Oppositionelle Journalisten fühlen sich in der Türkei nicht sicher Foto: AP

„Unbequeme Journalisten in der Türkei landen wegen Kleinigkeiten im Gefängnis, sie erhalten auf Anweisung der Regierung viel zu hohe Steuerbeischeide oder werden mit Prozessen überschüttet“, sagt Tuncay Akgün. Der Chefredakteur der türkischen Satirezeitschrift Leman war am Donnerstagabend Gast im Literaturhaus.

Stuttgart - „Unbequeme Journalisten in der Türkei landen wegen Kleinigkeiten im Gefängnis, sie erhalten auf Anweisung der Regierung viel zu hohe Steuerbeischeide oder werden mit Prozessen überschüttet“, sagt Tuncay Akgün.

Der Chefredakteur der türkischen Satirezeitschrift Leman war am Donnerstagabend Gast im Literaturhaus. In der Reihe „Bakis - Standpunkt“ des deutsch-Türkischen Forums Stuttgart unterhielt er sich mit der Türkei-Expertin der Landeszentrale für Politische Bildung Susanne Thelen und dem Journalisten Knut Krohn über das Thema „Pressefreiheit mit Einschränkungen“, wieviel Charlie verträgt die Türkei?“.

Tuncay Akgün war mit den zwölf Mitarbeitern der Pariser Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo befreundet, die am 7. Februar ermordet wurden, weil die Zeitschrift Muhammad-Karikaturen veröffentlicht hatte. „Danach war für mich nichts mehr wie früher. Schließlich haben wir einen Sondertitel Titel herausgebracht und die Karikaturen nachgedruckt, denn wir und unsere Leser sind mit Charlie Hebdo solidarisch“, sagt Tuncay Akgün. Danach habe es Demonstrationen gegeben, „die von bestimmten Machtzentren angefacht wurden." Man habe sich aber nicht beeinflussen lassen. Bevorzugtes Opfer der Karikaturen in Leman ist Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

„Auch frühere Politiker haben gegen uns prozessiert, aber sie konnten wenigstens über Satire lachen. Erdogan aber hat keinen Humor, er versteht Satire nicht. Die Prozesse gegen uns nehmen ein unerträgliches Maß an.“ Pressefreiheit gebe es nur in kleineren Blättern und in sozialen Medien, Auf Parallelen zum russischen Staatschef Putin angesprochen, sagt Tuncay Akgün: „Sie sind ähnliche Charaktere, und sie verstehen sich auch gut.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: