Trotz Lärmbeschwerde: Die Sattlerei-Betriebsleiter Janusch Munkwitz und Tamara Deij-Ferrad bleiben cool. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ein Beschwerde-Brief macht die Runde. Angeblich ist die Quartierskneipe "Sattlerei" in der Tübinger Straße zu laut. Wir haben bei Betreibern und Bezirksbeirat nachgefragt.

Stuttgart - Vor rund zwei Wochen eröffnete in Stuttgart die Quartierskneipe "Sattlerei" in der Tübinger Straße - eine Bar, die ankommt. Von Anfang an sind die riesige Theke, das Séparée und die zwei Gasträume ein mehr als beliebtes Foto-Motiv für Instagram-Influencer und Co. - das hippe Publikum hat einen neuen Lieblingsplatz. Man tummelt sich wieder gern in der einst dunklen Ecke zwischen Marienplatz und Innenstadt. Ein Grund zur Freude für Stadt und Betreiber - eigentlich. Wären da nur nicht die ständigen Beschwerden, die Nachbarn nun in einem Brief öffentlich machten.

Partymeile, Passanten, Polizei

Worum geht es? Zum einen um das leidige Thema Lärm. Denn die beliebte Bar verfügt über einen Außenbereich, der Kindern, alten und jungen Menschen, die am nächsten Morgen früh aufstehen müssen, die Nachtruhe raubt, so der Wortlaut. Und das obwohl diese Menschen zur "Wertschöpfung der Stadt" betragen. Zum anderen solle aus der Tübinger Straße keine Partymeile werden und Passanten sollten die Gehwege ungehindert nutzen können. 

Von Seiten der Sattlerei sei man seit der Eröffnung bemüht, das Viertel im besten Sinne aufzuwerten. "Und dabei halten wir uns immer an die Regeln ", sagt Betriebsleiterin Tamara Deij-Ferrada. Die Kundschaft würde man schon fast wie Vieh um 23 Uhr ins Lokalinnere treiben, nur um Ärger zu vermeiden. Die ständigen Beschwerden - seit dem Tag der Eröffnung - und das beinahe tägliche Auftauchen der Polizei, setzt dem Team zu. "Es ist traurig und anstrengend", so Deij-Ferrada weiter, "denn unmittelbare Anwohner sind super happy und sitzen gerne bei uns auf der Terrasse."

Leben statt Lärm

Dies ist auch der Eindruck von Stuttgart-Süd-Bezirksvorsteher Raiko Grieb. Vor allem Anwohnerinnen seien froh über den lebendigen Gastro-Zuwachs in der einst etwas schummrigen Ecke der Stadt. "Frauen fühlen sich jetzt viel sicherer." Arnim Emrich von der SPD ergänzt: "An dieser Stelle führt Gastronomie nicht nur zu Lärm, sondern auch zu Licht, Leben, Mitmenschen und einem höheren Sicherheitsgefühl." Die Bar würde damit zur Aufwertung der Tübinger Straße deutlich beitragen. "Und das ist auch im Sinne der Anwohner, die die Außengastro deshalb gerne in Kauf nehmen", so Grieb weiter. 

Der Bezirksbeirat sei zwar an dem Thema "Petition" dran, doch zum einen würden für Grieb anonyme Handzettel einfach nicht existieren, zum anderen kamen ihm bislang mehr postive Stimmen zur Sattlerei zu Ohren. Man müsse einfach auch prüfen, wer sich denn da überhaupt an der Petition beteilige. "Außerdem wurde von Seiten der Betreiber bislang alles unternommen, um eine Lösung zu finden." Und das, obwohl die vermeidlich Geschädigten nicht einmal versuchten, mit den Gastronomen persönlich in Kontakt zu treten. Auch die angeblichen Lärmverstöße blieben ungeahndet. Nun hoffen Betreiber und Bezirkbeirat, "dass bald Ruhe einkehrt" im Streit um den Lärm.

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