Elvira Scheffler bereitet ihren Unterricht vor: Präventionssport und Stürzen vorbeugen ist ihr ein wichtiges Anliegen. Foto: Mostbacher-Dix

Dass Menschen lange fit bleiben, dafür engagiert sich Elvira Scheffler vom SKV Oberstenfeld. Sie unterrichtet unter anderem in „Trittsicher durchs Leben“, wie man Stürzen vorbeugen kann.

Das Konzept kommt ursprünglich aus Neuseeland. Studien haben gezeigt, bei zwei Mal Training pro Woche reduzieren sich die Stürze um 42 Prozent.“ Begeistert erzählt Elvira Scheffler von „Trittsicher durchs Leben“, einem Programm zur Prävention von Stürzen und sturzbedingten Folgen für ältere Menschen, die im ländlichen Raum leben. Sie blättert in Unterlagen, zeigt auf Übungen, auf denen sie noch einige Zusatzinformationen notiert hat. Scheffler leitet die Abteilung Fitness & Trends im Sport- und Kulturverein (SKV) Oberstenfeld, engagiert sich dafür, dass Seniorinnen und Senioren fit bleiben respektive fitter werden.

 

Ein Politprojekt der Sozialversicherung

Bis 2023 unterrichtete die Rechtsanwaltsfachangestellte das Trittsicher-Programm in Beilstein und Oberstenfeld als Pilotprojekt der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mit dem Deutschen Landfrauenverband e.V. (dlv) und dem Deutschen Turner-Bund e.V. (DTB)“. „Wissenschaftlich betreut wurde es durch die Abteilung für Geriatrie und Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart (RBK)“, erläutert sie. Weitere sogenannte Konsortialpartner waren der Deutsche Städte- und Gemeindebund, Berlin, das Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm, die Universitätsmedizin Forschungsgruppe Geriatrie der Charité Berlin, außerdem das Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Das Team vom RBK war es indes, das Scheffler anfragte, ob sie diese Trainingseinheiten unterrichten wolle. „Mich hat das Trittsicher-Konzept sofort überzeugt, ich las mich ein, machte im RBK die Ausbildung “, sagt die 56-Jährige. „Es macht großen Spaß und funktioniert – ältere Menschen stürzen weniger und lernen aufzustehen nach einem Sturz. Wichtig ist, Beine und Arme zu kräftigen.“ Daher will Scheffler das Programm weiter anbieten, obwohl das Pilotprojekt nun abgeschlossen ist. War das Training bisher kostenlos, muss sie nun einen kleinen Obolus verlangen für die Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse. Doch als Sturz-Prävention könne man die Kosten bei seiner Krankenkasse einreichen, sagt Scheffler. Im Bürgerhaus Oberstenfeld, der SKV-Geschäftsstelle, finden die Kurse stets am Montagvormittag statt, los geht es am 29. Januar. Im Valentin-Wanner-Haus in Beilstein geht es immer am Mittwochvormittag trittsicher zu, ab 31. Januar.

Wie wichtig ist so ein „Seniorenprogramm“?

Wie wichtig ein solches Programm ist, zeigen Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG): Demnach stürzt ein Drittel aller zuhause lebenden Menschen, die älter sind als 65 Jahre, mindestens einmal im Jahr. In Pflegeeinrichtungen sind es sogar 50 Prozent. Der Oberschenkelhalsbruch – als Folge von Stürzen auf die Hüfte – gehört laut der Daten der Geriatrie zu den fünf großen gesundheitlichen Problemen älterer Menschen. „Stürze verunsichern. Nicht selten ziehen sie Pflegebedürftigkeit nach sich“, sagt Scheffler. „Die Knochen werden mit zunehmendem Alter brüchiger, vor allem bei Frauen, sie erkranken deutlich häufiger an Osteoporose als Männer, die – in der Regel – biologisch eine bessere Muskulatur haben als Frauen.“

Schaut man in die Daten des Ministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist von 65 Jahren an fast ein Viertel der Frauen vom sogenannten Knochenschwund betroffen. Bei Männern sind es knapp sechs Prozent. Wichtig für alle seien auch präventive Aspekte wie Stolperfallen, sagt Scheffler. „Teppiche, Kabel und mehr – man sollte sein Zuhause stolpersicher machen.“ Aber freilich gehe es bei „Trittsicher durchs Leben“ auch darum, die Mobilität zu erhalten, um bis ins hohe Alter lebenswerte Dinge tun zu können. „Mit den Enkeln spielen oder, wenn man das mag, im Garten zu werkeln.“

Bewegung und andere bewegen, das treibt die 56-Jährige seit ihren Teenagerjahren um. Damals entdeckte sie Handball, spielte unter anderem beim HSG Marbach/Rielingshausen. „Ich bin ein waschechtes Hörnle-Kind“, sagt die gebürtige Marbacherin schmunzelnd. „In diesem Stadtteil bin ich aufgewachsen, war dort im Kindergarten und in der Schule.“ Später sollte sie mit Mann und zwei Kindern in Beilstein wohnen, beim TGV Beilstein im Handball einsteigen und sich als Schiedsrichterin engagieren, bevor sie 2002 nach Oberstenfeld zog.

Zum Gesundheitssport und dem Thema Prävention kam sie in Beilstein. Als Übungsleiterin begann sie ihr Wissen weiterzugeben unter anderem in Gymnastikkursen. Elvira Scheffler ist nicht nur staatlich anerkannte Fachübungsleiterin in Fitness und Gesundheit. Sie hat auch die C-Lizenz und B-Lizenz in Prävention, ist Flexi-Bar Groupfitness-Trainerin, hat beim DTB die Prüfungen zur Pilateskursleiterin, Trainerin Beckenboden sowie Osteoporose-Prävention absolviert. In Oberstenfeld bietet sie seit Jahren „Gymnastik 50plus“ an. Das nehmen durchschnittlich 20 Leute im durchschnittlichen Alter von 70 Jahren wahr, vor allem Frauen, aber auch einige Männer. „Im Vordergrund steht Bewegung mit Musik, um Kraft, Koordination, Ausdauer und Beweglichkeit innerhalb der eigenen körperlichen Möglichkeiten zu üben in ungezwungener, lockerer Atmosphäre.“ Scheffler freut sich auf ihre Gruppen. „Die Stimmung ist super“, sagt sie und lacht. „Ich hoffe, dass ich später auch mal so drauf bin.“