Je nach Finanzamt dauert die Bearbeitung unterschiedlich lange Foto: /dpa

Mehrere Wochen vergehen von der Steuererklärung bis zum Bescheid. Eine Auswertung hat nun gezeigt, wie stark sich die Bearbeitungszeiten je nach Finanzamt unterscheiden.

Stuttgart - In Baden-Württemberg müssen Bürger länger auf ihren Steuerbescheid warten als im Bundesschnitt. Nach einer Auswertung durch das Portal Lohnsteuer-kompakt.de, das den Weg von 400 000 Steuererklärungen verfolgte, liegen fünf der zehn langsamsten Finanzämter im Südwesten.

Im Durchschnitt bearbeiteten die Finanzbehörden im Land Einkommensteuererklärungen nach 57 Tagen, während die Bearbeitungsdauer bundesweit bei 55 Tagen liegt. Das schnellste Finanzamt der Region, Stuttgart III, brauchte im Durchschnitt 43 Tage, während das Amt Stuttgart I 73 Tage benötigte. Das langsamste Finanzamt im Land sitzt demnach in Baden-Baden (83 Tage), etwas schneller sind Oberndorf (79), Mannheim-Neckarstadt (79), Donaueschingen (77), Lörrach (77) und Bühl (76).

Ämter unterscheiden sich

Das Finanzministerium Baden-Württemberg hält die Zahlen nur für begrenzt vergleichbar. So hänge die Bearbeitungszeit davon ab, ob viele Bürger die Erklärungen innerhalb kurzer Zeit abgeben, was die Bearbeitung verlängere, erklärte eine Sprecherin. Zudem gebe es Finanzämter mit Sonderzuständigkeiten, etwa in Grenznähe. Auch Kranken- und Urlaubstände, Mitarbeiter in der Einarbeitungszeit, Elternzeiten und Pensionierungen spielten eine Rolle.

Nach Einschätzung der Deutschen Steuergewerkschaft unterscheiden sich die einzelnen Ämter auch mit Blick auf die Komplexität der Fälle. In städtischen Gebieten gebe es einen höheren Anteil an komplexen Fällen wie ausländischen Vermögen, sagte der Bundesvorsitzende Thomas Eigenthaler unserer Zeitung. Unter dem Strich führe auch die neue Regelung, wonach Belege nur noch auf Anforderung vorgelegt werden müssen, für Verzögerungen, da es in diesem Fall meist Wochen dauere, bis die Belege vorliegen. Auch die Nichtbesetzung von bundesweit 6000 Stellen führe zu Verzögerungen. Das entspreche 30 Finanzämtern.

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