Die paralympischen Spiele finden vom siebten bis 18. September statt. Foto: dpa

Wie viele Athleten teilnehmen, wo und wann die Paralympics im Fernsehen zu sehen sind oder warum sind die russischen Sportler von den Spielen ausgeschlossen sind – die wichtigsten Fragen zum sportlichen Großevent in Rio de Janeiro.

Stuttgart - In der Nacht auf diesen Donnerstag geht es los mit den Paralympics in Rio. Es gibt Probleme in einigen Bereichen. Das ändert nichts an der Fernsehpräsenz: ARD und ZDF senden 60 Stunden live.

Wie sehen die Eckdaten aus?
Vom 7. bis 18. September werden an elf Wettkampftagen 528 Goldmedaillen in 22 Sportarten vergeben. Damit erreichen die Spiele den bisher größten Umfang. 4350 Athleten werden erwartet, 155 aus Deutschland – insgesamt mehr Sportler als bei den gefeierten Spielen 2012 in London. Damals nahmen 4280 Sportler teil.
Welche Probleme gibt es?
Kurz vor dem Ende der Olympischen Spiele mussten die Organisatoren der Paralympics einräumen, dass ihnen umgerechnet rund 55 Millionen Euro fehlen, um ihre Spiele ausrichten zu können. Ein brasilianisches Bundesgericht hatte öffentliche Zahlungen an das Komitee gestoppt. Und die Suche nach Sponsoren und der Verkauf der Eintrittskarten verlief so schleppend, dass dieses Defizit nicht ausgeglichen werden konnte. Mittlerweile sind staatliche Zuschüsse an die Paralympics wieder freigegeben worden. Aufgrund der Finanzprobleme lässt sich jedoch noch nicht genau sagen, wie viele der gemeldeten Sportler am Ende auch kommen werden. Das Transportsystem in Rio wird eingeschränkt, die Anzahl der Helfer bei den Paralympics deutlich reduziert. „Wir reisen in der Erwartung nach Rio, dass ein Haufen mehr Dinge auf uns zukommen als sonst“, sagt Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS).
b>Warum russische Sportler von den Paralympics ausgeschlossen sind
Werden Sportler aus Russland teilnehmen?
Nein. Zwar konnte sich das Internationale Olympische Komitee (IPC) um Präsident Thomas Bach trotz erwiesenen Staatsdopings in Russland nicht zu einem Komplett-Ausschluss durchringen. Das IPC hingegen hat anders entschieden und den Ausschluss aller russischen Sportler beschlossen. Im berühmten McLaren-Report der Welt-Anti-Doping-Organisation Wada zum Doping-System in Russland sind auch 35 Fälle aus dem Behindertensport aufgelistet. Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands lobte die Entscheidung des Komitees. Der russische Ministerpräsident Dimitri Medwedew wittert hingegen eine Verschwörung. Auf seiner offiziellen Facebook-Seite schrieb er: „Die Entscheidung ist zynisch und der eindeutige Versuch von Führenden des IPC, starke Kontrahenten auszuschließen, weil wir immer die besten Plätze erreichen.“ Russland legte Rechtsmittel gegen den Ausschuss ein.
Wie funktioniert die Einteilung in Klassen bei den Paralympics?
Behindertensportler müssen sich einem sehr komplexen Klassifizierungssystem stellen. In den meisten Sportarten gibt es mehrere medizinische Klassen. Die Grundidee dahinter ist, die Sportler entsprechend ihrer Behinderung in ähnliche Gruppen zusammenzufassen, damit die Leistungen untereinander möglichst gut vergleichbar sind. Das Klassifizierungssystem sieht für jede Sportart anders aus. Im Schwimmen zum Beispiel gibt es allein für Körperbehinderte je nach Beeinträchtigung zehn verschiedene Klassen, hinzu kommen je eine Klasse für geistig Behinderte und Sehbehinderte. Im Fechten etwa gibt es dagegen nur vier verschiedene Klassen.
Welche Probleme gibt es dabei?
Das Klassifizierungssystem ist umstritten. Durch viele verschiedene Klassen werden die Leistungen eher vergleichbar. Diesem Ziel steht aber das Bestreben gegenüber, möglichst hohe Starterzahlen in den einzelnen Wettbewerben zu schaffen und deshalb möglichst wenige Klassen zu haben. Manche Funktionäre befürchten nämlich, dass Publikumsinteresse unter der hohen Zahl der Entscheidungen leiden könnte. Außerdem wird kritisiert, dass das aktuelle System manchen Sportlern mit bestimmten Behinderungen Vorteile verschaffen könnte. Es gebe deshalb Bestrebungen, die Klassifizierung „gerechter“ zu gestalten, sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade unserer Zeitung – das bedeute aber nicht unbedingt, dass automatisch die Zahl der Klassen verringert werden müsse.
Wo und wann sind die Paralympics im Fernsehen zu sehen?
ARD und das ZDF senden etwa 60 Stunden live von den Paralympics. Die Hauptsendung „Paralympics live“ im ZDF beginnt aufgrund der Zeitverschiebung (fünf Stunden) deshalb meist um 23 Uhr und zeigt das Gros der Finals. Gegen 9 Uhr morgens gibt es zudem im ZDF meist eine 90-minütige Zusammenfassung der vorherigen Nacht, hinzu kommt die Sportschau im Ersten.
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