In Schwieberdingen soll nahe des Bosch-Standorts an der Ecke Laiblinger Weg und Dieselstraße ein riesiges Gewerbegebiet entstehen. Foto: Simon Granville

Schwieberdingen will nahe des Bosch-Standorts mit drei Nachbarn auf 45 Hektar Gewerbe ansiedeln. Nun bekundet noch eine Kommune Interesse. Zu spät?

Auf einem 45 Hektar großen Areal nahe des Bosch-Standorts in Schwieberdingen soll ein Gewerbegebiet entstehen, mit der Automobilindustrie als möglicher Hauptnutzerin. Um die Fläche zu verwirklichen, haben sich mit der Gemeinde mehrere Nachbarkommunen zusammengetan – Ditzingen, Hemmingen und Markgröningen. Hintergrund ist, dass der regionale Gewerbeschwerpunkt ausschließlich als Gemeinschaftsprojekt entwickelt werden darf. Jetzt bekundet auch die Stadt Korntal-Münchingen Interesse.

 

Die FDP-Fraktion im Gemeinderat hat zum Haushalt beantragt, dass die Stadtverwaltung eine Beratungsunterlage für den Beitritt zum interkommunalen Gewerbegebiet erarbeitet. Anders als in den Nachbarorten gebe es in Korntal-Münchingen weder eine Diskussion noch Entscheidung des Gemeinderats zu einem möglichen Beitritt, stellt die Liberale Andrea Küchle fest. Dabei sei die Stadt wie andere Kommunen auf Einnahmen aus Gewerbe angewiesen, um Leistungen für ihre Bürger zu erbringen. Eine „gewisse Mitsprache“ findet Andrea Küchle auch deshalb vorteilhaft, weil das Gewerbegebiet in Schwieberdingen die Stadt verkehrlich belasten werde. Korntal-Münchingen rechnet dieses Jahr mit Gewerbesteuereinnahmen von 15 Millionen Euro.

Warten, bis der Zweckverband genehmigt ist

Der Gemeinderat stimmte ohne Debatte für den Antrag der FDP. Auch der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) äußerte sich positiv. „Das machen wir sehr gerne“, sagte er. Und ist bereits aktiv geworden: Mittlerweile hat die Stadtverwaltung laut der Rathaussprecherin Angela Hammer Schwieberdingen mitgeteilt, dass sie vom Gemeinderat einen entsprechenden Antrag erhalten hat. „Ein vertiefendes Gespräch mit den Zweckverbandsmitgliedern macht einvernehmlich allerdings erst dann Sinn, wenn die Rechtsaufsicht den Zweckverband genehmigt hat“, so Hammer weiter.

Schwieberdingens Bürgermeister Stefan Benker (parteilos) sagt, das Regierungspräsidium Stuttgart wolle die Satzung des Zweckverbands bis Ende Februar oder Anfang März geprüft haben – „und hoffentlich auch genehmigt“. Danach müsse der Zweckverband finanziell und personell aufgestellt werden. Das Gremium soll neben der Finanzierung des Grunderwerbs ein Planungsverband der beteiligten Kommunen werden, um die „Dreiteilung“ des Gebiets auszuarbeiten und zu entwickeln. Die Kosten für den Kauf und die Erschließung der Grundstücke liegen geschätzt bei rund 80 bis 100 Millionen Euro.

Die Flächen sind schon verteilt

Eine Zeitschiene gibt es Benker zufolge noch nicht. „Klar muss aber sein, dass die Flächen schon verteilt sind“, sagt der Rathauschef mit Blick auf Korntal-Münchingens Vorstoß. So würden die Gespräche auch zeigen, ob die Partnerkommunen bereit wären, einen Teil ihrer Flächen abzugeben. Die eine Hälfte des Gewerbegebiets ist regionaler Gewerbeschwerpunkt, die andere unterteilt in eine Erweiterungsfläche für Bosch und eine deutlich kleinere Fläche zur Zukunftssicherung Schwieberdinger Unternehmen. Die Gemeinde soll 51 Prozent des Gewerbesteueraufkommens allein aus dem regionalen Gewerbeschwerpunkt erhalten. Der Rest, je 16 Prozent, geht anteilig den anderen beteiligten Kommunen zu.

Für Korntal-Münchingen spielt bei der Entscheidung in Bezug auf das Gebiet in Schwieberdingen auch die Zukunft des regionalen Gewerbeschwerpunkts auf der eigenen Gemarkung eine Rolle. „Wir benötigen mehr Klarheit zur Frage, ob es für den RGS nördlich von Müllerheim eine Realisierungsperspektive gibt“, sagt die Rathaussprecherin Hammer. Hierzu würden derzeit Gespräche hinsichtlich der Möglichkeiten der Grundstückssicherung laufen.

Ökopark auf Eis gelegt – vorerst

Die Stadt hat im Dezember die Pläne für einen etwa 16 Hektar großen, landesweit beachteten Ökopark vorerst auf Eis gelegt – aufgrund „schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen“ angesichts steigender Zinsen und Baukosten. An Bord hatte sich Korntal-Münchingen den Freiburger Stararchitekten Wolfgang Frey geholt und den Autobauer Porsche. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von mindestens eineinhalb bis zwei Milliarden Euro.