Ein erster Entwurf zeigt, wie der Schlossplatz dieses Jahr an Weihnachten aussehen könnte. Foto: Stuttgart Marketing

Die Stadt plant eine Weihnachtsbeleuchtung, die es in ähnlicher Form noch nicht gegeben hat. Die Kosten bewegen sich im Millionenbereich. Von den acht Skulpturen auf dem Schlossplatz sollen einige mehr als sechs Meter hoch werden. Die Lichter werden teilweise digital vom Publikum gesteuert.

Stuttgart - Es werde Licht! Wer sich zwischen Ende November und Anfang Januar auf der Königstraße oder dem Schlossplatz bewegen wird, könnte in diesem Jahr Mühe haben, seine Stadt wiederzuerkennen. Der Grund ist ein beispielloses Beleuchtungskonzept, an dem die Tourismusvermarktung der Landeshauptstadt derzeit federführend arbeitet – die Kosten für die Weihnachtslichter liegen im Millionenbereich. Die Pläne für einen abgesperrten Party-Bereich an Silvester könnten für die teuren Lichtinstallationen mutmaßlich überlebenswichtig werden.

„Das wird das schönste Weihnachten in Stuttgart aller Zeiten“, sagt Michael Föll (CDU) bei der Präsentation des Lichtkonzepts. Diese Worte des Finanzbürgermeisters sind speziell vor dem Hintergrund der Kosten der LED-Installationen für den städtischen Haushalt bemerkenswert, die sich über Königstraße und Schlossplatz erstrecken sollen. Nach momentanen Schätzungen werden bei der geplanten Premiere in diesem Jahr einmalige Kosten von rund 650 000 Euro auf die Stadt zukommen. ­Zusätzlich rechnet man mit jährlichen ­Betriebskosten von etwa 470 000 Euro, von denen die Stadt etwa die Hälfte übernehmen müsste. Darin ist die Finanzierung der acht geplanten Licht-Skulpturen auf dem Schlossplatz im Übrigen noch nicht enthalten. Die Kosten dafür wollen einzelne Partner tragen, die sich im Gegenzug in Form der LED-Installation selbst inszenieren dürfen.

Konkret geplant ist folgendes: acht Skulpturen auf dem Schlossplatz stellen ­Sehenswürdigkeiten der Stadt dar – den Fernsehturm, einen 911er Porsche, einen alten Mercedes, das Riesenrad vom Wasen, Tänzer der Musicals oder einen Elefant für die Wilhelma. Zudem sollen zigtausende LED-Lichter über die mehr als 100 Bäume der Königstraße verteilt werden, deren Licht in Farbe und Helligkeit täglich verändert werden kann. Auch die Jubiläumssäule mitten auf dem Schlossplatz wird in LEDs gehüllt. In Verbindung mit einer Spendenaktion können Besucher die Säule per Mobiltelefon interaktiv zum glitzern bringen.

Kein Kitsch wie in den USA

„Das Ganze soll stimmungsvoll und besinnlich werden“, erklärt Tourismuschef ­Armin Dellnitz. Kitsch wie in den USA wolle man unter allen Umständen vermeiden. Wichtiger Hintergrund der Pläne ist, dass die Auslastung der Hotelbetten rund um Weihnachten in Stuttgart mit am schwächsten ist. Mit dem Beleuchtungskonzept will Dellnitz nun Menschen „aus mehr als 400 Kilometer Entfernung“ zu einer Reise nach Stuttgart motivieren. Auch der gebeutelte stationäre Handel soll von den so generierten Touristen profitieren, so die Idee. Die Aktion wird von Stuttgart Marketing unter Leitung von Dellnitz, dem Weihnachtsmarkt-Veranstalter in.stuttgart und der ­City-Initiative (CIS) vorangetrieben.

Doch was geschieht mit den extrem teuren Skulpturen an Silvester, wenn Tausende auf dem Schlossplatz mit Raketen schießen? Wie unsere Zeitung exklusiv berichtet hatte, arbeitet die CIS parallel an einem abgesperrten Silvesterfest auf dem Schlossplatz. Ob diese Veranstaltung stattfindet, zu der nur gegen Eintritt und ohne eigene Böller der Zutritt möglich wäre, soll endgültig im Lauf dieses Monats entschieden werden. Auch hier würden nach Informationen unserer Zeitung erhebliche Kosten auf die Stadt zukommen. Aus der Verwaltung hieß es dazu jedoch bisher: Man wolle sich auch bei diesem Thema nicht sperren.

Zunächst steht jedoch die Entscheidung über die opulenten Lichtinstallationen zu Weihnachten auf dem Plan. Die Beschlüsse sollen der Wirtschaftsauschuss und der Verwaltungsausschuss im Lauf der kommenden Tage fällen. Stimmen die Gemeinderäte für die Aktion, würden die Lichter in Stuttgart am 28. November ein- und erst am 6. Januar wieder ausgeschaltet werden.

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