Grün in die Stadt: So soll der Rotebühlplatz einmal ausschauen Foto: Ingenhoven Architects

Das nächste Großprojekt in der Innenstadt kommt. Die Calwer Passage soll bis zur Langen Straße reichen, an den Neubauten sich viel Pflanzgrün ranken. Diese Pläne hat Ferdinand Piëch nun auf den Tisch gelegt. Das Echo ist zumeist positiv.

Stuttgart - Die Tage des Gebäudezugs zwischen Calwer Passage und Theodor-Heuss-Straße sind gezählt. Der Investor Ferdinand Piëch junior will hier Neubauten errichten lassen, deren Planentwürfe am Dienstag im Rathaus teilweise viel Zustimmung fanden: weil die neuen Gebäude unter der Regie des Bahnhofsarchitekten Christoph Ingenhoven eine „grüne Verpackung“ aus Pflanzen erhalten sollen. Vor allem aber, weil die Ferdinand-Piëch-Holding die denkmalgeschützte Passage bis zur Langen Straße ergänzen will. Dafür hat sie inzwischen auch das Gebäude Theodor-Heuss-Straße 23 gekauft.

Inhabergeführter Einzelhandel soll erhalten bleiben

Piëch informierte zusammen mit seinen Architekten den Technikausschuss. Die Investitionen und die Bauten will er demnach erfolgreich und zukunftsträchtig machen, indem er im Quartier den inhabergeführten kleinteiligen Einzelhandel erhalten und ausbauen möchte. „Mit insgesamt rund 20 Ladengeschäften soll sich das Areal klar vom allgemeinen Filalistentum und vom großflächigen Einzelhandel der Einkaufszentren und der Haupteinkaufsstraße abheben“, ließ er per Pressemitteilung verbreiten. Das gilt auch für die Kulturdenkmale zwischen Calwer Straße und Calwer Passage, die der Holding gehören und die saniert werden. „Der Einzelhandel in der Calwer Straße hat ein Problem“, sagte Piëch. Und Holding-Geschäftsführer Frank Beling: Man wolle nach dem Bau auf dem Konzept mit den Fluxus-Läden aufbauen und mit Zwischenmietern, die bis Juli 2018 Verträge haben, weitermachen. Den Nutzern der Läden biete man „auskömmliche Mieten“.

Das Konzept: Der Kopfbau beim Abgang zur S-Bahn-Haltestelle Stadtmitte sowie der benachbarte Längsbau von Mitte der 1970er Jahre entlang der Theo-Meile werden bis auf Bodenniveau abgerissen, die Untergeschosse bleiben, weil sie baulich mit dem S-Bahn-Tunnel verbunden sind. Ins Erdgeschoss kommen wieder Läden und Gastronomie. Unter dem Dach entstehen an der Ecke Lange Straße/Theo-Meile 17 Wohnungen, die sich – anders als die derzeit zwölf im Areal – zum Innenhof bei der Passage erstrecken. Unter den Wohnungen und Konferenzräumen werden rund 300 Mitarbeiter der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle einziehen, die bisher in Degerloch tätig sind.

Ingenhoven für begrünte Fassaden verantwortlich

Charakteristisch für die Neubauten soll die Begrünung werden, mit deren Konzeption nach einem nicht öffentlichen Wettbewerb das Büro Ingenhoven ausgewählt wurde. Christoph Ingenhoven sagte, man habe sich überlegt, was man für die Stadt tun könne. Herausgekommen sei die Idee, an diesem Verkehrsknotenpunkt einen Beitrag zu leisten in Richtung Artenvielfalt, Lärmreduzierung, Feinstaubbindung, Regenwasserrückhaltung und Kühlwirkung für das Stadtklima. Die Fassadenflächen sollen unterschiedlich begrünt werden, manche komplett. Auch im Innenhof ist viel Grün vorgesehen. Für dieses Pilotprojekt für die extensive Anwendung von Pflanzen müsse man „sehr sorgfältig planen“, sagte Ingenhoven.

Die Passage mit Tonnendach aus Glas soll während der Bauzeit geschützt, der Eingang zur S-Bahn-Station geschlossen werden.

Für die technologische Umsetzung und die Glasfassaden hinter dem Grün hat Piëch den Bauingenieur Werner Sobek verpflichtet. Die Gesamtverantwortung liegt bei Piëchs Hausarchitekt Nikolaus Tennigkeit.

Womöglich läuft alles ohne neuen Bebauungsplan

Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) findet den Ansatz „faszinierend“. Er hält es für möglich, dass man – wie gewünscht – ohne neuen Bebauungsplan auskommt. Natürlich werde es Befreiungen von manchen Vorgaben des aktuellen Planrechts geben müssen, Höhe und Breite der Bebauung sollen sich aber „nur minimal verändern“. Die Stadtplaner im Rathaus freuen sich, dass der Baukomplex sich nicht wie der jetzige Bau in Richtung Kreuzung vorschiebt. Außerdem wird der Neubau nach allen Seiten Durchlässe haben. Die Querspange und die Kreuzung könne man ohne große Einschnitte für den Verkehr zurückbauen.

Die Stadträte waren vor allem angetan von der Ergänzung der Passage und dem „innovativen Ansatz“ mit dem Grün. Manche wünschten sich mehr Wohnungen, manche vermissten jedoch „mehr bauliche Prägnanz“ am Rotebühlplatz. Am Nachmittag im Städtebauausschuss zeigten sich die Experten weniger euphorisch. Sie problematisierten den internen Ideen-Wettbewerb, den baulichen Abschluss am Rotebühlplatz – und dass von dort keine Beziehungsachsen zum Treffpunkt Rotebühlplatz entstünden. Und ob am Eck nicht mehr Höhe angemessen wäre? Ingenhoven sagte, in Sachen Prägnanz lasse sich was machen, „ohne dass es zu einem Hochpunkt kommen muss“.

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