Wer passt wohin? Eine Plattform bietet Firmen Platz für Austausch. Foto: imago /Hans Eder

Seit einem Jahr ist die Arbeitsmarktdrehscheibe als Vermittlungsplattform für Unternehmen am Start. Mit Erfolg, heißt es beim Treffen zum Geburtstag.

Seit einem Jahr gibt es die Arbeitsmarktdrehscheibe Ludwigsburg, eine virtuelle Plattform, auf der sich Unternehmen über ihre Personalbedürfnisse austauschen können – besonders im derzeit auf der Nachfrageseite problematischen Facharbeiterbereich. Ziel ist es, berichtet der Leiter der Ludwigsburger Arbeitsagentur, Martin Scheel, beim Treff zum ersten Geburtstag, Unternehmen zusammen zu bringen, die Arbeitnehmer abgeben müssen mit solchen, die Mitarbeiter suchen. Damit werde den fürs Personal Verantwortlichen die Gelegenheit gegeben, sich „direkt und völlig unkompliziert untereinander über Stellenprofile und Qualifikationen auszutauschen und einem möglichen Fachkräfteengpass entgegen zu wirken“.

 

56 Gespräche und mindestens 13 Transfers

Seit September vergangenen Jahres hätten regelmäßig Gespräche stattgefunden, berichtet Karoline Barzen vom Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft, das als Projektpartner bei der Sachkräfte-Drehscheibe die Ansprechpartnerinnen für die Unternehmen stellt. Zudem sei es in der Folge zu 56 bilateralen Gesprächen gekommen,bei denen sich Firmen im Zwiegespräch trafen, um konkrete Möglichkeiten eines Transfers auszuloten.

Aus dem Jahr der Drehscheibe sind ihr und der zweiten Verbundmanagerin Sarah Pein bisher 13 erfolgreiche Fachkräfte-Transfers bekannt, die nachweislich über die Plattform eingefädelt worden sind. Allerdings sei die Dunkelziffer mit Sicherheit recht groß. „Wir führen regelmäßig Abfrage durch“, so Barzen, es gebe jedoch nicht von allen Unternehmen eine Rückmeldung und nicht alle Beteiligen könnten sagen, wie viele Bewerber sich tatsächlich aufgrund der Arbeitsmarktdrehscheibe beworben haben. „Wir transferieren keine Massen, sondern haben immer das Individuum im Blick“, ergänzt die Verbundkollegin Pein. Klar sei für die teilnehmenden Unternehmen, dass sich bei regelmäßiger Teilnahme an den Drehscheinetreffen die Chance erhöht, einen passenden Bewerber zu finden.

Netzwerk und Kooperationen sind wichtig

Annette Straub, Geschäftsführerin eines Installationsunternehmens in Sachsenheim, ist seit Beginn bei der Drehscheibe mit dabei und hat dabei primär den Nutzen für Betriebe im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Blick: „Für uns als KMU sind das nachhaltige Netzwerk und die Kooperationen ganz wichtige Erfolgsfaktoren“, betonte sie beim Geburtstagstreffen. Ihre positiven Erfahrungen wird sie in einer der nächsten Gesprächsrunden der Drehscheibe als Inputgeberin mit einbringen und dort versuchen, konkret zu zeigen, welche Lösungen sie für ihre Firma – auch gestützt auf den Drehscheibenverbund – entwickelt hat. Um, so der bewusst zugespitzte Titel der Präsentation, irgendwann sagen zu können: „Fachkräftemangel – wir haben keinen.“

Im Bereich des Fachkraftbedarfs beklagt Straub zugleich den Wildwuchs, der sich in Sachen Personalbeschaffung in Social-Media-Kanälen abspiele. „Da gibt es sehr viele unseriöse Abwerbe- und Vermittlungsversuche.“ Die Plattform von Bildungswerk, Arbeitsagentur und Fachkräfteallianz habe dagegen den großen Vorteil, dass sie absolut seriös sei. Und sie bringe – auch wenn nicht jeder Transferwunsch in Erfüllung gehe – allemal einen willkommener Zugewinn an Informationen, Tipps und Netzwerkkontakten.

Die bisherigen Erfahrungen zeigten, lautete das Resümee des Agenturchefs Scheel, dass der Fachkräfteengpass durch die Arbeitsmarktdrehscheide nicht behoben werde, diese aber einen pragmatischen Beitrag leiste, ihn abzuschwächen. Das auch in Ostwürttemberg und Esslingen installierte Konzept habe bereits in anderen Bundesländern Interesse gefunden und werde 2023 wohl auch in Nordrhein-Westfalen starten.