Die Polizei sucht das Gespräch, um vor Telefonbetrug zu warnen. Foto: factum/Granville

Früher wurde ein vermeintlich kranker Enkel vorgeschoben, heute geben sich Kriminelle am Telefon oft als Polizisten aus, um an Wertsachen speziell von Senioren zu gelangen. Mit einer Informationskampagne will die echte Polizei gegensteuern.

Ludwigsburg - Das Telefon klingelt, eine arglose Seniorin nimmt den Hörer ab. Der Anrufer gibt sich als Polizist aus und sagt, man habe ihren Namen auf der Liste eines gefassten Einbrechers gefunden. Weil ihre Wertsachen und ihr Bargeld nun nicht mehr sicher vor Diebesbanden seien, werde ein Kollege alles abholen und bei der Polizei deponieren. Die Frau zweifelt zu Recht an dieser Aussage, legt auf und ruft die echte Polizei an.

„Alles richtig gemacht“, sagt Markus Geistler, der Leiter des Referats Prävention im Polizeipräsidium Ludwigsburg, am Dienstag bei einer Informationsveranstaltung auf dem Ludwigsburger Marktplatz, bei der Passanten unter dem Motto „Hier spricht die echte Polizei!“ in Sachen Telefonbetrug sensibilisiert werden sollen. Denn solche Anrufe tätigten die echten Beamten niemals, berichtet er. Vielmehr sei dies die aktuelle Masche von Kriminellen, die seit einiger Zeit den sogenannten Enkeltrick abgelöst habe. „Man darf niemals auf die Forderungen unbekannter Anrufer eingehen, schon gar nicht, wenn man unter Druck gesetzt wird“, sagt der Kriminaloberrat über vermeintliche Enkel und Beamte am Telefon.

Ein Feedback ist sehr wichtig für die Polizei

So geistesgegenwärtig wie im geschilderten Fall der Seniorin reagieren nicht alle Betroffenen: Allein in diesem Jahr hat das Polizeipräsidium sieben Fälle bearbeitet, bei denen nach einem Anruf tatsächlich eine Geldübergabe stattfand. Erst kürzlich wurde ein älterer Herr in Ludwigsburg mittels Polizistentrick um 25 000 Euro erleichtert. Seit Januar wurden der Polizei mehr als 200 Anrufe vermeintlicher Beamter gemeldet – die Dunkelziffer schätzt Geistler beträchtlich höher ein. Dabei wäre es sinnvoll, jeden dieser Anrufe zu melden, sagt der Präventionsberater. „Ein Feedback ist sehr wichtig für uns. Nur dann erkennen wir die Methoden der Schwindler.“

Das Tückische am Polizistentrick sei, dass die Angerufenen verängstigt und verunsichert würden. „Die Menschen erschrecken und wissen in ihrer Not häufig nicht, was sie tun sollen“, erklärt die Polizistin Karin Stark. Zudem gaukelten die Täter ihren Opfern mit einer Warteschleifen-Melodie am Telefon vor, sie seien tatsächlich mit der Polizei verbunden. „Während diese Melodie läuft, klingelt es an der Tür, und ein falscher Polizist will die Wertsachen abholen.“

Vorsicht an der Wohnungstür

Durch umsichtiges Verhalten könne man vieles vermeiden, sagt Geistler. „Lassen Sie bei Ihrem Telefonbucheintrag den Vornamen weg, der verrät oft viel über das Alter.“ Auch beim Klingeln an der Tür sei stets Vorsicht geboten. „Machen Sie nicht einfach auf, schauen Sie am besten durch den Türspion oder legen eine Sicherheitskette vor“, rät der Experte.

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