Hero Marggrander wünscht sich ein Parkraummanagement wie in der Innenstadt. Marta Haid will genau das nicht – aus Rücksicht auf Besucher. Foto: Julia Bosch

Flughafen, Firmen und die beiden Universitäten: Die Parkplatznot in den Stuttgarter Filderbezirken wächst. Alle ärgern sich über die zugeparkten Straßen. Doch dass nur Anwohner kostenlos parken dürfen, ist ebenfalls umstritten.

Filder - Marta Haid und Hero Marggrander kennen sich, sie verstehen sich gut. So richtig miteinander streiten, das können und wollen sie nicht. Obwohl die zwei Plieninger beim Thema Parken unterschiedliche Ansichten haben. Hero Marggrander wünscht sich, dass in Plieningen ein Parkraummanagement eingeführt wird, so wie dies in der Innenstadt und in Bad Cannstatt der Fall ist – Marta Haid will genau das nicht. Parkraummanagement bedeutet, dass sich Anwohner für 30,70 Euro im Jahr einen Parkausweis holen müssen und damit dann kostenfrei an ihrer Straße und der näheren Umgebung parken dürfen. Alle anderen müssen zwischen 7 und 22 Uhr fürs Parken bezahlen. Ein Tagesticket kostet 8,60 Euro.

 

Hero Marggrander glaubt, dass dieses System die einzige Möglichkeit ist, dass wieder etwas Ruhe auf den Straßen einkehrt. Er ist genervt von all den Fluggästen, die aus Kostengründen ihr Auto nicht in einer der Tiefgaragen am Flughafen, sondern in Plieningen abstellen und die restliche Strecke mit dem Bus oder Taxi zurücklegen. Mallorca-Parker nennen die Plieninger diese unwillkommenen Sparfüchse. Außerdem fürchtet Marggrander, dass die Studenten mit ihren Autos bald noch verstärkter in die Wohngegenden ausweichen werden. Grund für seine Befürchtung: Das Land Baden-Württemberg führt im kommenden Jahr kostenpflichtiges Parken rund um die Uni Hohenheim und die Uni Vaihingen ein.

Besucher sollen länger parken dürfen

Marta Haid sieht dieses Problem und hat ähnliche Befürchtungen. Doch sie denkt auch an ihre drei Söhne und Schwiegertöchter, die nicht in Plieningen wohnen, aber oft zu Besuch sind. Die müssten dann jedes Mal bezahlen. Das will sie nicht: „Da ist eine Regelung wie das Stuttgarter Parkraummanagement schlecht.“ Trotzdem findet sie, dass etwas passieren muss. Sie hält das System, wie es derzeit in Leinfelden-Echterdingen ausprobiert wird, für gut: Dieses ähnelt dem Stuttgarter Konzept, allerdings erhalten Anwohner Besucherkarten, die das Parken über zwei Stunden hinaus erlauben. „So würden wir die Fluggäste und die Studenten aus den Anwohnerstraßen bekommen – und unsere Besucher können trotzdem noch stressfrei parken“, sagt sie. In der Vergangenheit lief mit den Besucherkarten jedoch nicht alles reibungslos: Da diese nicht personalisiert waren, witterten einige Anwohner in L.-E. ein Geschäft und verkauften sie weiter.

Worin sich Marta Haid und Hero Marggrander einig sind, ist, dass zu wenig kontrolliert werde, wie die Menschen ihre Autos abstellen. Dies führe dazu, dass die Leute auf den Gehwegen parkten, in Kreuzungen oder viel zu weit weg vom Bordstein. In der Vergangenheit habe dies schon dazu geführt, dass die Müllautos nicht mehr durchkamen und die vollen Tonnen stehen ließen. Und wenn mal ein Rettungswagen schnell irgendwo hin muss, könne dieser ebenfalls durch die Wildparker behindert werden, sagt Marggrander.

Auch die Anwohner tragen Mitschuld

Marta Haid sieht aber nicht nur die Mallorca-Parker und Studenten in der Verantwortung: „Die Menschen haben immer mehr Autos, teilweise hat eine mittelgroße Familie bis zu sechs Wagen. Wenn die alle auf der Straße parken, kann das nicht klappen.“ Hero Marggrander beobachtet zudem, dass viele Anwohner ihre Garagen nicht mehr für ihre Autos nutzten, sondern als erweiterten Kellerraum. Zudem seien die Autos in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Für die massiven SUVs sind viele ältere Garagen und Parkhäuser nicht ausgelegt – wodurch die Straßen noch voller werden.

Auch wenn Hero Marggrander und Marta Haid nicht genau gleicher Meinung sind, verfolgen derzeit beide ganz genau, welche Konzepte die politischen Gruppierungen zur Parkproblematik verfolgen. Eine Stadt ganz ohne Autos funktioniert nicht, sind die beiden überzeugt. Aber so wie jetzt, könne es auch nicht weitergehen.

Und was sagen die politischen Gruppierungen?

Die Grünen
sind für ein Parkraummanagement auf den Fildern. Vorrangig sollten die belasteten Gebiete rund um Flughafen, Unis und Gewerbe an die Reihe kommen.

Die CDU
sieht in den Außenbezirken bisher keinen Bedarf für ein Parkraummanagement, will die Situation aber weiter beobachten.

Die SPD
ist für ein Parkraummanagement in Flughafennähe sowie rund um den Synergiepark und das Step-Areal in Vaihingen.

Die FDP
geht davon aus, dass ein Parkraummanagement nötig wird, wenn das Parken an den Unis kostenpflichtig wird. Jedoch behebe das Parkraummanagement nicht die Ursache des Problems, nämlich das „offensichtlich unattraktive Angebot des ÖPNV“, heißt es.

Die Freien Wähler
wollen, dass jeder Stadtbezirk selbst entscheiden darf, ob und wo ein Parkraummanagement kommen soll.

Die Linke
setzt sich für ein flächendeckendes Parkraummanagement in ganz Stuttgart ein.

SÖS
strebt in allen Gebieten mit hohem Parkdruck ein Parkraummanagement an. Jedoch sollte parallel der ÖPNV verbessert werden, heißt es.

SchUB
lehnt das Parkraummanagement generell ab und plädiert stattdessen für Anliegerstraßen.

BZS23
sagt, dass ein Parkraummanagement in Vaihingen, Plieningen und auf dem Fasanenhof Sinn mache. Außerdem brauche es Quartiersgaragen, heißt es.