Am Charlottenplatz können Passanten bald wieder in die Tasten greifen. Die Stadt unterstützt die Idee von Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin für ein Open Piano in diesem und im nächsten Jahr mit jeweils 8000 Euro. Das Geld wird in ein neues Klavier investiert.
Wilhelm Busch hat die Passage unter dem Charlottenplatz nachweislich nicht besucht. Seine Klavier-Beschreibung trifft auf das dort platzierte Piano jedoch exakt zu: „Ein gutes Tier ist das Klavier, still, friedlich und bescheiden. Und muss dabei doch vielerlei erdulden und erleiden.“ In der Tat hat das Piano an der Stadtbahn-Haltestelle Charlottenplatz einiges mitgemacht. Der Lack ist ab und, was gravierender ist: es gibt keine Töne mehr von sich. Der Tastenschlag verpufft. Das Ding ist tot.
Das jetzige Klavier ist nur ein Platzhalter
Das war es allerdings schon, als es vergangenes Jahr aufgestellt wurde – nicht um darauf zu spielen, sondern als Platzhalter bis ein neues, funktionsfähiges Klavier eintrifft. „Ein Nachfolger kommt“, hatte Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin (SÖS), die Initiatorin des „Open Piano“, zur Erläuterung auf ein Plakat geschrieben. Der kaputte Klimperkasten sollte eine Art Erinnerungsstütze sein. Die Tastatur hatte man zugenagelt. Irgendwer hat sie dann aufgebrochen. In Kürze soll der Klaviermüll abtransportiert werden – um Platz zu schaffen für ein neues Instrument.
Ein erstes Klavier war im Juli 2023 auf Betreiben Müller-Enßlins in der Stadtbahnhaltestelle aufgestellt worden. Besser gesagt ein Klavierwesen. Menja Stevenson, die Leiterin der Jugendkunstschule, und 20 Kinder und Jugendliche hatten dem Instrument buchstäblich ein Gesicht gegeben und es „La Queer“ getauft. Lange hielt die Deko nicht, weil unmusikalische Zeitgenossen sich daran zu schaffen machten. Gespielt werden konnte auf dem Instrument jedoch wie geplant bis September. Dann wurde es eingemottet und vorläufig durch das jetzige Schaupiano ersetzt.
Zweimal 8000 Euro für das Open Piano
In Kürze soll dort wieder öffentlich gespielt werden. Spätestens im Mai, so hofft Müller-Enßlin, „steht dort ein neues Klavier“. Sie hatte ihre Gemeinderatskollegen davon überzeugen können, in diesem und im nächsten Haushaltsjahr jeweils 8000 Euro für das Projekt Open Piano bereit zu stellen. „Damit kann man etwas machen“, sagt Müller-Enßlin erfreut – nämlich ein gutes Klavier kaufen und es regelmäßig stimmen lassen. Im Kulturamt wartet man noch auf die Mittelfreigabe für die im Doppelhaushalt beschlossenen Projekte, also auch für das Open Piano, dann kann’s losgehen.
Das neue Klavier wird übrigens – wie schon „La Queer“ – nicht zu übersehen sein. Dafür will erneut die Jugendkunstschule sorgen. Müller-Enßlin verrät: „Dort werden schon fleißig Ideen gesammelt, wie sie das Instrument herausputzen können.“