Unter der Führung von Carlos Tavares ist der französische PSA-Konzern aus der Krise gekommen. Nun soll Opel diesem Beispiel folgen. Foto: AP

Der französische Autokonzern PSA, zu dem unter anderem Peugeot gehört, könnte Opel schon bald kaufen. PSA-Chef Tavares betont, dass Opel nach der Übernahme autonom bleiben werde.

Paris - Es herrscht Aufbruchstimmung in der Pariser PSA-Zentrale an der Avenue de la Grande Armée. Auf der zehnspurigen, zum Triumphbogen führenden Prachtstraße steht am Donnerstagmorgen nicht mehr Napoleons Große Armee, dafür der Autoverkehr. Ein Viertel sind, grob geschätzt, Peugeot- und Citroën-Modelle. Das freut PSA-Chef Carlos Tavares, der in der Konzernzentrale die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr verkündet und daraus flugs ein Argument für die geplante Übernahme von Opel macht.

Der Umsatz ist zwar wegen eines Spartenverkaufs und des Wechselkurses von 54,7 Milliarden auf 54,0 Milliarden Euro gesunken; dafür hat sich der Nettogewinn mit 1,7 Milliarden Euro fast verdoppelt. Dazu trugen höhere Preise sowie Einsparungen bei Einkauf, Produktion und Verwaltung bei. Die operative Gewinnmarge im Autogeschäft kletterte auf sechs Prozent. PSA zahlt deshalb erstmals seit 2011 wieder eine Dividende – und das wohlgemerkt nach einer Unternehmenskrise, die fast in der Pleite endete und zur Entmachtung der Peugeot-Familie führte.

Der Deal ist noch nicht unter Dach und Fach

Nachdem sich die wirtschaftliche Lage des französischen Autobauers verbessert hat, will Tavares mit Opel nun die Angebotspalette verbreitern. Es gebe auf dem Weltmarkt Länder, in denen keine französischen, sondern lieber deutsche Marken auf den Einkaufslisten stehen. „Deshalb würde Opel unser Angebot gut ergänzen,“ sagt Tavares.

Der 58-jährige Auto-Manager betont mehrmals, der Deal sei noch nicht unter Dach und Fach. Aber genau diesen Eindruck hinterlässt die zweistündige Pressekonferenz. Tavares redet, als ob Opel schon zum Konzern gehören würde: „Opel wird eine deutsche Marke mit deutschem Engeneering bleiben“, versichert er. Immer wieder betont er, wie autonom die deutschen Partner bleiben werden: Um die Wende zu schaffen, die PSA bereits hinter sich hat, werde das Opel-Management den Sanierungsplan zusammen mit den Gewerkschaften selber erarbeiten.

Natürlich werde das Management von PSA die „Methodik, Unterstützung und die Maßstäbe“ vorgeben. Allen sei klar, dass Opel Hilfe brauche: „Ein Unternehmen, das seit zehn Jahren rote Zahlen schreibt und jährlich eine Milliarde an Cash verbrennt, kann nicht ewig so weitermachen,“ meint Tavares.

Mit Opel und Vauxhall soll ein europäischer Champion entstehen

Auch den zahlreichen Investoren und Anlegern im Saal versichert der Chef des französischen Autobauers: Bei einem Zusammenschluss mit PSA seien „relativ rasch Synergien möglich“, meint Tavares. Nicht zuletzt „dank des hohen Tempos, das ich anstrebe“. Denn Opel müsse unbedingt seine „Kosteneffizienz verbessern“.

Welche konkreten Folgen diese Kostensenkung für die 19 000 Opel-Mitarbeiter in Deutschland haben könnte, lässt Tavares offen. Aber er bekräftigt: „Bei PSA hält man sich an Vereinbarungen.“ Damit meint er wohl die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018, die er diese Woche den Regierungschefinnen Angela Merkel in Berlin und Theresa May in London gegeben hatte. „Wir wollen die Gewerkschaften auf unserer Seite haben“, meint der frühere Renault-Manager, der bei PSA in der Tat das Kunststück schafft, nach einer Werkschließung im Jahr 2014 weiterhin jedes Jahr Hunderte von Arbeitsplätzen zu streichen, ohne in Frankreich viel Widerstand oder auch nur Wirbel auszulösen.

Bei Opel will Tavares „ruhig, bescheiden und gelassen“ vorgehen. Damit sei den Investoren wie den Sozialpartnern gedient: „Eine höhere Wertschöpfung führt zu einer schnelleren Erholung.“ Gefragt, wie er die deutschen Ingenieure dazu bringen wolle, Opel-Modelle auf Peugeot- oder Citroën-Plattformen zu bauen, verweist der PSA-Boss auf die bereits bestehenden Kooperationen: „Bei drei gemeinsamen Modellen arbeiten wir sehr konstruktiv zusammen, ohne dass mir Probleme, Spannungen oder Blockaden bekannt wären.“

Auf eine Journalistenfrage nach Plänen für den US-Markt verspricht Tavares generell: „Sobald Opel wieder Licht am Ende des Tunnels sieht, eröffnet sich auch die Möglichkeit, die Exporte über Europa hinaus auszuweiten.“ Für genaue Markt- oder Modellpläne sei es allerdings zu früh. Sicher ist der PSA-Chef, dass mit Peugeot, Citroën, Opel und dessen britischem Ableger Vauxhall ein „europäischer Champion“ entstehen werde. Beziehungsweise würde.

Politiker erwarten größere Wettbewerbsfähigkeit

Ähnlich drückten sich am Donnerstag auch die deutsche Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und ihr französischer Amtskollege Michel Sapin nach einem Treffen in Paris aus. „Die Allianz von PSA und Opel kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Chancen auf den internationalen Märkten steigern“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. „So könnte durch den Zusammenschluss ein weiterer europäischer Global Player entstehen.“ Die bestehenden Vereinbarungen bezüglich der Standorte und der Arbeitsplätze in Deutschland und Frankreich müssten dabei eingehalten werden, hieß es weiter. „Wir setzen darauf, dass der neue Konzern die Synergiepotenziale in mehr Wachstum umsetzt und damit Standorte und Beschäftigung auch langfristig sichert“, erklärten Zypries und Sapin.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: