Generationenfrage: Für den Vater mag die staatliche Rente noch reichen, doch der Sohn muss selbst vorsorgen, damit er im Alter ein auskömmliches Leben führen können wird. Doch auf was sollte er achten? Foto: imago /Westend61/Gustafsson

Eine private Altersvorsorge ist heute für die meisten unerlässlich, aber viele Verträge und Versicherungen lohnen sich wegen hoher Kosten nicht. Doch was sind die Alternativen zu Lebensversicherungen, Riester und Co.?

Wenn es um die Altersvorsorge der Deutschen geht, sieht Verbraucherschützer Niels Nauhauser schwarz: „Die Deutschen sind dramatisch schlecht beraten.“ Seit 20 Jahren arbeitet Nauhauser als Experte für Altersvorsorge und Finanzen für die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, noch immer böten Versicherungs- und Finanzvermittler sowie Banken eine Beratung, die vor allem den eigenen Provisionsinteressen diene. „Wir stellen leider immer wieder fest, dass die Renditen des Kapitalmarkts bei Verbrauchern nicht ankommen.“

 

Die hohen Fixkosten und Provisionen vieler Lebensversicherer und Riester-Verträge haben der privaten Altersvorsorge in den vergangenen Jahren viel Skepsis eingebracht. Dabei ist klar, dass die staatliche Rente künftig nicht reicht, um im Ruhestand den Lebensstandard zu halten – selbst wenn diese zumindest bis 2025 nicht unter 48 Prozent des Nettoeinkommens sinken soll. Was kann man also tun?

Kassensturz machen Die Differenz zwischen Einkommen aus Renten und Ersparnissen und dem späteren Bedarf wird Rentenlücke genannt. Die persönliche Rentenlücke zu bestimmen steht deshalb am Anfang der Altersvorsorge-Strategie, wie sie etwa die Deutsche Rentenversicherung (DRV) empfiehlt. Die von der DRV jährlich verschickte Renteninformation gibt die bisher erreichte sowie die zum Renteneintritt mögliche Rente an, letztgenannte auf Basis der durchschnittlich gezahlten Beiträge aus den vergangenen fünf Kalenderjahren. Hier sollte man gegenrechnen, wie viel Ausgaben man derzeit und geschätzt im Alter hat, heißt es. Dabei sollte man im Zweifel einen Puffer einbauen: Von der Rente gehen noch Sozialabgaben ab, die Inflation steigt. Zudem sind die letzten Lebensjahre infolge von Krankheiten oft die teuersten.

Geld zurücklegen Anschließend geht es darum, was man zurücklegen kann – und wie man das Geld am besten für das Alter anlegt. Beides ändert sich je nach Lebensphase – je nachdem, ob man Berufsanfänger ist, Kinder versorgt oder den Erwerb einer Wohnung plant, die wiederum Teil der Altersvorsorge sein kann. Rentenexperten raten Angestellten, zwischen fünf und 15 Prozent des monatlichen Nettogehalts zurückzulegen, bei Selbstständigen könne der Satz auch rund ein Drittel betragen.

Kosten vermeiden Doch wie konkret vorsorgen? „Für eine langfristige Anlagestrategie am Kapitalmarkt sind zwei Erfolgsfaktoren elementar: eine breite Risikostreuung und möglichst geringe Ausgaben“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Generell solle man zuvorderst die Kosten der Verträge möglichst gering halten, weshalb Nauhauser in der Regel von Lebensversicherungen zum Vermögensaufbau abrät – und die langfristige Investition in möglichst breit gestreute Aktienfonds vorschlägt.

ETFs nutzen Viele Finanzexperten schlagen wie Nauhauser für die Altersvorsorge Sparpläne auf sogenannte ETFs vor – Fonds, die verschiedene Börsenindizes nachbilden. Ratsam sei ein besonders breit gestreuter, weniger risikoreicher ETF wie der MSCI World, der die Börsenwerte von mehr als 1500 Unternehmen aus 23 Ländern bündelt. Wer hier in den vergangenen Jahrzehnten zu einem beliebigen Zeitpunkt 15 Jahre lang investierte, konnte laut dem Verbraucherportal Finanztip eine durchschnittliche Rendite von sieben bis acht Prozent pro Jahr erzielen.

Zwischenzeitlich könne aber auch der Wert des ETFs deutlich schwanken, mahnt Finanztip-Rentenexperte Jan Scharpenberg. „Man muss es deshalb aushalten können, wenn der ETF-Kurs nach unten geht, und das Geld auch für mindestens 15 Jahre anlegen können, um es nicht im Notfall zu einem ungünstigen Zeitpunkt abziehen zu müssen.“ Damit die Nebenkosten für das Depot niedrig bleiben, sollten Verbraucher günstige Broker nutzen, bei denen sie Sparpläne auf ETFs zu minimalen Kosten erwerben und verwalten können.

Selbstständig agieren Selbst in Aktienfonds anzulegen ist für viele Bundesbürger noch immer Neuland – Scharpenberg ermuntert dennoch per ETF-Sparplan dazu, aufgrund des günstigen Verhältnisses von Kosten zu möglicher Rendite. „Die Sicherheit bei der Altersvorsorge entsteht nicht, weil ein Produkt sie bloß verspricht, sondern durch eine gute Rendite, die wiederum durch langfristige Anlagen bedingt ist“, betont er. Zudem sei schon für junge Menschen eine Berufsunfähigkeitsversicherung sehr wichtig. Denn auch die eigene Arbeitskraft sei eine Grundlage für die Altersvorsorge, die es zu schützen gelte.

Anlagen optimieren Wie so oft im Leben, läuft es auch bei der Altersvorsorge nicht immer nach Plan. Wer den Arbeitsplatz verliert, Kinder bekommt, erbt oder sich dem Rentenalter nähert, wird auch seinen Vermögensaufbau neu bewerten müssen. „Wenn eine fondsgebundene Rentenversicherung wegen der hohen Anbieterkosten seit 15 Jahren im Minus ist, dann ist es nie zu spät nachzujustieren“, sagt Nauhauser. Und man sollte natürlich auch Grundlegendes beachten – etwa drei bis vier Netto-Monatsgehälter als Notgroschen für das kaputte Auto beiseitelegen und für mittelfristige Anschaffungen auch Geld auf Tages- oder Festgeldkonten zur Verfügung haben.

Das Wichtigste aber ist, sich grundsätzlich einen Überblick über seine berufliche Karriere, Lebensträume wie auch Rentenziele Gedanken zu machen. Eine individuelle wie kostenlose Beratung bietet die Deutsche Rentenversicherung. „Der häufigste Fehler bei der Altersvorsorge ist, dass man zu spät damit beginnt“, sagt Scharpenberg. „Je früher man anfängt, desto einfacher ist es.“

Bürgerinnen und Bürger gehen später und länger in die Rente

Rentenalter
 Die Menschen in Deutschland gehen im Schnitt immer später in Rente. So stieg das Zugangsalter zu Altersrenten laut dem Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung bei Männern im vergangenen Jahr auf 64,4 Jahre. 2001 lag es bei 62,4 Jahren. Bei den Frauen stieg das Rentenzugangsalter von 62,5 Jahren 2001 auf ebenfalls 64,4 Jahre im vergangenen Jahr.

Rentendauer
 Gleichzeitig stieg die Dauer der Rentenbezüge bei den Männern binnen zehn Jahren von 16,7 auf 18,8 Jahre im vergangenen Jahr. Die Frauen erhielten im Schnitt 22,2 Jahre lang ihre Rente – knapp ein Jahr länger als zehn Jahre zuvor. Grund der längeren Bezugsdauer ist die gestiegene Lebenserwartung.