Das Krankenhaus-Gelände in Marbach soll ein völlig neues Gesicht erhalten. Foto: Werner Kuhnle

Das frühere Marbacher Krankenhaus wird als Geflüchteten-Unterkunft genutzt. Schon lange soll aber eigentlich auf dem Gelände ein Gesundheitscampus entstehen. Doch jetzt gibt es neue Unwägbarkeiten.

Im früheren Marbacher Krankenhaus werden schon längere Zeit keine Patienten mehr behandelt. Stattdessen beherbergt der Landkreis dort derzeit Geflüchtete. Was als kurze Interimslösung geplant war, hat sich zuletzt verfestigt. So wurde die Übereinkunft zwischen Landratsamt und Stadt für diese Nutzung nun zunächst bis Ende des Jahres verlängert. Kaum eine Rede ist indes derzeit öffentlich mehr davon, was eigentlich auf dem Gelände angedacht ist: ein Gesundheitszentrum mit Pflegeschule, Wohnungen für Azubis und andere Mitarbeiter, Pflegeangeboten für ältere Menschen und mehr.

 

Krankenhausreform ist die große Unbekannte

Andreas Fritz, Pressesprecher des Ludwigsburger Kreishauses, versichert jedoch, dass die Pläne nicht ad acta gelegt wurden. „Es ist nach wie vor das erklärte Ziel, einen Gesundheitscampus zu entwickeln und voranzubringen“, betont er. „Allerdings“, fügt er sogleich hinzu, würden sämtliche „Überlegungen durch die nicht näher bekannten Auswirkungen der Krankenhausreform erschwert“.

Und bei einem konkreten Vorhaben aus dem Gesamtkonzept musste der Zeitplan auch schon korrigiert werden. „Nach derzeitigem Planungsstand verzögert sich die Fertigstellung einer Pflegeschule um mindestens ein Jahr“, so Fritz. Wobei selbst das „keine feststehende Angabe“ sei. Grob angepeilt war für die Inbetriebnahme der Einrichtung in der Schillerstadt ursprünglich das Jahr 2028. Bis dahin sollte sie übergangsweise in Kornwestheim auf dem Salamander-Areal angesiedelt sein. Die Pflegeschule gilt als Baustein, der sogar mit am schnellsten auf dem Gesundheitscampus in Marbach realisiert werden sollte.

Marbacher Bürgermeister zeigt Verständnis

Jetzt ist es nicht das erste Mal, das die Geduld der Verantwortlichen in der Schillerstadt im Zusammenhang mit dem Krankenhausgelände strapaziert wird. Seit Jahren wird über die Zukunft des Areals diskutiert, Fakten in Form von Bauten wurden aber nie geschaffen. Trotzdem reagiert Bürgermeister Jan Trost im aktuellen Fall, auch vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Gemengelage, mit Verständnis: „Die Zeitenwende ist auch im Gesundheitswesen in vollem Gange. Durch die Krankenhausstrukturreform wird es zeitliche Verzögerungen geben, wie groß diese genau sein werden, wird sich zeigen, wenn nach einem erfolgreichen Vertragsabschluss der Projektzeitplan aktualisiert und konkretisiert werden kann.“

Wenn Trost von „Vertragsabschluss“ spricht, meint er die städtebauliche Vereinbarung zwischen Kommune und der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH. In dem Kontrakt wird unter anderem festgelegt, welcher Partner was bezahlen muss und wer bei der Planung den Hut aufhat. Der Kliniken-Aufsichtsrat hat den Vertrag in seiner jüngsten Sitzung abgesegnet. „Nun muss dieser auch von der Stadt Marbach entsprechend beschlossen werden“, erklärt Kreishaus-Sprecher Fritz. Man werde das Thema nun im Gemeinderat diskutieren, kündigt Jan Trost an. „Bei einem positiven Abstimmungsergebnis wird der Vertrag unterzeichnet und die weiteren Schritte, zum Beispiel Planungen und Bebauungsplan, eng zwischen den Partnern abgestimmt“, erklärt er. Insgesamt zeigt er sich weiter „optimistisch, dass das hervorragende Gesamtkonzept im Schulterschluss zwischen Kliniken, Landkreis und Stadt umgesetzt werden kann“.

Zahlungen von Bund und Land reichen nicht mehr

Aber klar ist auch: Die Kliniken gehen finanziell auf dem Zahnfleisch, das Ganze dürfte ergo ein Kraftakt werden. „Im Jahr 2023 muss der Landkreis voraussichtlich erstmals auch den operativen Betrieb der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH finanziell unterstützen“, sagt Andreas Fritz. Die von Bund und Land gezahlten Vergütungen seien also „nicht mehr kostendeckend beziehungsweise ausreichend“.