Wer privat größere Summen verleihen will, sollte das Geld lieber überweisen. Foto: dpa

Wer Freunden oder Verwandten Geld leiht, sollte sich absichern. Denn ein späterer Streit um den privaten Kredit kann die freundschaftliche oder familiäre Beziehung zerstören.

Stuttgart - Beim Geld, so sagt es der Volksmund, hört die Freundschaft auf. Doch wer knapp bei Kasse ist und plötzlich mit einer größeren, ungeplanten Ausgabe konfrontiert wird, ist mitunter darauf angewiesen, dass Freunde oder Familienmitglieder schnell und unbürokratisch mit einem privaten Darlehen aushelfen. Wann Auto, Fernseher oder Waschmaschine den Geist aufgeben und für viel Geld repariert oder auch erneuert werden müssen, lässt sich schließlich nicht immer vorhersagen.

Gegenüber einem Bankkredit oder einem Ratenkauf hat ein Darlehen unter Freunden einige Vorteile – vor allem für den Schuldner: Freunde oder Verwandte verlangen in der Regel keine Schufa-Auskunft, sie sind idealerweise bei der Rückzahlung geduldiger als die Bank – und sind auch bei den Zinsen großzügiger. Für den Gläubiger stellt sich die Situation hingegen ein wenig anders dar: „Wer privat Geld an Freunde und Familienmitglieder verleiht, setzt nicht nur das verliehene Geld aufs Spiel, sondern im schlimmsten Fall eine freundschaftliche oder familiäre Beziehung“, warnt Alexander Adler von der Postbank. „Wird das Geld verspätet oder gar nicht zurückgezahlt, kann das zu einem erbitterten Streit führen.“

Entsprechend skeptisch sind die Deutschen, wenn es darum geht, Freunden oder Familienmitgliedern größere Summen zu leihen: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid aus dem vergangenen Jahr im Auftrag der Postbank hält das mehr als jeder dritte Befragte (34 Prozent) für inakzeptabel. Eine Postbank-Umfrage aus dem Jahr 2012 verrät auch, warum die Bedenken durchaus berechtigt sind: Demnach erhielt nur die Hälfte (52 Prozent) derjenigen, die einen Betrag von mehr als 1000 Euro im Freundes- oder Bekanntenkreis verliehen hatten, ihr Geld anstandslos und fristgerecht zurück. Grundsätzlich sollte man sich auch von einem noch so guten Freund nie zu einem Privatdarlehen drängen lassen. Wenn man ein ungutes Gefühl dabei hat, ist es völlig legitim, Nein zu sagen. Das muss eine Freundschaft aushalten.

Ein Kreditvertrag beugt Streit vor

Und wer privat Geld verleiht, sollte einige Regeln beachten, um Streit vorzubeugen. Vor allem sollte so ein Geschäft immer schriftlich abwickelt werden, raten Rechts- und Finanzexperten. „Das Allerwichtigste beim privaten Geldverleih ist es, einen einfachen und kurzen Vertrag aufzusetzen, der vom Darlehensgeber und Darlehensnehmer unterzeichnet wird“, sagt Markus Decker, Rechtsanwalt in der auf Bank-, Kapitalmarkt- und Verbraucherrecht spezialisierten Kanzlei Decker & Böse aus Köln. Der Gang zum Anwalt oder Notar ist nicht unbedingt nötig, auch ein Mustervertrag kann ausreichen. Die wichtigsten Eckdaten, die der Vertrag enthalten sollte, sind die Höhe der Summe, Auszahlungs- und Rückzahlungstermin sowie der Zinssatz.

Mittels des Darlehensvertrags kann man sich auch Sicherheiten vom Darlehensnehmer übereignen lassen – etwa das Auto. Das kann er dann zwar weiterhin fahren, der Fahrzeugbrief sollte aber dem Darlehensgeber übergeben werden. So ist gewährleistet, dass der Pkw nicht verkauft werden kann und auch wirklich als Sicherheit zur Verfügung steht, sollte der Schuldner das Darlehen nicht zurückzahlen können.

Wer einen schriftlichen Vertrag vermeiden möchte, um kein Misstrauen in die freundschaftliche oder verwandtschaftliche Beziehung zu bringen, sollte sich zumindest insofern absichern, als dass der Betrag überwiesen und nicht in bar übergeben wird – mit dem Wort „Darlehen“ im Verwendungszweck, rät Rechtsanwalt Decker. Dann lässt sich nämlich im Streitfall zumindest beweisen, dass einem der Darlehensnehmer Geld schuldet – und dass es sich nicht um eine Schenkung handelte.

Zinsen sind steuerpflichtig

Die Zinseinnahmen aus einem privaten Darlehen muss man als Kapitalerträge versteuern und in der Anlage KAP der Einkommensteuererklärung angeben. Auch hier gilt der Sparerpauschbetrag von 801 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 1602 Euro für Paare. Bei manchen Konstruktionen kann die Steuerfrage aber knifflig werden. Wenn Eltern ihrem Kind ein verzinstes Darlehen für den Kauf einer Wohnung geben, die vermietet wird, fällt auf die Zinsen die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent an, hat der Bundesfinanzhof entschieden (AZ: VIII R 9/13). Voraussetzung ist, dass der Vertrag so gestaltet ist, wie es auch unter Fremden möglich wäre.

Wer Freundschaft und Geldfragen lieber trennen möchte, findet im Internet Alternativen: Darlehen von Privatpersonen für Privatpersonen gibt es auf Kreditplattformen wie Smava, Auxmoney und Lendico. Besonders bei schlechterer Bonität sind die Konditionen dort oft besser als bei der Bank. In der Regel wird aber auch dort eine Schufa-Auskunft eingeholt – und bei Zahlungsverzug wird ein Inkassounternehmen eingeschaltet.

Vorsicht bei Bürgschaften

Haftung Mal eben für den Kredit oder den Handyvertrag eines Freundes bürgen – für viele ist das selbstverständlich. Doch Verbraucherschützer warnen davor, mit Bürgschaften allzu sorglos umzugehen. Eine Bürgschaft ist keine Gefälligkeit, sondern ein knallharter Vertrag – und kann sogar in die Pleite führen. Bei Kunden mit schlechter Bonität ist eine Bürgschaft häufig Voraussetzung für ein Bankdarlehen. Der Bürge erklärt, mit seinem gesamten Besitz für die Schuld des anderen zu haften. Eine Obergrenze gibt es nicht.

Vertrag Meistens sind die Bürgschaftsverträge so formuliert, dass die Bank gar nicht beim Schuldner anklopfen muss, wenn dieser nicht zahlt, sondern sich sofort an den Bürgen wenden kann. „Das gilt auch für den Fall, dass sich mehrere Personen verbürgt haben“, so die Verbraucherzentrale NRW. In diesem Fall gilt die sogenannte gesamtschuldnerische Haftung: Die Schulden werden nicht zwischen den verschiedenen Bürgen aufgeteilt, sondern die Bank kann sich das gesamte Geld dort holen, wo sie es am schnellsten bekommt.

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