Numerus Brittonum stellen das tägliche Leben im alten Rom dar. Foto: Ines Rudel

Ein Agent des Statthalters liegt ermordet in seinem Lager. Die Schauspieltruppe Numerus Brittonum hat am Wochenende in Welzheim einen knifflig-humorvollen Kriminalfall gelöst – nach Art der alten Römer.

Welzheim - Einen Dolch im Rücken, liegt der Zahlmeister der römischen Garnison in seinem Blut. Der Mord könnte für den Lagerkommandanten, den Praepositus Marcus Octavius Severus alias Marcus Schaaf, nicht ungelegener kommen: Der Tote war in geheimer Mission unterwegs und hatte das Ergebnis seiner Ermittlungen gerade enthüllen wollen. Dass ein Beamter des Statthalters ihm im Nacken sitzt und am liebsten jeden x-beliebigen Lagerbewohner verhaften lassen würde, hilft auch nicht gerade.

Die Lage ist ernst, doch den Humor lassen sich die Laiendarsteller von der Truppe Numerus Brittonum nicht nehmen. In ihr Stück flechten sie Seitenhiebe auf den US-Präsidenten Donald Trump („Make Rome great again“), die Europakrise und die AfD mit ein. Oder Anspielungen auf die Zukunft: Zwei Verdächtige sitzen auf dem Rand des Brunnens, der 1800 Jahre später eine Fundgrube für Archäologen darstellen wird.

Bald wird das Holztor des Ostkastells Welzheim nachgebaut

Mit dem Krimi auf Altrömisch wurde am Samstagabend das 25-jährige Bestehen des Archäologischen Parks gefeiert. Ihr Lager im Ostkastell ließ die Schauspieltruppe, eine Abteilung des Historischen Vereins Welzheim, gleich aufgebaut: Zum Tag des offenen Denkmals ließ sie Römerzeit mit einem kindgerecht gestalteten Planspiel wieder lebendig werden.

Seit einem Vierteljahrhundert können Besucher des Ostkastells das rekonstruierte Westtor, einen Infopavillion, Kopien von Originalfunden und den Nachbau eines altrömischen Brunnens begutachten. Das soll es nicht gewesen sein, verspricht der Bürgermeister Thomas Bernlöhr: „Wir schnüren gerade ein römisches Paket, mit Rundweg und der Wiederherstellung der Holztore.“ Dennoch muss er einräumen: „Wiederauferstehen lassen können diese Zeit nur unsere Römer“ – also die Limes-Cicerones und die Darsteller von Numerus Brittonum.

So speisten die alten Römer – wenn sie es sich leisten konnten:

Sie füllen die kalten Steine mit Leben; ihr Lager umfasst nicht nur Soldaten, sondern auch eine Taverne, einen Schmied, einen Medicus und einen Mercator, der fast alle Dinge des täglichen Bedarfs unters Volk bringt. So faszinierend glitzernde Rüstungen und klirrende Kettenhemden sein mögen: „Wir haben mehr zivile Darsteller als militärische, wir wollen das alltägliche Leben darstellen“, erklärt der Numerus-Brittonum-Sprecher Andreas Schaaf.

Am Ende des Abends wird der Mörder überführt und mit gezogenem Spatha – dem römischen Langschwert – abgeführt. Das Publikum darf sich noch davon überzeugen, dass die alten Römer nicht nur meisterhafte Intrigenspinner und Eroberer waren, sondern auch richtige Gourmets. Zumindest, wenn sie es sich leisten konnten: Auf der Tafel neben dem Tor des Ostkastells türmen sich historisch korrekte Speisen der altrömischen Oberschicht. Datteln im knusprigen Speckmantel, belegte Eier, bestrichene Brote und Gewürzwein.

Die Römer in Welzheim

Lager: In dem Luftkurort Welzheim finden sich die Reste von zwei altrömischen Militärlagern, dem Ost- und dem Westkastell. Sie gehörten einst zum Obergermanisch-Rätischen Limes. Diese Außengrenze des Römischen Reichs gehört seit 2005 zum Weltkulturerbe der Unesco. Während das Westkastell heute fast ganz überbaut ist, blieb das kleinere Ostkastell als archäologisches Reservat erhalten.

Funde: Der wohl wichtigste Fund, der im Ostkastell gemacht werden konnte, waren vier holzverschalte Brunnen. Da diese, nachdem sie aufgegeben worden waren, den Römern als Abfallgrube gedient hatten, gaben die Brunnen den Archäologen viele Erkenntnisse zum Leben vor fast 2000 Jahren preis. Die Forscher fanden unter anderem Reste eines Maskenhelms, Kinderschuhe, Speere in ausgezeichnetem Zustand und Küchenabfälle, die Rückschlüsse auf den altrömischen Speiseplan zuließen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: