Seit der Parkraumbewirtschaftung auf dem Campus, wird an der Adornostraße beidseitig geparkt. Laut Anwohnern führt das zu gefährlichen Situationen. Foto: Torsten Schöll

Studenten und Mallorca-Parker – zuletzt hat es viele Beschwerden aus Plieningen und Birkach darüber gegeben, dass Anwohner keine Parkplatz mehr finden. Nun hat die Stadtverwaltung Zahlen vorgelegt.

Im Zusammenhang mit der umstrittenen Einführung der Parkraumbewirtschaftung auf dem Campus der Universität Hohenheim durch das Land hat die Stadtverwaltung eine Parkdruckerhebung in den umliegenden Wohngebieten durchgeführt. Nun liegen erste Ergebnisse vor. Wie Andreas Hemmerich, Verkehrsplaner beim Stadtplanungsamt, im Bezirksbeirat von Plieningen und Birkach betonte, war die Untersuchung Folge einer „starken Beschwerdelage“. Seit die landeseigenen Parkplatzflächen auf dem Campus nicht mehr kostenfrei seien, habe sich, nach Ansicht vieler Bürger, die Parkplatznot in den Anwohnerstraßen im Umfeld der Universität erheblich verschärft.

 

In der Vergangenheit waren deshalb verschiedentlich Forderungen aufgekommen, als Reaktion darauf in den betreffenden Wohngebieten ein Parkraummanagement einzuführen. Durch die Bewirtschaftung der Parkplätze im öffentlichen Raum, würde es, so die Hoffnung, für pendelnde Studenten unattraktiver, ihr Fahrzeug in den Wohngebieten abzustellen. Anwohner wären durch eine entsprechende Anwohnerparkregelung bevorzugt.

Wo Parkraummanagement rechtlich zulässig ist

Die Krux: Ohne einen Nachweis, dass der Parkdruck in den betreffenden Wohngebieten tatsächlich erheblich ist, ist ein solches Parkraummanagement rechtlich unzulässig. Entsprechend groß war die Spannung, was die städtische Untersuchung nun ergeben hat. Wie Jens Schedlbauer vom zuständigen Stadtplanungsamt im Bezirksgremium erklärte, sind demnach alle Parkplätze in den Wohngebieten rund um die Universität zwar „stärker belastet“. Doch eine Auslastung des öffentlichen Parkraums von mehr als 100 Prozent hatte sich am Untersuchungstag im April 2022 eben dann doch nur an zwei Stellen ergeben: im sogenannten Gebiet Plieningen 3 ab 10 Uhr vormittags sowie im Gebiet Plieningen 4 nach 22 Uhr.

Zur Erhebung des Parkdrucks hatten die Verkehrsexperten den betreffenden städtischen Raum rund um die Universität in insgesamt sieben Teilgebiete aufgeteilt. Der mutmaßlich von studentischen „Fremdparkern“ am intensivsten genutzte Bereich Plieningen 3 liegt westlich des Exotischen Gartens und des Schlossparks. Plieningen 4 südlich des Parks jenseits der Körsch.

Parkraummanagement frühestens 2026/2027

Ein erstes Fazit der Verkehrsplaner: Im betreffenden Bereich Plieningen 3 sei die Einführung einer Anwohnerparkregelung nach dem in Stuttgart vorherrschenden Mischprinzip „denkbar“. Für vier weitere Bereiche in Plieningen empfehlen die Experten zunächst eine detailliertere Prüfung. Mit einer Einführung des Parkraummanagements wäre, so Schedlbauer, frühestens mit dem Doppelhaushaltsjahr 2026/27 zu rechnen.

Bei einigen Gremiumsmitgliedern stieß das Ergebnis der Untersuchung auf massive Kritik: So betonte Thilo Raith (FDP), dass die Wahl des Erhebungstages im April 2022 nicht sinnvoll gewesen sei: „Die meisten Studenten und Angehörige der Universität waren zu diesem Zeitpunkt noch im Homeoffice“, so Raith. Zudem sei der Parkdruck, der durch die nahe Messe sowie durch sogenannte Mallorca-Parker entstehe, aufgrund der Terminwahl nicht berücksichtigt. In Plieningen stellen Urlauber häufig ihre Fahrzeuge ab, um die hohen Parkgebühren der Flughafenparkhäuser zu umgehen.

Gefährliche Situationen auf der Adornostraße

Kritisiert wurde zudem, dass der Zuschnitt der untersuchten Teilgebiete ausblende, dass es, wie im Bereich Birkach, wo der Parkdruck insgesamt vergleichsweise niedrig ist, gleichwohl einige hochbelastete Straßen direkt am Campusrand gibt. In der Adornostraße in Plieningen hatte die Einführung der Parkraumbewirtschaftung auf den Universitätsparkplätzen zuletzt dazu geführt, dass in der viel befahrenen Durchgangsstraße Fahrzeuge neuerdings auf beiden Straßenseiten abgestellt werden. Dies ist zwischen Steckfeld- und Strebelstraße zwar nicht verboten, führe aber laut Anwohnern, zu gefährlichen Verkehrssituationen.

Der Verkehrsplaner Hemmerich erklärte, dass die Zuschnitte der untersuchten Teilgebiete sich noch verändern könnten. „Nun geht es in einem weiteren Schritt darum zu schauen, wie das Parkraumanagement für Plieningen aussehen könnte“, sagte er.