Seehofer und Söder stehen im Zentrum der internationalen Betrachtung. Foto: dpa

Die Wahl in Bayern ist mehr als eine Landtagswahl. In der internationalen Presse findet das Ergebnis weite Beachtung. Kommentatoren sehen Folgen für Deutschland – und Europa.

Stuttgart - Nach den schweren Verlusten von CSU und SPD bei der Landtagswahl in Bayern rechnet die internationale Presse auch mit Folgen für die große Koalition Berlin:

„NEUE ZÜRCHER ZEITUNG“ (Schweiz): „Ohne personelle Konsequenzen kann eine solche Niederlage nicht bleiben. Ministerpräsident Markus Söder gilt zwar als unpopulär, doch Bundesinnenminister Horst Seehofer, der Chef der CSU, stand bei sämtlichen Streitereien, welche die große Koalition in den vergangenen Monaten erschütterten, im Zentrum des Geschehens. Seine Zeit als Minister könnte bald schon zu Ende sein.“

„DE VOLKSKRANT“ (Niederlande): „In den kommenden Wochen wird in Berlin die Frage zu beantworten sein, wie viel Überzeugungskraft die ohnehin schon taumelnde große Koalition noch hat. Jetzt, wo dieser Verlust die CSU wieder auf das reduziert hat, was sie eigentlich immer war: eine regionale Partei. In der SPD, die bereits im vergangenen Jahr auf Bundesebene eine krachende Niederlage erlitten hat, wird die Debatte über die destruktive Auswirkung einer Koalition mit der CDU/CSU wieder aufleben.“

„JYLLANDS-POSTEN“ (Dänemark): „Tatsächlich hat die CSU seit mehr als 60 Jahren nicht so wenige Stimmen erhalten. Bislang war die Partei nahezu ohne Einmischung in Deutschlands ältestem, größten und reichsten Staat, Bayern, an der Macht. Diese Ära ist allem Anschein nach nun vorbei. Damit schwindet wahrscheinlich auch die bundesweite Bedeutung der Partei.“

Druck auf Seehofer wächst

„DAGENS NYHETER“ (Schweden): „Die deutschen Sozialdemokraten SPD haben es historisch gesehen in Bayern schon immer schwer gehabt. Aber dass sie nun bei voraussichtlich knapp zehn Prozent landen, ist schlimmer, als es sich irgendjemand auch nur vorzustellen gewagt hätte. Wenn die Partei bei der Wahl in Hessen in zwei Wochen ähnlich schlecht abschneidet, dürfte das den Gegnern der großen Koalition weiter Aufwind verschaffen. Für den Fortbestand der Regierung kann das gefährlich werden.“

„LIDOVE NOVINY“ (Tschechien): „Das Verhalten der CSU im Rahmen der Berliner Regierungskoalition war bereits vor der Wahl als einer der Hauptgründe für ihre geringere Beliebtheit bei den Wählern identifiziert worden. Der CSU-Parteivorsitzende und Innenminister Horst Seehofer trat sehr konfrontativ gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. (...) Es ist zu erwarten, dass wegen des schlechten Wahlergebnisses der Druck auf Seehofer wächst, den Parteivorsitz abzutreten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder scheint indes fest im Sattel zu sitzen, denn er hat die Parlamentsfraktion und wichtige Vertreter der CSU hinter sich.“

„EL MUNDO“: „Ein neues politisches Erdbeben - wie viele hat es bereits gegeben? - erschüttert die Europäische Union. Denn das besorgniserregende Ergebnis der gestrigen Wahl in Bayern (...) ist ein weiterer Harpunenschuss in das Gemeinschaftsprojekt und die Möglichkeit, die Werte, auf denen es basiert, zu stärken. Es ist naiv zu glauben, dass das, was in der Lokomotive der EU passiert, den Fortschritt bei der Integration nicht bremsen wird. Der Absturz der CSU (...) geht mit dem beunruhigenden Aufstieg der extremen Rechten in diesem Bundesland einher, die ein großartiges Ergebnis erzielt. Und, nicht weniger wichtig, ist der Untergang der SPD, die fast in die Irrelevanz stürzt und einen historischen Schlag erleidet.“

Warum auch die Grünen in Baden-Württemberg von der Bayernwahl profitiert, erklärt unser Ressortleiter Politik, Rainer Pörtner, im Video.

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