Thomas Böhm (links) und Dirk Rothenstein von der Deutschen Bahn haben am Donnerstag die Bahnhofsbox am Stuttgarter Hauptbahnhof vorgestellt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Online bestellen, am Hauptbahnhof abholen – Seit Donnerstag liefert Edeka Online-Bestellungen seiner Kunden an die bundesweit erste Bahnhofsbox. Wir erklären, wie das funktioniert.

Stuttgart - Mit der Bahnhofsbox hat die gegenwärtige Lieferservice-Kultur eine neue Stufe erreicht: Reisende und Pendler können sich seit Donnerstag ihren Online-Einkauf von Edeka an den Stuttgarter Hauptbahnhof liefern lassen. Eine Erfindung mehr, die die Welt wirklich noch gebraucht hat, könnte man spotten.

Bei der Deutschen Bahn sagt man stattdessen: Die Bahnhofsbox sei ein zusätzlicher Service, damit die Kunden alltägliche Dinge wie den Einkauf in ihren Reiseablauf einbinden können. „In der Metropolgegend Stuttgart gibt es täglich sehr viele Pendler, die teilweise am Stuttgarter Hauptbahnhof umsteigen und oft nur wenig Zeit haben“, sagt Dirk Rothenstein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn Stuttgart. Er ergänzt: „Ihnen soll dieses Projekt zu Gute kommen.“

Service-Pauschale von 2,95 Euro

Ob die Abholstation in der Nähe des Nordausgangs der Bahnhofshalle bei all der Lobhudelei einen Mehrwert für den Kunden darstellt, wird dieser spätestens dann herausfinden, wenn sich beim Sesam-Öffne-dich-Spiel am Ende tatsächlich die richtige Tür mit dem richtigen Einkauf öffnet. Preislich zumindest soll diese neue Form von online-Lebensmittel-Shopping keinen großen Unterschied machen. „Die Lebensmittelpreise sind vergleichbar mit denen im Supermarkt. Pro Einkauf kommt aber eine Service-Pauschale von 2,95 Euro hinzu, einen Mindestbestellwert gibt es nicht“, erklärt Rothenstein.

Seit September 2016 hat die Deutsche Bahn mit den Projektpartnern Edeka Südwest und emmasbox an dieser Konzeption gefeilt. „In der Konzeptionsphase war uns vor allem wichtig, dass die Bestellung noch am selben Tag abgeholt werden kann und dass es auch frische Produkte wie Obst, Gemüse und Milchspeisen gibt“, sagt Thomas Böhm, Leiter des Fahrgastmarketings der DB Regio Baden-Württemberg.

Lieferant ist Edeka am Olgaeck

Die Abholstation umfasst deshalb 52 Fächer, die sich wiederum in fünf Modulgruppen einteilen lassen: Ein Tiefkühlmodul (-20 Grad), drei Kühlmodule (zwei Grad) und ein Modul mit Raumtemperatur (20 Grad). Durch die Module, die teilweise ein Fassungsvermögen von 85 Litern haben, soll gewährleistet werden, dass die Lebensmittel bis zur Abholung sachgerecht gelagert werden können. Geliefert werden die mehr als 7000 bestellbaren Lebensmittel von der Edeka-Filiale an der Gaisburgstraße am Olgaeck – ein kurzer Lieferweg also. Immerhin.

Die Abholstation ist vorerst ein Pilotprojekt, auf ein Jahr beschränkt und in Deutschland bislang einmalig, bis im Mai dieses Jahres eine weitere am Berliner Ostbahnhof hinzukommen soll. „Wir hoffen natürlich nicht, dass das Projekt eine Eintagsfliege wird“, sagt Rothenstein. Man sei hoffnungsvoll, dass die Bahnfhofsbox gut angenommen werde. Von Anfang an werde man prüfen, wie das Projekt von den Kunden angenommen werde.

Geprüft wird übrigens auch, ob der Einkauf von den Kunden am Ende des Tages tatsächlich auch abgeholt wurde. Ein vergessener Kohl, abgelaufene Eier und schimmelige Salami können das neue Einkaufserlebnis der Kunden am Stuttgarter Hauptbahnhof also schon mal nicht verderben.

So funktioniert der Einkauf

Die Bestellung: Über das Handy oder den Desktop greift der Nutzer auf die Website www.bahnhofsbox.de zu und kann dann zwischen über 7000 Produkten wählen. Die Produktpalette reicht von Sahne über feinen Fleischkäse von der Theke bis hin zu Klopapier. Beim Befüllen des Warenkorbs entscheidet man sich zwischen den beiden Abholzeiträumen 10 bis 14 Uhr und 15 bis 22 Uhr. Nur innerhalb des ausgewählten Zeitfensters kann der Einkauf dann am Hauptbahnhof abgeholt werden. Die Bestellung muss außerdem vier Stunden vor Beginn des Abholzeitraums aufgegeben werden. Befinden sich alle gewünschten Produkte im Warenkorb, kann man den Bestellvorgang entweder mit Anmeldung oder als Gast abschließen. War die Bestellung erfolgreich, erhält man eine Bestellbestätigung.

Die Abholung: Zwischen Bestellaufgabe und Abholung wird der Einkauf von Edeka an die Abholstation am Hauptbahnhof geliefert. Zur Abholung braucht man seine Identifikationsnummer und den Barcode auf der Bestellbestätigung, den man an der Bahnhofsbox einscannen kann. Wenige Sekunden später öffnen sich, je nach Größe des Einkaufs, eine oder mehrere Türen der Abholstation.

Die Bezahlung: Bezahlt werden kann der Einkauf online mit PayPal oder Kreditkarte oder an der Abholstation mit EC- oder Kreditkarte (Visa, Mastercard, American Express).

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