tankabteil noch durch sich im Domschacht befindliche Rohr- und Flanschverbindungen in das Tankinnere gelangen kann.“

Kam das Wasser aus dem Tankwagen?

Eine Möglichkeit, so heißt es in dem Dekra-Gutachten weiter, könne darin bestehen, „dass das Wasser vom Tankfahrzeug bei der ersten Betankung im Jahr 2018 mit eingeschleppt wurde und sich aufgrund des Dichteunterschieds nach Beruhigung im Tank unter dem Kraftstoff abgesetzt hat und dieses dann zuerst vom Saugrohr angesaugt wurde“. Möglicherweise sei nach der Reinigung des Tankwagens zum Jahresende vergessen worden, die wässrige Reinigungslösung abzulassen.

Die Firma Wahr aus Nagold, die das Benzin geliefert hatte, hält diese Überlegungen für abwegig. Dass der Tank der Tankstelle dicht sei, habe man nie bestritten, sagt der Geschäftsführer Bernd Wahr. Aber was sei mit Befüllstutzen, Füllrohr, Gaspendelstutzen oder Grenzwertgeber? Darüber gebe es keine Aussagen. Es handele sich bei der unerwünschten Flüssigkeit im E 10 eindeutig um Regenwasser. Er verweist darauf, dass es nirgends anders Probleme mit dem Kraftstoff gegeben habe.

Die Versicherung bezahlte Schäden der Autobesitzer

Die beiden Parteien streiten sich um gut 20­ 000 Euro. Atif Akkus will die Kosten für die Gutachten ersetzt bekommen und einen Ausgleich für den Verdienstausfall, den er durch das Geschehen erlitten hat. Der Lieferant indes will das Benzin bezahlt bekommen und hat nach Beendigung des Geschäftsverhältnisses eine Kaution einbehalten. Anwälte sind mit der Auseinandersetzung befasst.

Die Autofahrer indes sind aus dem Schneider: Für ihren Schaden ist die Haftpflichtversicherung des Tankstellenpächters eingesprungen. Der hat das Tankstellengeschäft in der Aldinger Straße im vergangenen Jahr aufgegeben und seinen Vertrag mit dem Grundstückseigentümer mittlerweile gekündigt. Die Übergabe an ihn erfolgt aber erst dann, wenn auch das Benzin im Tank entsorgt wurde.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: