Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande gedenken am 27.01.2017 in Berlin auf dem Breitscheidplatz den Opfern des Terroranschlags (Archivbild). Foto: dpa

Ein offener Brief der Familien der Terror-Opfer vom Breitscheidplatz ist im Kanzleramt eingegangen – Kanzlerin Merkel will sich bei einem Treffen mit Angehörigen auch der Kritik der Hinterbliebenen stellen.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich bei einem Treffen mit Angehörigen der Opfer des Weihnachtsmarktanschlags von Berlin auch der Kritik der Hinterbliebenen stellen. Ein am Freitag bekannt gewordener offener Brief der Familien der Todesopfer sei auch im Bundeskanzleramt eingegangen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Dort werde er mit „großem Respekt“ vor dem Leid der Familien gelesen. Es sei spürbar, dass viele aus dem Betroffenenkreis das Bedürfnis hätten, „auszudrücken, was sie von staatlicher Seite als unzureichend oder als zusätzlich belastend empfanden“, sagte Seibert. Deshalb wolle Merkel bei der Begegnung am 18. Dezember „zuhören und genau wissen, was es ist, das den Angehörigen eine ungeheuer schwere Zeit möglicherweise unnötig noch schwerer gemacht hat“.

Merkel will sich Kritik stellen

Dabei wolle Merkel sich auch der Kritik an den staatlichen Institutionen stellen. Beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz waren am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen getötet und 67 weitere verletzt worden. Am Freitag war ein offener Brief bekannt geworden, in dem Angehörige der zwölf Todesopfer mangelnde Unterstützung beklagen und auch die Bundesregierung kritisieren. Auch die Opferhilfsorganisation Weißer Ring forderte mehr Unterstützung für Betroffene.

„Der Staat muss eine Krisenkoordinationsstelle einrichten“, erklärte die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter. Nach dem Weihnachtsmarktanschlag habe es zahlreiche Pannen bei der Arbeit der Berliner Behörden gegeben, die die Angehörigen zusätzlich belastet hätten. Viele Opfer hätten sich deswegen allein gelassen gefühlt. Nach dem Anschlag habe der Weiße Ring etwa 80 Opfer, Angehörige und Hinterbliebene in Berlin betreut und materiell unterstützt. Mit mehr als 150.000 Euro überbrückte der Verein Verdienstausfälle oder finanzierte Erholungsmaßnahmen.

„Terroropfer brauchen einen Rechtsanspruch auf Schmerzensgeld gegenüber dem Staat“, sagte Müller-Piepenkötter. Nach Einschätzung der Hilfsorganisation sollte dafür jedem Opfer ein mindestens fünfstelliger Betrag zustehen.

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