Parken in der Region Stuttgart Mehr Park-and-Ride-Plätze für Pendler

Von Thomas Durchdenwald 

Pendler klagen, dass P+R-Parkplätze zu teuer und oftmals überfüllt sind. Nun werden weitere Plätze geschaffen. Foto: dpa
Pendler klagen, dass P+R-Parkplätze zu teuer und oftmals überfüllt sind. Nun werden weitere Plätze geschaffen. Foto: dpa

Mehr als 17 000 P+R-Plätze gibt es in der Region Stuttgart. Die Zahl soll erhöht werden. Jetzt legt der Verband Region Stuttgart ein Konzept für Ausbau und Betrieb vor. Wir sagen, wer davon profitiert.

Stuttgart - Premiere in der Region Stuttgart: Erstmals engagiert sich der Regionalverband beim Bau und Betrieb von P+R-Plätzen mit dem Ziel, mehr Autofahrer zum Umsteigen in S- und Stadtbahnen zu animieren. In Vaihingen/Enz, Gäufelden, Waiblingen, Neustadt-Hohenacker, Sersheim und Remseck (Hornbach) gibt der Verband Zuschüsse zum Bau von 521 neuen Parkplätzen, 2000 bereits bestehende Plätze an diesen Standorten werden künftig von ihm verwaltet. Dafür sind 2019 Ausgaben von 2,6 Millionen Euro veranschlagt. Regionaldirektorin Nicola Schelling sprach von einem „Durchbruch“. Der Verkehrsausschuss der Region stimmte dem Konzept zu, aber es gab auch Kritik.

Die Ausgangslage

Rund 14 Prozent der S-Bahnfahrgäste nutzen P+R, sie fahren also mit dem Auto zum Bahnhof und stellen dort ihr Auto ab. „80 Prozent dieser P+R-Nutzer fahren nach Stuttgart’“, hebt der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler die Bedeutung dieser Gruppe hervor. Dennoch geht es nicht wenigen so wie den Lesern Jürgen A. und Klaus Z.: Sie beklagen sich über steigende Parktarife oder – bei kostenlosen Angeboten – über überfüllte Plätze. Insgesamt gibt es 17 000 P+R-Plätze teils im Besitz der Bahn, teils haben Städte und Gemeinden das Sagen, entsprechend vielfältig sind Betreiber- und Gebührenmodelle. Viele Kommunen haben zudem wenig Interesse an einem teuren Ausbau, da die P+R-Plätze oft nicht nur von den eigenen Bürgern genutzt werden, sondern auch von Pendlern aus Nachbarorten, die dazu noch für mehr Verkehr sorgen. Was tun? Im ÖPNV-Pakt, den Land, Region, Stadt und Landkreise vor vier Jahren geschlossen haben, hat der Verband Region Stuttgart die Aufgabe bekommen, sich um den Ausbau der P+R-Plätzezu kümmern. Doch die Parteien beklagten, dass nichts passiere.

Die Projekte

„Es geht voran“, sagte Schelling. In Vaihingen/Enz wird das Parkhaus am Bahnhof um 242 Plätze erweitert, dort bestehen bereits 772 Stellplätze. Die Region bezuschusst das 3,4 Millionen teure Projekt mit rund einer Million Euro. Am Bahnhof Waiblingen wird das bestehende Parkhaus durch einen Neubau ersetzt – die Zahl der Plätze steigt um 253 auf 821. An den Kosten von 7,5 Millionen Euro beteiligt sich die Region mit 1,14 Millionen Euro. In Gäufelden wird der P+R-Platz neu angelegt, statt 108 gibt es dann 134 Plätze. Die Region schießt 39 000 Euro zu. Dazu kommen auch die P+R-Anlagen in Sersheim (26 Plätze), Remseck (266 Plätze) und Neustadt-Hohenacker (258 Plätze) unters Regime der Region. Die Einnahmegarantien von 180 Euro pro Stellplatz pro Jahr, die die Region an die Kommunen überweist, belaufen sich auf jährlich 403 200 Euro. Außer in Waiblingen sind P+R-Plätze kostenlos. In Waiblingen, wo es in naher Umgebung weitere Parkhäuser gibt, werden – wie bisher – zwei Euro pro Tag und 15 Euro pro Monat verlangt. Das Jahresticket reduziert sich von 120 auf 100 Euro. Außerdem beteiligt sich die Region mit 50 000 Euro an einer Studie zum P+R-Ausbau im Filderraum. „Einige Kommunen stehen in den Startlöchern“, kündigte Wurmthaler weitere Vertragabschlüsse im Frühjahr an.

Das Konzept

Die Region gibt für den Neubau eines Stellplatzes einen Zuschuss in Höhe der Landesförderung: maximal 4500 Euro im Parkhaus und 1500 Euro ebenerdig. Der Parktarif liegt zwischen kostenlos bis zwei Euro pro Tag, 15 Euro pro Monat und 150 Euro pro Jahr. Die Plätze sollen für ÖPNV-Kunden reserviert sein. Das soll, falls nötig, auch kontrolliert werden. Eine Zugangsregelung etwa durch eine Schranke, wie von Grünen und Linken vorgeschlagen, lehnten die anderen Fraktionen ab. Vaihingens OB Gerd Maisch, Regionalrat der Freien Wähler sieht freilich einige steuerliche Fragen noch offen. „Wenn wir den regionalen Zuschuss gleich wieder als Umsatzsteuer ans Finanzamt weitergeben müssen, stimmt mein Gemeinderat nie zu“, sagte er, „und so wird es in jeder Kommune kommen“. Wurmthaler sagte, die Situation sei von Ort zu Ort unterschiedlich, man werde jeweils eine passende Lösung finden.

Park-and-Ride-Plätze in Stuttgart und Region

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