Projekte, die an der Ludwigsburger Filmakademie entstehen, sorgen öfters für Furore. Dass eine Arbeit von Studierenden die ökologische Suchmaschine Ecosia nun veranlasst hat, ihre erste größere Werbekampagne zu realisieren, ist dennoch außergewöhnlich.
Ludwigsburg - Wenn es darum geht, im Internet schnell etwas zu suchen, gibt es für viele nur eine Suchmaschine. Es kommt nicht von ungefähr, dass ihr Name zum Verb wurde und es in den Duden geschafft hat. Dabei gibt es durchaus Alternativen zu Google. Ein umweltfreundliche Alternative ist „Ecosia“.
Das 2009 gegründete Unternehmen bezeichnet sich selbst als „Social Business“, es spendet den Großteil seiner Einnahmen, die es wie die Konkurrenz mit Werbung verdient, an gemeinnützige Organisationen – ein Großteil geht an Aufforstungsprojekte in der ganzen Welt. Deshalb wirbt Ecosia auch damit, dass seine Nutzer bei der Suche nach Promi-Klatsch oder den aktuellen Fußballergebnissen nebenher Bäume pflanzen.
Wobei das mit der Werbung bislang vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda war. Große Werbekampagnen hatte Ecosia bislang nicht geschaltet. Bislang.
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Werbeclip läuft auf Sky
Dass die Suchmaschine nun zum ersten Mal auch öffentlich für sich wirbt, dafür sind vier Studenten der Filmakademie in Ludwigsburg mitverantwortlich. Im Rahmen einer Projektarbeit hatten Regisseur Sandro Rados, Kameramann Nico Schrenk (Kamera), Pauline Nier und Lotta Schmelzer (beide Produktion) einen sogenannten Specspot erstellt. Das Video zeigt, wie Ecosia-User ungewöhnliche Suchanfragen an die App stellen, was dazu führt, dass an dem Ort, an dem die Anfrage gestellt wurde – vom Bus, bis hin zum Hörsaal – ein Baum wächst. Am Ende des Clips, der nun beim britischen Bezahlsender Sky läuft, steht die Botschaft weiß auf schwarz: „Egal wie schräg Deine Suchanfrage ist, wir pflanzen die Bäume trotzdem.“
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Dass es der Film tatsächlich ins Fernsehen geschafft hat, ist für Regisseur Sandro Rados „das höchste der Gefühle“. Tatsächlich werden ähnliche Clips, die an der Ludwigsburger Filmschmiede von Studenten produziert werden, häufiger von Firmen auf deren Social-Media-Kanälen geteilt oder auf Festivals gespielt. Dass ein Unternehmen sich aber die Lizenz sichert und den Werbefilm tatsächlich nutzt, komme hingegen äußerst selten vor, sagt Film-AK-Sprecher Andreas Friedrich. „Vor allem ist es bemerkenswert, dass der Film zentraler Bestandteil der Kampagne ist.“
Plakatkampagne greift das Thema des Films auf
Flankiert wird „Weird Search Requests“ von einer gleichnamigen Plakat- und Digitalkampagne, die Ecosia mit dem französischen Unternehmen JCDecaux entwickelt hat. Sie greift das Thema des Films – der Nutzer sucht, Ecosia pflanzt Bäume, egal wie hanebüchen die Anfrage auch ist – auf mehr als 3700 Plakatwänden und Postern in zwölf großen Städten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden sowie Großbritannien auf.
Was aus ihrer Idee geworden ist, hat Rados, Schrenk, Nier und Schmelzer schon überrascht. Eigentlich wollten sie nur nicht den nächsten Werbespot für eine große bekannte Marke kreieren – und entschieden sich auch deshalb für Ecosia. Rados und seinen drei Mitstreitern gefällt die Idee hinter der Suchmaschine. „Sie ist eine Schnittstelle zwischen Internet- und Umweltaktivismus, das hat viel Potenzial“, sagt der Nachwuchsregisseur.
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Weil den Studenten während der Arbeit an dem Projekt das Geld nicht reichte, gingen sie auf Ecosia zu, die Suchmaschine steuerte einen kleinen Betrag bei – „dann passierte erst mal nix“, sagt Sandro Rados. Wobei das nur für den Kontakt mit Ecosia galt. „Die haben uns einfach machen lassen.“
Ecosia hat in Deutschland fünf Millionen Nutzer
Von dem fertigen Werk, das in Ludwigsburg, Stuttgart und Mannheim gedreht wurde, waren die Verantwortlichen bei Ecosia aber regelrecht begeistert, so dass das Unternehmen eine Lizenz erwarb und den Film nun ein Jahr nutzen darf.
Inzwischen hat der Clip eine Reihe von Preisen gewonnen, darunter den Silver Screen beim renommierten Young Director Award in Cannes. „Ich glaube wir haben schon etwas Spezielles geschaffen“, sagt Sandro Rados. Das findet auch Hannah Wickes, Marketingchefin bei Ecosia. Sie erhofft sich von der Kampagne in erster Linie viele neue Nutzer, aber auch eine Debatte darüber, wie man den Klimawandel noch besser bekämpfen kann. „Unser Publikum ist jung und engagiert und wächst schnell. Aber unsere Bewegung muss noch schneller wachsen, um mit dem Klimanotstand Schritt zu halten.“ In Deutschland hat Ecosia derzeit rund fünf Millionen Nutzer, weltweit sind es um die 15 Millionen.
Kommilitonen und Professoren nutzen die Suchmaschine nun
Ein paar sind hierzulande schon während der Arbeiten an „Weird Search Requests“ dazugekommen. Neben Kommilitonen der vier Filmemacher haben auch ihre Professoren damit begonnen, Ecosia zu nutzen. „Wir hoffen, dass durch das Video ähnliches passiert, wie an unserer Universität: Dass viel mehr Leute Ecosia und die App nutzen“, sagt Pauline Nier.