Paul Polauke ist ein wichtiger Baustein in der Defensive der Stuttgarter Kickers. Im Interview spricht der 23-Jährige über seine Zeit als Reservist, seinen Innenverteidigerkollegen Niklas Kolbe und das Klima im Kader.
Mit nur sieben Gegentreffern in zehn Spielen ist Aufsteiger Stuttgarter Kickers das defensivstärkste Team der Fußball-Regionalliga. Vor dem Spiel gegen den TSV Schott Mainz an diesem Mittwoch (19 Uhr/Gazi-Stadion) schätzt Innenverteidiger Paul Polauke die Lage beim Spitzenreiter ein.
Herr Polauke, nur sieben Gegentore in zehn Regionalligaspielen. Hätten Sie nach dem Aufstieg damit gerechnet?
Ich habe mir da gar keine Gedanken gemacht. Dass es jetzt auch eine Etage höher so gut läuft, habe ich zur Kenntnis genommen, und natürlich freut es mich auch.
Wie groß ist der Unterschied für Sie als Innenverteidiger gegenüber der Oberliga?
Sehr groß. Du musst jetzt von der ersten bis zur letzten Minute voll da sein. Phasen, in denen du mal abschalten kannst, gibt es nicht mehr. Mann kann sich nie sicher sein, dafür ist die individuelle Klasse der Stürmer zu groß. Es soll nicht arrogant klingen: Aber wenn du in den Oberliga Mitte der zweiten Halbzeit 3:0 oder 4:0 geführt hast, konnte man es ein bisschen ruhiger angehen lassen. Jetzt bist du nach den Spielen auch mental relativ kaputt.
Wie regenerieren Sie?
Was die Möglichkeiten hier bei Kickers betrifft, haben wir einen hohen Standard, zumindest für Regionalligaverhältnisse. Dennoch liegt auch vieles in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Spielers. Man kann in den Kraftraum gehen, in die Eistonne, Wechselbäder machen, ich lege extrem großen Wert auf solche Dinge.
Spätestens seit Denis Zagaria den Verein verlassen musste, sind sie unumstrittener Stammspieler. Was hat sich für Sie verändert?
Erst einmal finde ich es schade, das „Zaga“ nicht mehr bei uns ist, aber so ist das Geschäft. Ansonsten habe ich mich nicht groß damit beschäftigt, was das für mich bedeutet. Ich habe einfach weiter meine Leistung gebracht. Schließlich habe ich eineinhalb Jahre lang gewartet und hart gearbeitet, bis ich die Rolle einnehme, die ich jetzt habe. Meine Geduld hat sich ausgezahlt.
„Mathis braucht Geduld“
Dann können Sie sich bestimmt auch in Mathis Bruns hineinversetzen, der es nach seinem Wechsel von Union Berlin zu den Kickers, überhaupt erst einmal in den Kader geschafft hat.
Ich verstehe mich gut mit Mathis, der ja auch Innenverteidiger ist und spreche immer wieder mit ihm. Ich hatte das Glück, nach meiner Jugendzeit in der U23 des FC Ingolstadt im Männerbereich Fuß zu fassen.
Ihm aber fehlt die Spielpraxis.
Mathis hat Potenzial, sonst wäre er nicht im Bundesligakader von Union gewesen. Er ist aber noch nicht so lange bei uns, und man muss ihm Zeit geben, sich zu akklimatisieren. Er braucht die Geduld, um zu reifen. Es werden Zeiten kommen, in denen wir alle Spieler im Kader brauchen werden.
Auch Konrad Riehle und Halim Eroglu schafften es zuletzt nicht in den Kader.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es keine leichte Zeit ist, wenn man nicht zum Einsatz kommt. Aber man muss es annehmen und positive Schlüsse daraus ziehen. Mir hat das geholfen, um den nächsten Schritt nach vorne zu machen.
Belasten solche Fälle das Klima im Kader?
Nein, wir sind alle Profis genug, um das richtig einzuordnen. Der Trainer trifft die Entscheidungen, die gilt es zu akzeptieren.
„Kolbes linker Fuß ist eine Waffe“
Sie bilden das Innenverteidigerduo mit Niklas Kolbe, der auch zuletzt in Fulda wieder überragend spielte. Was zeichnet ihn aus?
Sein linker Fuß ist eine Waffe, die im Fußball ihresgleichen sucht. Wenn er mit dem Ball nach vorne geht, versuche ich abzusichern. Seine Athletik, seine Größe, sein Stellungsspiel und seine Endgeschwindigkeit machen es leicht für mich, neben ihm zu spielen. Die Abstimmung, die Automatismen werden von Spiel zu Spiel besser.
Hinter ihnen beiden steht noch ein baumlanger Kerl im Tor.
Klar, Felix Dornebusch strahlt eine extreme Ruhe und Präsenz aus. Er ist ein echter Führungsspieler, Felix ist für jeden von uns ein Gewinn.
Sind die Kickers schon ein Spitzenteam?
Das sollen andere beurteilen. Ich blicke nur auf unser nächstes Spiel gegen Schott Mainz und bin einfach nur froh, diese neue Herausforderung Regionalliga bisher so gut gemeistert zu haben. Das ist doch für alle eine Genugtuung nach all den Jahren und Motivation weiter Vollgas zu geben.
Zur Person
Karriere
Paul Polauke kam am 11. Januar 2000 in Ludwigsburg zur Welt. In der Jugend spielt er für den FV Ingersheim, den SGV Freiberg und den FC Ingolstadt, bei dem er später auch Kapitän der U23 wurde. 2021 wechselte der Innenverteidiger zu den Kickers. Sein Vertrag läuft bis 2025
Persönliches
Er ist liiert mit Chiara Baur, der Tochter von Handball-Weltmeister Markus Baur (Trainer von Frisch Auf Göppingen). Sie spielt Handball in der Baden-Württemberg-Oberliga beim HC Schmiden/Oeffingen. (jüf)