Sieht aus wie neu, ist aber eine Oldtimer-Rarität aus dem Hause Mercedes Benz Foto: Gottfried Stoppel

Nach sieben Jahren ist Marc Bläses Werkstatt Mythosschmiede in der Oldtimerszene ein Begriff. Auf Karosserien spezialisiert, bekommt er anspruchvollste Aufträge. Zurzeit arbeitet sein Team in Waiblingen an Teilen für einen 91 Jahre alten Mercedes SSK

Waiblingen - Gebaut wurden die Mercedes vom Typ SSK in den Jahren 1928 bis 1932. Viele der heute äußerst raren Autos wurden nach Argentinien exportiert – so wie der Wagen des Kunden, für den Marc Bläse und seine Mitarbeiter zurzeit arbeiten. „Er hat ihn in Argentinien gefunden. Der ursprüngliche Besitzer hat damit Rennen gefahren und hat deshalb viele Teile abgenommen, um das Auto leichter zu machen“, sagt der Restaurator, der in Waiblingen die Mythosschmiede betreibt, eine Werkstatt, die sich auf die Karosserien von Oldtimern spezialisiert hat.

Bleche werden nach Originalplänen neu gefertigt

Für den 91 Jahre alten, sündhaft teuren SSK fertigen Bläse und seine Mitarbeiter Frank Altmann und Heiko Heinrich die Motorhaube an. „Die wird komplett neu gemacht“, sagt Marc Bläse, der die Bleche nach Plänen baut, die er zusammen mit dem Besitzer rekonstruiert hat. Das Auto selbst steht nicht in Waiblingen. „Es ist so teuer, dass ich dazu keine Versicherung finde“, sagt er. Wie teuer? „Also, um den zu bezahlen, muss ich einige Blechle klopfen“, sagt Bläse und lächelt. Allein der Motor sei rund eine Million Euro wert.

Der SSK ist nicht das einzige Projekt, das zurzeit in der Mythosschmiede geschmiedet wird. Unter den Blicken von Werkstatthund Zora wird die Karosserie eines alten Porsche gerade komplett von der Farbe befreit. In einem anderen Teil der Halle steht ein nackter Autorahmen. „Das wird ein Mercedes 300 SL Coupé. Den Rahmen hat der Eigentümer bei der Auflösung eines Schrottplatzes gefunden. Der war schon zum Teil im Boden eingesunken.“ Der Fahrzeugbrief sei auch noch vorhanden. „Das reicht aus, um den Wagen wieder aufzubauen“, sagt Marc Bläse. Ersatzteile dafür seien auf dem seit Jahren boomenden Oldtimermarkt gut zu finden.

Handarbeit mit Sachverstand und Enthusiasmus

Und was nicht mehr zu beschaffen ist, fertigen die drei Spezialisten in Waiblingen-Neustadt selbst an. Da steckt viel Handarbeit drin, Sachverstand und vor allem Enthusiasmus. „Spaß haben wir hier“, versichert Heiko Heinrich, der den Beruf des Karosseriebauers auf eine althergebrachte Weise lernt. „Da hat sich viel verändert mit der Zeit. Dellen werden heutzutage nicht mehr rausgeklopft, sondern Teile ersetzt“, sagt Marc Bläse. „Nicht, weil die Leute das nicht mehr können, sondern weil sich das nicht mehr rentiert.“ Außer bei Oldtimern, wo der Anteil an Originalteilen von großer Bedeutung ist.

Zu dritt biegen die drei gerade an einem Karosserieteil für den 300 SL. „Die ganze Belegschaft schafft an einem Teil“, kommentiert der Chef amüsiert. Allerdings sieht man dabei, wie eingespielt das Team ist, das noch zwei Mitarbeiter mehr vertragen könnte. „Mittlerweile haben wir einen Namen in der Szene“, sagt Bläse, der vor sieben Jahren mit seinem Jugendfreund Rouven Eidelloth die Firma gegründet hat. Während Bläse sich auf Karosserien spezialisiert hat, ist „Eidelloth Classics“ mittlerweile in Leutenbach-Nellmersbach vorwiegend mit Mechanik beschäftigt.

Einer der ersten Aufträge entpuppte sich als Rarität

Der Karosseriebaumeister Bläse hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt und dazu einige Jahre Erfahrung bei renommierten Restaurierungsexperten wie Kienle Automobiltechnik in Ditzingen und Alte Sterne in Stuttgart gesammelt. Einer der ersten Aufträge der Mythosschmiede steht zurzeit wieder in der Halle wegen eines Unfallschadens. Ein Mercedes 300 SL Roadster Baujahr 1957, dessen Besitzer erst durch die Mythosschmiede erfuhr, dass es sich dabei um einen ganz speziellen Wagen dieses Typs handelt. Die Seriennummer verriet den Spezialisten, dass es sich um das vierte gefertigte Fahrzeug dieses Modells handelt. Da die drei anderen davor Prototypen waren, handelt es sich bei diesem um den ersten serienmäßig hergestellten Mercedes 300 SL Roadster. Der Wert des Autos stieg schlagartig.

Hat man da nicht Hemmungen, an solch teuren Autos Hand anzulegen? „Einfach drauflosklopfen geht nicht. Aber man bekommt mit der Zeit eine gewisse Routine“, sagt Bläse. „Respekt ja, Hemmungen nein“, ergänzt Heiko Heinrich.

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