Nur noch kurze Zeit im Amt. Rektor Peter Burkhardt Foto: Ulrike Bogner

Seit knapp 20 Jahren ist er Rektor an der Pragschule. Vor allem für Integration und Bildungsgerechtigkeit hat er sich eingesetzt. Jetzt geht Peter Burkhardt in den Ruhestand.

S-Nord - Sein Eindruck nach dem ersten Schultag an der Pragschule: „Ein offenes, interessiertes und neugieriges Kollegium. Das kann was werden!“. Sein Fazit jetzt: „Es ist was geworden.“ Knapp 20 Jahre ist Peter Burkhardt Leiter der Ganztagesgrundschule an der Friedhofsstraße. Sein Schreibtisch sieht nicht danach aus, dass zum Schuljahresende in den Ruhestand geht. Dort stapeln sich Aktenordner und Mappen – alles Arbeit, die bis zum Ferienbeginn am 29. Juli erledigt werden muss.

Burkhardt ist kein Autokrat. Er ist Mannschaftsspieler, Netzwerker und Menschenfreund. Dass „es was geworden ist“ an der Pragschule, verdanke er dem Kollegium, den Eltern der Schüler und den Kindern. „Wenn es Probleme gibt, denken alle mit“, stellt der Mannschaftsspieler fest. Die Lösungen findet der 65-Jährige durchs Zuhören. „Egal wer kommt, Eltern, Schüler oder Kollegen. Die Tür des Rektors ist immer auf“, sagt die Schulsekretärin Helga Wachter.

Außenstehende halten die Arbeit an der Pragschule für keine leichte Aufgabe. Von den rund 240 Jungen und Mädchen haben 60 bis 70 Prozent einen Migrationshintergrund. Außerdem setzen sich die Schüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammen, kommen vom Killesberg und dem Nordbahnhofviertel. Burkhardt sieht das entspannt. „Zahlen sagen nicht viel aus. Viele Eltern unserer Schüler sind hier geboren. Aber Integration ist für uns ein wichtiges Ziel“, sagt er.

Ein Baustein dafür ist der Circus Pragoli, der 2006 unter Burkhardts Federführung nicht nur ein Projekt auf Zeit, sondern fester Bestandteil des Unterrichts wurde. „Bei befristeten Projekten muss man eine Auswahl treffen. Für die Kinder, die nicht mitmachen dürfen, ist das schmerzlich“, sagt Burkhardt. Einmal pro Woche haben alle Drittklässler zwei Stunden Zirkusunterricht. Gekrönt wird das mit einer Gala-Aufführung. Der Effekt: „Die Schüler haben ein verbindendes gemeinsames Ziel und lernen, das man dran bleiben muss, wenn man etwas erreichen will“, sagt Burkhardt. Und der Pädagoge stellt klar, dass solche Angebote nur durch das Engagement aller Kollegen klappen. Deren Einsatz und die Einbeziehung der Eltern haben externe Prüfer bei der Schulbewertung gelobt

„Integration ist eine Sache der Haltung“

Außer für Integration, die für den in Stuttgart geboren und aufgewachsenen Schulleiter eine „Sache der Haltung ist“, steht er für Bildungsgerechtigkeit. Burkhardt geht es darum, die Potenziale der Schüler auszunutzen. Jeder soll die Chance auf Bildung haben – unabhängig vom Elternhaus. „Wahrscheinlich kommt das daher, dass meinen Eltern die Schule nicht so wichtig war und mein Abitur auf der Kippe stand“, vermutet er. Vielleicht wollte er auch deshalb „schon immer“ Lehrer werden.

Burkhardts Kritik an der Schulpolitik in Baden-Württemberg: Obwohl auf den Grundschulen vieles aufbaut, werden sie vernachlässigt. Das zeige sich daran, dass Grundschulen schlechter ausgestattet sind als Gemeinschaftsschulen und die Wertschätzung der Grundschullehrer nicht sehr hoch ist, was sich auch am Gehalt festmache.

Zu Burkhardts Funktion als Schulleiter kommt unter anderem die Leitung der Arbeitsstelle frühkindliche Bildung im staatlichen Schulamt. Und er engagiert sich am Coop-Tisch. An dem runden Tisch geht es um für den Stadtteil relevante Themen wie Angebote für Senioren, Flüchtlinge und Jugendliche. Vertreten sind außer der Pragschule die Moschee, die beiden Kirchengemeinden, das Familienzentrum und die Kitas. „Eine Schule kann nicht erfolgreich arbeiten, wenn sie nicht am Stadtteil orientiert arbeitet“, ist der Netzwerker überzeugt.

Den Ruhestand will Peter Burkhardt langsam angehen und sich nicht sofort wieder mit Aufgaben „zudeckeln“. Eine Radtour an die Ostsee will er machen. In Venedig war er per Rad bereits. Und viel Zeit mit seiner Frau verbringen. „Ich bin ein Familienmensch“, sagt er.

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