Bereits auf dem Weg zur Kundgebung auf dem Gipfel diskutieren die Teilnehmer der Sternwanderung eifrig. Foto: Gottfried Stoppel

Bei der Sternwanderung der Bürgerinitiative Windrad und Natur Plüderhausen marschieren auch Befürworter einer Windkraftanlage auf dem Hohberg mit. Man sucht den Austausch, doch die Fronten sind verhärtet.

Plüderhausen - Es könnte auch einfach nur eine größere Wandergruppe sein, die sich an diesem Samstagnachmittag vom Parkplatz Kelterberg bei Plüderhausen am Fuße des Hohbergs in Richtung Gipfel in Bewegung setzt. So gelöst ist die Stimmung unter den Teilnehmern – und das obwohl bei dieser Sternwanderung, zu der die Bürgerinitiative Windrad und Natur aufgerufen hat, um gegen den Bau einer Windkraftanlage auf dem Plüderhausener Hausberg mobil zu machen, auch Befürworter eines solchen Vorhabens mitlaufen. Man kennt sich, ist per Du, diskutiert in ruhigem Ton miteinander. Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Fronten verhärtet sind.

„Wir können doch nicht zu Hause hocken bleiben, wenn die eine Sternwanderung machen“, sagt Eberhard Bartsch, Aufsichtsratsmitglied der Bürgerenergie Plüderhausen. Nein, da müsse man als Windradbefürworter den offenen Austausch mit den Teilnehmern suchen.

Windkraftbefürworter verteilen Flugblätter

Dazu haben Bartsch und seine Mitstreiter auch einen ganzen Stoß Flugblätter mitgebracht. Nachher auf dem Gipfel, wo die Windradgegner aus dem Plüderhausener Teilort Walkersbach, aus Lorch und dessen Ortsteilen Waldhausen und Weitmars sowie aus Urbach zur gemeinsamen Kundgebung dazu stoßen, will man sie verteilen, um einige „falsche Behauptungen“ richtig zu stellen: etwa über die schwierige Zugänglichkeit des Gipfels für Baufahrzeuge über die schmalen, kurvigen Waldwege. „Da läuft man von Plüderhausen hoch, um das zu verdeutlichen, während es auf der anderen Seite des Bergs ganz andere Wege als Zufahrten gibt“, ärgert sich Bartsch.

Für Thomas Häussermann, den Sprecher der Bürgerinitiative Windrad und Natur, steht indes angesichts des notwendigen Eingriffs in Landschaft und Natur fest: „Der Bau von einer Windkraftanlage auf dem Hohberg ist unangemessen“, erklärt er in seiner Begrüßungsansprache zur Sternwanderung, zu der er ausdrücklich auch die Mitglieder der Bürgerenergie begrüßt. Später bei der Kundgebung auf dem Gipfel erläutern Häussermanns Mitstreiterin Irmgard Heilemann sowie Lothar Bach und Holger Knobloch von Bürgerinitiativen aus den Nachbarorten noch genauer welche massiven Auswirkungen der Bau von Windrädern ihren Hochrechnungen nach hätte, durch Rodungsmaßnahmen, Fundamentierungen, den Bau von Zufahrtswegen und nicht zuletzt durch den Baumaschinenverkehr. „Der Wald ist nicht nur ein Kulturgut und ein Erholungsort, er ist auch ein CO2-Speicher“, sagt Heilemann. Das Klimaschutz-Argument nehmen indes auch die Befürworter für sich in Anspruch.

In ihrem Flugblatt verweisen sie darauf, dass allein ein Windrad mit einer Leistung von drei Megawatt pro Jahr eine CO2-Ersparnis von rund 5000 Tonnen ermöglichen könne. Rückenwind haben sie durch das von das grün-roten Landesregierung auf den Weg gebrachte Klimaschutzgesetz, nach dem der Anteil der erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf 38 Prozent gesteigert werden soll.

Plüderhausener Bürgermeister bezieht für Gegner Stellung

Doch auch die Gegner einer Windkraftanlage auf dem Hohberg erhalten politisch Unterstützung. So bezieht der Plüderhausener Bürgermeister Andreas Schaffer bei der Sternwanderung, zu der auch sein Lorcher Amtskollege Karl Bühler und der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann gekommen sind, klar Stellung: „Es ist unverantwortlich unsere Kulturlandschaft für Windräder zu opfern, die in unserem Schwachwindgebiet wirtschaftlich grenzwertig sind.“ Dies sei weder ökonomisch noch ökologisch. Ebenso argumentiert Haußmann. Er sei nicht grundsätzlich gegen Windkraft, sagt Haußmann, jedoch gegen die „Dynamik“, mit der die Landesregierung den Anlagenbau vorantreibe, obwohl mögliche Probleme noch nicht geklärt seien. „Das ist der falsche Weg.“

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