Photovoltaik-Anlagen treiben die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen nach oben. Foto: imago /Arnulf Hettrich

Die Pacht für landwirtschaftliche Grundstücke ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dieser Trend hält an. Auch Photovoltaik-Anlagen sind Preistreiber.

Für die Bauern ist es in den vergangenen Jahren ständig aufwärts gegangen – zumindest bei den Preisen, die sie für Pacht oder den Kauf von landwirtschaftlichen Flächen bezahlen mussten. „Die Kaufpreise haben sich in den letzten 20 Jahren im Bundesdurchschnitt verdreifacht, die Pachtpreise haben sich ungefähr verdoppelt“, heißt es beim Deutschen Bauernverband in Berlin.

 

Der Pachtpreis für Ackerland ist bis 2020 auf 375 Euro je Hektar gestiegen, Grünland war deutlich preiswerter. Im Vergleich zur Landwirtschaftszählung 2010 stieg der Pachtpreis für Ackerflächen um 62 Prozent.

Etwa 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen gehören den Bauern nicht selbst, sondern anderen – etwa Erben, die nicht mehr in der Landwirtschaft tätig sind – und müssen gepachtet werden. Nach Ansicht des Bauernverbandes liegen die Pachtpreise in einigen Regionen mittlerweile auf einem Niveau, bei dem sich die Pachten über den Anbau etwa von Getreide oder Mais „kaum noch erwirtschaften lassen“.

Besonders hoch sind die Preise in Gegenden, in denen viele Schweine oder viel Geflügel gehalten wird, auch weil dort große Flächen für die Ausbringung der Gülle benötigt werden: „Dort hat ein Biobetrieb mit Ackerbau oder Milchviehhaltung keine Chance, mitzuhalten“, sagt Gerald Wehde, Geschäftsleiter Kommunikation und Agrarpolitik beim Anbauverband Bioland. Auch Biogasanlagen, für die viel Mais angebaut wird, hätten die Preise getrieben. Die Pächter – in der Regel konventionelle landwirtschaftliche Betriebe, die Mais für ihre Biogasanlagen anbauen – zahlen laut Wehde 1000 Euro pro Hektar. Die Biobetriebe dagegen könnten „höchstens 400 bis 500 Euro bezahlen“.

Gerald Wehde Foto: Bioland

EU-Agrarpolitik als Preistreiber

Als weiteren Preistreiber bezeichnet Wehde die Agrarpolitik der Europäischen Union: Besser wäre es, auf Subventionen für die bewirtschaftete Fläche zu verzichten. „Der Verpächter weiß, dass die EU eine pauschale Flächenprämie bezahlt, das schlägt er dann auf den Pachtpreis drauf“. Würde dagegen nur die ökologische Leistung von der EU honoriert, würde dieses System nicht mehr funktionieren, so der Biolandexperte.

Bodenpreise wichtiger als Agrardiesel

Bauernverband und Bioland rechnen mit weiter steigenden Preisen. Diese könnten zumindest nach der Ansicht von Wehde für die Zukunft der Landwirtschaft noch wichtiger sein als der Streit um den Agrardiesel. „Die Höhe und Entwicklung der Bodenpreise ist für die Wirtschaftlichkeit von Betrieben entscheidender als die Förderung des Agrardiesels“, meint Wehde.

„Der Bodenmarkt ist stark umkämpft“, sagt Jan Brunner, Experte für Bodenpolitik bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die kleinere Betriebe vertritt. Deshalb sollten sich seiner Ansicht nach Gebietskörperschaften oder Kirchen, die Land verpachten, nicht nur am Preis, sondern auch an Gemeinwohlkriterien orientieren. Eine Bewirtschaftung, die Klima und Boden schont, aber auch die Regionalität oder die Mitarbeiterzahl pro Hektar nennt Brunner als Stichworte.

Angst vor zu vielen Photovoltaik-Anlagen

Auch Vorhaben, die im Zeichen des Klimawandels nötig sind, lassen Bauernherzen nicht unbedingt höherschlagen. „Ganz massiv rollt die Freiflächen-Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen auf uns zu“, sagt Wehde voraus. „Der Boden, den der Investor kauft oder langfristig pachtet, ist dann für die Bauern weg“. Und Investoren sind nicht ohne Chancen, an Land zu kommen: „Pachtpreise für Photovoltaik-Flächen sind häufig um ein Vielfaches höher.“ Photovoltaikanlagen auf Stützen könnten zwar bei Obstanbau sinnvoll sein und den Boden sozusagen doppelt nutzen. „Auf Acker- und Grünland aber sind die Freiflächenanlagen wesentlich wirtschaftlicher.

Bundesweit werden nach den Angaben des Bauernverbandes Tag für Tag 56 Hektar Land für Siedlungen, Gewerbe und Infrastruktur verbraucht. Wolle man die nationalen Klimaziele erreichen, müssten „pro Tag zusätzlich 36 Hektar für Freiflächen-Photovoltaik hinzukommen“, meint Wehde. „Auf landwirtschaftlichen Flächen sind Freiflächen-Photovoltaikanlagen aus Sicht des Bauernverbandes nur auf sehr ertragsschwachen Standorten vertretbar“, heißt es in der Zentrale der Landwirtschaftslobbyisten.

Der Ausbau der Photovoltaik treibt auch die Südwest-Bauern um: „Der Photovoltaikausbau auf Dachflächen und Flächen, die nicht landwirtschaftlich genutzt sind, muss absoluten Vorrang haben“, fordert Dominik Modrzejewski, Fachreferent beim Bauernverband. Aufgrund der Ausbauziele für die Nutzung der Sonnenenergie „werden wir jedoch nicht um PV-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen herumkommen“, meint Modrzejewski. Wie im Bund verlangt auch der Bauernverband im Südwesten „dass Landwirte und die Bevölkerung vor Ort frühzeitig in Projekte eingebunden werden und sich beteiligen können“.

Die Bauern-Branche

Bund
Bundesweit gibt es rund 258 000 landwirtschaftliche Betriebe. Die größeren liegen meist in Norddeutschland und in Ostdeutschland. Besonders hoch sind die Pachtpreise im Westen und im Norden Deutschlands. Spitzenreiter war 2020 Nord-Rhein-Westfalen mit 518 Euro je Hektar, gefolgt von Niedersachsen mit 514 Euro pro Hektar. Der Bundesdurchschnitt lag bei 329 Euro je Hektar. Das Unternehmensergebnis der Haupterwerbsbetriebe hat sich im vergangenen Wirtschaftsjahr deutlich auf 115 400 Euro je Betrieb verbessert.

Südwesten
Verglichen mit dem Bundesdurchschnitt kommen die Bauern im Südwesten noch relativ gut davon: So zahlte ein Haupterwerbsbetrieb in Baden-Württemberg im Landwirtschaftsjahr 2022/23 (Beginn 1. Juli) 270 Euro Pacht je Hektar. Hat er etwa 56 Hektar gepachtet, kommt die stolze Summe von 15 000 Euro zusammen. Nebenerwerbslandwirte zahlen im Südwesten nach den Angaben des Bauernverbandes in Baden-Württemberg im Schnitt 224 Euro für jeden gepachteten Hektar, haben sie von ihren durchschnittlich 35 Hektar 21 Hektar gepachtet, kommen immerhin 4 700 Euro im Landwirtschaftsjahr zusammen. Bei den Einkommen tragen die Bauern im Südwesten, auch wegen ihrer relativ kleinen Höfe, bundesweit weiter die rote Laterne – und das, obwohl sich das Unternehmensergebnis je Betrieb von 62 859 Euro auf 77 013 Euro verbessert hat.