Die Fans setzen ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Foto: Bongarts

Die Fans in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena geben die passende Antwort auf die Geschehnisse von Prag und feiern ein großes Fest mit vielen Toren.

Stuttgart - La Ola durchs weite Rund. Beifallsstürme. Ausgelassene Fußballatmosphäre. Und pure Freude über einen furiosen Auftritt der Nationalelf. Stuttgart feierte beim WM-Qualifikationsspiel am Montagabend gegen Norwegen ein fröhliches Fußballfest und setzte damit ein Zeichen gegen die Geschehnisse von Prag, als ein deutscher Mob von 200 Chaoten ein verheerendes Bild abgab und mit rechtsradikalen Parolen und Schmähgesängen gegen den DFB und Stürmer Timo Werner auffällig wurde. Am Freitag in Prag boykottierten die Nationalspieler nach der Partie den Gang in die Kurve. Jetzt, in Stuttgart, gab es dazu keinen Grund. Im Gegenteil: die Fans feierten die Spieler.

Und die Spieler auch die Fans.

Prag war weit weg – Stuttgart war angesagt. Und damit eine große Fußballparty. Ohne Krawalle. Ohne Hassparolen. Das Motto des Abends hing als Spruchband an der Cannstatter Kurve: „Gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung – der Fanclub ist bunt und steht hinter der Mannschaft.“ Vor dem Spiel hatte der Stadionsprecher die Zuschauer dazu aufgefordert, sich von den Krawallmachern zu distanzieren: „Lasst uns ein klares Zeichen setzen, dass wir so etwas wie in Prag nicht wollen“, sagte er. „Aus der schweigenden Mehrheit kann eine laute Mehrheit werden.“ Das ist gelungen, das Publikum reagierte mit Beifall. „Das war eine tolle Stimmung, es hat viel Spaß gemacht in Stuttgart. Das zeigt die Schönheit des Fußballs“, sagte der Bundestrainer Joachim Löw.

Die Spieler wurden lautstark gefeiert – und einer ganz besonders. Für den ehemaligen VfB-Stürmer Timo Werner, der schon vor den Schmähungen von Prag in deutschen Stadien immer wieder ausgepfiffen wurde, gab es immer wieder Szenenapplaus. „Ich bin beeindruckt von dem feinen Gespür, das das Publikum im Umgang mit Timo Werner hatte“, sagte der DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Die Fans in Stuttgart sendeten also passende Botschaften in die Welt – was die Geschehnisse von Prag aber nicht vergessen macht. Grindel sagte, dass er eine harte Bestrafung der Rechtsextremisten erwarte. Eine direkte Verantwortung des DFB wies er zurück. Der Weltverband aber trat am Montag auf den Plan. Die Fifa erhalte „Berichte zu jedem WM-Qualifikationsspiel“, sagte eine Sprecherin: „Der zum Spiel in Prag ist noch nicht da. Erst anschließend entscheiden wir, ob wir eine Untersuchung einleiten“. Die Dresdner Polizei wurde bereits tätig: Sie hat Ermittlungen eingeleitet und 13 Personen aus dem Umfeld der Dresdner Fanszene als Stadionbesucher erkannt.

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