Das ursprüngliche Konzept für den Schlossplatz in der Weihnachtszeit: Stuttgart-Marketing will nun dafür Sorge tragen, dass die Lichtskulpturen nicht zu massiv in Erscheinung treten. Foto: Stuttgart-Marketing

Marketingchef Armin Dellnitz darf Lichtskulpturen auf den Schlossplatz bringen und mit LED-Lampen die Einkaufsmeile inszenieren. Die Stadt gibt bis zu 1,37 Millionen Euro dafür. Manchen Stadträten gefallen aber nur Teile des Konzepts.

Stuttgart - In der bevorstehenden Weihnachtszeit soll Stuttgart 40 Tage lang in anderem Licht erstrahlen als in den Vorjahren. Armin Dellnitz, der Tourismus-Werber der Landeshauptstadt, kann die Vorbereitungen dafür starten. Nach einer Nachjustierung des Konzepts haben die Stadträte ihm bis zu 1,37 Millionen Euro zugesagt, um den Schlossplatz und die Königstraße auf neue Art und Weise zu illuminieren.

Auf Stuttgarts wichtigstem Platz werden Lichtskulpturen errichtet, die Jubiläumssäule wird in den Lichtschein von vielen LED-Leuchten gehüllt. Auf der 1,2 Kilometer langen Einkaufsmeile wollen Dellnitz und seine Projektpartner von der City-Initiative Stuttgart und der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart viele LED-Lichterketten um die rund 110 Bäume schlingen. Alle LEDs werden dann dynamisch bespielt: im Wechselspiel oder zusammen, mal stärker und mal schwächer, die Lichtfiguren in Intervallen mit sanfter musikalischer Untermalung.

Die Grünen lehnen einen Teil des Konzepts ab

Vom Zauber der Ideen, die Dellnitz präsentierte, waren manche Mitglieder des städtischen Wirtschaftsausschusses allerdings nur mäßig verzückt worden. Die Lichtskulpturen – ein Riesenrad, ein Miniaturfernsehturm, eine Minigrabkapelle, einschlägige Autos, ein Elefant und Musicalfiguren als Statthalter für die Stuttgarter Besuchermagnete – erschienen den Grünen zu massiv. Sie würden zu viel Aufmerksamkeit vom schönen Schlossplatz abziehen, sagten sie am Freitag vorvergangener Woche. Nach dieser „guten Anregung“ nahm Dellnitz umgehend Kontakt mit den Partnern und beauftragten Firmen auf, um die Pläne besser auf die sensiblen Verhältnissen einzustellen.

Das Ergebnis: Die Skulpturen werden nun so arrangiert, dass die Gefahr kleiner wird, damit den Blick zwischen Platzmitte und Ehrenhof des Neuen Schlosses zu verstellen. Auch tagsüber, wenn die Lichter aus sind, müssten diese Alu-Skelette schön anzusehen sein, hat Dellnitz verinnerlicht. Schloss, Brunnen und Baumalleen sollen stärker zur Geltung kommen, die LED-Leuchten nur in zwei Farben erstrahlen, keinesfalls blinken. Wenn das Ergebnis nicht stimme, könne man sofort den Schalter umlegen und das Lichterspiel verändern.

Firmen wollen schon loslegen

Kurzum: Sensibilität und gute Ästhetik hatte Dellnitz immer versprochen, als er dem für die städtischen Finanzen zuständigen Verwaltungsausschuss wieder berichtete, versprach er aber noch sensibler zu sein. Die Grünen konnte er, was die Lichtskulpturen angeht, zwar wieder nicht überzeugen. Ihr Antrag, diese Elemente aus dem Konzept zu nehmen, wurde aber abgelehnt. Danach beschloss der Ausschuss mit elf Ja-Stimmen, der Stuttgart-Marketing GmbH und ihrem Chef Armin Dellnitz das Geld zuzusagen. An dieser Stelle der Abstimmungsprozedur enthielten sich die vier Grünen der Stimme. SÖS/Linke-plus wandten sich mit ihren zwei Stimmen dagegen.

Für Dellnitz und Wirtschaftsbürgermeister Michael Föll, der bei Stuttgart-Marketing dem Aufsichtsrat vorsitzt, kommt das einem Happy-end gleich. Denn ohne städtisches Geld geht es nicht, und die Zeit für die Umsetzung ist bereits knapp. So knapp, dass zwei österreichische Spezialunternehmen, die federführend tätig werden und Unterstützung von hiesigen Firmen erhalten, laut einer Veröffentlichung im Internet schon vor den Ausschusssitzungen den Zuschlag erhalten hatten. Und zwar nach europaweiter Ausschreibung durch das städtische Hauptamt. Hätten die Ausschüsse die Zustimmung zu dem Sonderzuschuss verweigert, wäre es noch knifflig geworden für Dellnitz und Föll.

Partner haben schon eine halbe Million versprochen

Deren Pläne basieren auf bis zu 650 000 Euro, die die Stadt für LED-Lichter in der Königstraße sowie für das Auf- und Abbauen aller Lichtinstallationen, die spätere Lagerung und gegebenenfalls für die Reparatur des Rasens auf dem Schlossplatz gewährt. „Es wird genau abgerechnet, überschüssiges Geld nicht in Anspruch genommen“, sagt Dellnitz, „und die Lichtskulpturen bezahlt nicht die Stadt.“ Von Sponsoren und Partnern habe er gegenwärtig schon knapp 500 000 Euro eingeworben.

Nun ist Dellnitz guten Mutes, dass noch alles rechtzeitig fertig wird. Am 28. November, wenn der Weihnachtsmarkt öffnet, sollen die LED-Leuchten angeknipst werden und dann nach einem bestimmten Spielplan betrieben werden: an den meisten Tagen zwischen 17 und 22 Uhr. Bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag. Das wären dann 40 Tage, die Stuttgarts City verändern. Ein bisschen zumindest.

In den folgenden Jahren sind Variationen möglich

In den folgenden zwei Weihnachtszeiten, in denen der Betrieb und die Bewachung der Installationen dank städtischen Zuschüssen von insgesamt 720 000 Euro auch gesichert sind, könnte es zu Variationen kommen. Dellnitz und Bürgermeister Föll sind jedenfalls offen für den Wunsch der Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne), die angrenzenden Quartiere in der Innenstadt in die Illumination einzubeziehen. In Zeiten der LED-Technik könne man sich auch noch ganz andere Gedanken machen über den Umgang mit Licht in der Stadt, meint Dellnitz. Er denkt da beispielsweise an dunkle und triste Tunnel. Stromvergeudung und Stromkosten seien keine Themen wie früher mehr. Der Strom für die Illumination von Schlossplatz und Königstraße an den 40 Tagen werde nur rund 1500 Euro kosten.

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