41 Projekte für den Klimaschutz hat die Stadt Ostfildern auf den Weg gebracht. Die Strategie stellte Umweltmanagerin Daniela Weisbarth jetzt im Gemeinderat vor.
Ein Umdenken für den Klimaschutz hat sich die Stadt Ostfildern als politisches Ziel für die kommenden Jahre gesteckt. Dazu bedarf es vieler kleiner Schritte, die Klimaschutzmanagerin Daniela Weisbarth dem Gemeinderat in einem ausführlichen Bericht vorgestellt hat. Um die Projekte zu bündeln und um Impulse von außen zu erhalten, strebt die Kommune die Zertifizierung im Rahmen des European Energy Award an. Den Schlüssel zum Erfolg sieht Weisbarth bei den Menschen, die in der Stadt leben: „Wir als Kommune müssen den Rahmen schaffen, um ihnen klimaschonendes Verhalten zu erleichtern.“
Dass das im Alltag gelingen kann, steht für die Umwelt-Expertin außer Frage. Ein griffiges Beispiel ist da für sie der Ausbau von Wärmenetzen, wie ihn die Wärmeplanung der Stadt vorsieht. Ein zentraler Punkt der Strategie sei auch der Ausbau von Angeboten im Bereich der umweltfreundlichen Mobilität. Projekte wie Foodsharing gehören für sie ebenfalls dazu – im Sommer dieses Jahres wurde ein neuer Fairteiler im Scharnhauser Park eröffnet.
Klimapolitisches Arbeitsprogramm
Das klimapolitische Arbeitsprogramm der Stadt umfasst 41 Projekte. Im ersten Quartal 2024 möchte sich die Kommune der externen Beurteilung durch die Berater des European Energy Award stellen. Die Auszeichnung gilt vier Jahre lang. Dann muss die Stadt ihre Strategie und die Projekte für den Klimaschutz erneut überprüfen lassen.
Wie möchte Weisbarth die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt mit 40 000 Einwohnern dazu bewegen, selbst aktiv zu werden? „Da gibt es viele Möglichkeiten“, findet die Fachfrau. So plant sie Aktionen zur Energieberatung, Informationsveranstaltungen oder will Klimatipps in den Medien veröffentlichen. Wichtig sei die Vorbildfunktion der Stadt: „Wir müssen Energiesparprojekte an den städtischen Gebäuden zügig umsetzen und darüber berichten.“ Wie wirkungsvoll es ist, den Menschen Anreize zu setzen, hat aus ihrer Sicht der Ansturm auf die Fördermittel für Solar-Stecker für den heimischen Balkon gezeigt. Auch das Stadtradeln und andere Wettbewerbe betrachtet sie als wegweisend.
Für das Klimaschutz-Konzept gab es von den Stadträten in ihrer Sitzung im Stadthaus im Scharnhauser Park viel Lob. „Wir stimmen den Klimaschutzzielen zu“, sagte Steffen Kaiser (Freie Wähler). Aus Kaisers Sicht ist es wichtig, den Klimaschutz auf allen Ebenen zu forcieren: „Aber wir müssen bei den Haushaltsberatungen abwägen, was wir uns da noch leisten können.“ Hohen Stellenwert hat der Klimaschutz auch für Stephanie Reinhold (Bündnis 90/Grüne): „Die nachhaltige Entwicklung ermöglicht es uns, den Kindern eine gute Umwelt zu übergeben.“ Dass Projekte „aus Kostengründen“ auf später verschoben würden, hält die Kommunalpolitikerin für falsch. „Die Projekte muss man umsetzen, wir als Gemeinderat sind für eine umfassende Strategie verantwortlich.“ Dass der Ausbau der Photovoltaik in der Stadt gestiegen ist, sieht Reinhold als ein gutes Zeichen: „Daran müssen wir anknüpfen.“ Mit dem Beschluss des Konzepts ist das Thema noch lange nicht erledigt, sagt sie: „Klimaschutz fängt erst jetzt an.“ Das sieht auch Martina Sandhorst-Schäfer (SPD) so. „Es reicht nicht, die Projekte zu beschließen.“ Die einzelnen Schritte müssten „zeitnah“ umgesetzt und auch finanziert werden. Ein großes Thema für Sandhorst-Schäfer ist die Gebäudesanierung, um nachhaltig Heizenergie einzusparen. „Und uns brennt die Vorlage des Mobilitätskonzepts unter den Nägeln.“ Der motorisierte Verkehr hat aus ihrer Sicht zwar zugenommen, doch sieht sie die Bereitschaft der Menschen, auf umweltfreundliche Fortbewegung umzusteigen, wenn die Infrastruktur stimmt.
Bei Mobilität aufs Tempo drücken
Für den „ausführlichen Bericht“ dankte Axel Deutsch der städtischen Klimaschutzmanagerin Weisbarth: „Klimaschutz betrifft jeden.“ Bis 2040 müsse das politische Ziel auf allen Ebenen „die Netto-Treibhausgasneutralität“ sein. Deutsch ist gespannt, zu welchem Ergebnis die Machbarkeitsstudie für ein zentrales Wärmenetz im Bereich Nelligen-Süd/Parksiedlung kommt.
European Energy Award
Vernetzung
Mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland wohnen in sogenannten Klimaschutzkommunen, die sich an der Zertifizierung beteiligen. 292 Städte und Gemeinden sowie 58 Kreise beziehungsweise Landkreise nehmen am European Energy Award teil und sorgen für mehr Klimaschutz und Energieeffizienz. Dabei geht es um Vernetzung und Erfahrungsaustausch.
Effizienz
Das Land Baden-Württemberg fördert die Teilnahme am European Energy Award. Das ist ein Zertifizierungs- und Qualitätsmanagementsystem, das es ermöglicht, den Energieeinsatz in Kommunen systematisch zu erfassen, zu bewerten und zu überprüfen. Es geht um Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz.