Ökologisch vorteilhafte Verpackungen oder ganz verpackungsfrei – immer mehr Kunden wollen bewusster auf Verpackung verzichten. Foto: Kathrin Wesely

Wenn Läden keine unverpackten Lebensmittel anbieten, können sich Verbraucher auch nicht umweltbewusst verhalten. In Stuttgart gibt es einen Unverpackt-Laden. Doch wie reagieren Supermärkte und Discounter auf den Zero-Waste-Wunsch?

Stuttgart - Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) lädt zum 27. Februar Vertreter der wichtigsten Supermarktketten und Lebensmittelkonzerne ein, um über Vermeidung von Plastikmüll sprechen. Wenn es keine Waren in ökologisch vorteilhaften Verpackungen – oder unverpackt – gebe, habe der Verbraucher vielfach keine Möglichkeit, sich umweltbewusst zu verhalten. Konkret geht es dabei etwa um in Plastik verpackte Bio-Gurken, Bananen oder Äpfel. Vorbild sei die Selbstverpflichtung von Unternehmen, Plastiktüten nicht mehr umsonst abzugeben.

In Stuttgart ist verpackungsfreies Einkaufen seit 2016 in dem Unverpackt-Laden Schüttgut möglich. Und auch andere Supermärkte und Discounter reagieren auf den zunehmenden Wunsch von Kunden, möglichst wenig Müll beim Einkauf anzuhäufen. Wie gut das funktioniert, haben wir in vier verschiedenen Läden in Stuttgart getestet.

37,4 Kilogramm Plastikabfall produziert jeder Bundesbürger jährlich

Im Dezember hatte die EU ein Plastikverbot auf den Weg gebracht. Ab 2021 sind Einweg-Produkte wie Strohhalme, Wegwerfteller samt -besteck, Watte- oder Kaffeestäbchen verboten. Nach EU-Angaben sind das genau die Plastik-Artikel, die mehr als 70 Prozent des Kunststoff-Mülls ausmachen, der in den Weltmeeren schwimmt.

In der EU fallen laut EU-Kommission 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an pro Jahr. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln sammelte 2017 jeder Bundesbürger jährlich 37,4 Kilogramm Abfall aus Plastikverpackungen an; mehr als sechs Kilo mehr als der EU-Durchschnitt. Für 2018 meldete die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) bei der deutsche Plastikverpackungsproduktion ein Umsatzplus von 5,1 Prozent und einem Mengenzuwachs von 3,9 Prozent. Die mittelständisch geprägte Verpackungsbranche hat über 90 000 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 15 Milliarden Euro.

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