Langer Schritt: Timo Baumgartl (links) hat bei der U-21-EM alle Spiele absolviert. Hier verteidigt der VfB-Profi gegen den Spanier Borja Mayoral. Foto: AFP

Der VfB Stuttgart verfügt über eine Reihe von Innenverteidigern. Doch noch zeichnet sich kein Fixpunkt für die Fußballsaison in der zweiten Liga ab. Woran liegt das?

Stuttgart - Timo Baumgartl hat keine Minute verpasst. Alle fünf EM-Spiele der deutschen U-21-Nationalmannschaft absolvierte der Innenverteidiger des VfB Stuttgart. Das ist schon einmal gut für den 23-Jährigen. Selbst wenn er während des Turnierverlaufs ein paar Wackler in seinem Spiel hatte und sich auch im Finale gegen Spanien für einen Augenblick aus dem Abwehrzentrum locken ließ. Doch dieser Moment, als Dani Ceballos den Ball geschickt auf Fabian weiterleitete, bedeutete den Anfang des 1:2-Endes.

Nun verabschiedet sich Baumgartl erst einmal in den Urlaub. Für zwei Wochen. Um zu entspannen und den verpassten EM-Titel hinter sich zu lassen. Vor allem geht es für den Abwehrspieler aber darum, die Abstiegssaison des VfB zu verarbeiten. Nach einer Gehirnerschütterung kam er in der Rückrunde kaum noch zum Einsatz, und jetzt steht nach dem zweiten Absturz innerhalb von drei Jahren die Frage im Raum, ob das Eigengewächs seine Zukunft noch in Stuttgart sieht.

Kempf trainiert wieder

Jedenfalls wird Baumgartl nach wie vor das Potenzial attestiert, ein entwicklungsfähiger Innenverteidiger zu sein – und für solche gibt es einen erstklassigen Markt. Das gilt ebenso für Marc Oliver Kempf, der nach Knieproblemen und dem versäumten Trainingslager in Kitzbühel am Montagnachmittag in das Mannschaftstraining eingestiegen ist. Auskuriert ist die Kniereizung, die Kempf nach dem Relegationshinspiel gegen Union Berlin kürzertreten ließ. Nun will sich Kempf wieder in die Verfassung bringen, die ihn zur Stammkraft gemacht hat. Zweikampfstark und mit gutem Kopfballspiel.

Mit 24 Jahren zählt auch Kempf zu den Abwehrspielern, die einerseits noch jung genug sind, um das Interesse anderer Clubs zu wecken, und andererseits über genügend Erfahrung verfügen, um als Stabilisator zu gelten. Doch sowohl bei Baumgartl (Vertrag bis 2022 ohne Ausstiegsklausel) als auch bei Kempf (Vertrag bis 2022) können die Stuttgarter entscheiden, ob sie die Profis ziehen lassen. Denn der frühere Freiburger hat die Frist für eine Ausstiegsklausel verstreichen lassen.

Walter schürt Konkurrenzkampf

Für eine Ablösesumme in Höhe von 13 Millionen hätte Kempf im Falle des Klassenverbleibs gehen können. Nach dem Abstieg halbierte sich die Summe. Doch zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Käufer. Der kann kommen. „Die europäischen Topligen haben noch gar nicht richtig angefangen, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden“, weiß der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Und somit sind die ersten großen Verkäufe, die in der Regel kleinere Wechsel nach sich ziehen, nicht getätigt.

Es kann sich also noch eine ganze Weile hinziehen, bis die letzten Personalentscheidungen getroffen sind. Zumal das Transferfenster bis zum 2. September geöffnet ist und der VfB bis dahin bereits sechs Pflichtpartien bestritten hat. Das ist das Los eines Absteigers, der mit seinen Ambitionen und finanziellen Möglichkeiten zwar nicht als klassischer Zweitligist zu bezeichnen ist, dennoch aber den Gesetzen der Branche unterworfen bleibt.

Dem VfB steht genügend Geld zur Verfügung, um einen Umbruch zu vollziehen und den Wiederaufstieg anzugehen. Die Stuttgarter sind jedoch nicht davor gefeit, dass ihre besten Sicherheitskräfte sie verlassen – wenn der Preis stimmt. Deshalb lässt es sich kaum voraussagen, auf welche Innenverteidiger der neue Trainer baut. Zu viel ist in Bewegung, und Tim Walter schürt den Konkurrenzkampf. Beim 1:3 gegen Young Boys Bern bildeten zunächst Holger Badstuber und Marcin Kaminski das Abwehrzentrum, anschließend die Talente Luca Mack und Antonis Aidonis.

Badstuber gibt Gas

Positive Rückmeldung erhielten die Jungen. Ebenso der routinierte Badstuber. „Die Bereitschaft, Neues aufzunehmen, ist groß“, sagt Walter. Badstuber selbst ist noch dabei, die Fehlentwicklungen der verflixten Vorsaison für sich selbst aufzuarbeiten. Er, der noch vor einem Jahr mit einem Champions-League-Verein liebäugelte, steckt jetzt mitten in der Vorbereitung auf die zweite Liga.

Körperlich zieht der 30-Jährige die intensiven Einheiten voll durch. Und mit dem Ball am Fuß kommt Walters Spielidee Badstuber entgegen. Dennoch muss er seine Rolle erst noch finden. Ein Prozess, der Kaminski erspart bleiben könnte. Fortuna Düsseldorf buhlt um den Polen (und der VfB im Gegenzug um das Talent Lars Lukas Mai vom FC Bayern?). Nach der erfolgreichen Ausleihe wollen die Rheinländer Kaminksi fest verpflichten. Denn in 27 Spielen hat er keine Minute verpasst.

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