Fliegenpilze findet Beate Siegel im Schwäbischen Wald. Allerdings sollten die Giftpilze stehen bleiben. Foto: Gottfried Stoppel

Trockenheit und warme Temperaturen verhindern das Wachstum von Steinpilzen, Pfifferlingen und anderen Speisepilzen. Weil es schlicht an Anschauungsobjekten fehlt, fällt auch die große Pilzausstellung in Großerlach aus.

Schwäbischer Wald - Eigentlich könnte dieser Herbst ein Traum sein. Nach einem nebligen Morgen gibt es meist viel Sonnenschein und dazu angenehm warme Temperaturen. Ein Herbst also, der dazu einlädt, in den Wald zu gehen und Pilze zu sammeln. Wer sich dieses Jahr schon mit seinem Körbchen ins Dickicht geschlagen hat, um Steinpilze und Co. zu suchen, der wird jedoch vermutlich ein ziemlich frustrierendes Erlebnis gehabt haben.

„Das ist eine grauenhafte Saison. Es war dieses Jahr einfach viel zu trocken. In vielen Bereichen hat die Erde so dicht gemacht, dass das Wasser bei den wenigen Gewittern, die es gab, nicht versickern konnte, sondern gleich in die Bäche gelaufen ist“, sagt Beate Siegel. An diesem Morgen war die Pilzsachverständige aus Weissach im Tal im Schwäbischen Wald unterwegs. In ihrem Korb verlieren sich ein paar flockenstielige Hexenröhrlinge, daneben liegen Reizker, Goldröhrling und ein graublättriger Schwefelkopf.

Kaum Nachfrage bei der Pilzberatung

Dabei ist Beate Siegel eine echte Fachfrau – sie entdeckt selbst den kleinsten Pilzhut im Moos. Und sie traut sich an Exemplare, von denen Anfänger meist die Finger lassen: „Der Hexenröhrling ist ein wunderbarer Speisepilz, meiner Ansicht nach sogar besser als der Steinpilz. Aber weil er sich beim Anschneiden blau färbt, wird er oft gemieden“, sagt Beate Siegel und zeigt ein abgeschnittenes Exemplar, das offensichtlich von Pilzsammlern am Wegesrand liegen gelassen wurde.

„Man findet dieses Jahr schon Pilze. Aber wenn man nur die möchte, die man in der Pfanne braten kann, dann kann man es vergessen“, berichtet Gabriele Draxler, die sich wie ihr Mann im Verein der Pilzfreunde Stuttgart engagiert. Der Verein bietet in der Saison jeden Montag eine Pilzberatung in der Markthalle an – die dieses Jahr aber noch kaum gebraucht wurde. „Die Nachfrage war mehr als gering. Was sollen die Leute denn bringen?“

Saison ist nicht mehr zu retten

Auch die Pilzberatung von Beate Siegel im Naturparkzentrum in Murrhardt hat erst einmal stattgefunden, ihre Pilzkurse sind mangels Anschauungsmaterial im Wald ausgefallen. Zudem hat der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald die große Pilzausstellung abgesagt, die es normalerweise Mitte Oktober in Großerlach-Grab gibt und bei der rund 300 Arten gezeigt werden. Keine Pilze, keine Präsentation: Bei ihrer ergiebigsten Suche hat Beate Siegel 58 verschiedene Arten gefunden.

„Ich setze jetzt meine Hoffnung auf den Reizker, da könnte ich mir vorstellen, dass noch ein bisschen was passiert“, sagt sie. Der sei ein guter Anfängerpilz, weil er durch die austretende orange- bis rotfarbene Milch gut zu erkennen sei. Auch Wiesenchampignons wachsen derzeit vermehrt – sie profitieren vom feuchten Morgennebel. Im Großen und Ganzen sei die Saison aber nicht mehr zu retten: „Wenn bald die ersten Nachtfröste kommen, dann können wir sie vollends abschreiben.“ Zudem geht Siegel davon aus, dass die Bäume nach dem heißen, trockenen Sommer bald ihr Laub abwerfen: „Und dann sind die Pilze nicht mehr zu finden.“

Gute Lage im Schwarzwald

Angefangen habe der Pilz-Alptraum schon im Frühjahr: „Da hatten wir kaum Morcheln, das sind eigentlich sehr begehrte Pilze“, berichtet Willy de Wit, Pilzsachverständiger aus Wäschenbeuren. Der Trend habe sich dann im Frühsommer fortgesetzt: „Der Juni und Juli ist eigentlich die Zeit des Sommer-Steinpilzes. Ich habe genau drei Exemplare gefunden“, erzählt Beate Siegel. Pfifferlinge gebe es im Schwäbischen Wald eh nicht mehr in Massen, dieses Jahr seien sie kaum zu finden gewesen, genauso wenig wie der Maronenröhrling. „Auch beim Parasol sah es ganz schlecht aus“, sagt Willy de Wit, der oft in den Wäldern rund um den Herrenbachstausee bei Adelberg unterwegs ist.

Beate Siegel hat in ihrem Pilzrevier, dem schwäbischen Wald, ganze zwei Waldstücke ausfindig gemacht, wo sie zumindest ein bisschen was findet. „Grundsätzlich kann man sagen, dass es in höher gelegenen Wäldern etwas besser aussieht“, sagt sie. Auch in Landstrichen, in denen regelmäßig Gewitter durchgezogen sind, könnten Pilze zu finden sein. „In der Nähe von Bachläufen hat man manchmal Glück, weil es da etwas feuchter ist.“ Ihr Kollege rät dazu, schattige Ecken in Nadelwäldern aufzusuchen: „Wo kaum Sonne hinkommt, könnten Pilze wachsen.“

Wer einen etwas weiteren Weg nicht scheut, der kann im Schwarzwald auf Pilzsuche gehen. Dort sieht es in vielen Bereichen besser aus als in der Region Stuttgart: „Im mittleren Schwarzwald hat es konstant geregnet, da ist die Situation sogar gut bis sehr gut, im nördlichen und südlichen Schwarzwald immer noch befriedigend bis gut“, sagt Andreas Hohmann, Sachverständiger aus Böblingen. Allerdings gilt auch dort: „Im letzten Jahr war es natürlich wesentlich besser.“

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