So schnell sie auch aussehen: S-Bahnen in der Region sind nicht immer pünktlich. Landrat Rainer Haas befürchtet, dass sich dies nicht ändert, solange es die Baustelle am Stuttgarter Tiefbahnhof gibt. Foto:  

Neuer Tarif, neue Passagiere: Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart zieht eine positive Bilanz. Doch Landrat Rainer Haas ist noch nicht zufrieden. Erst muss die Infrastruktur deutlich besser werden.

Ludwigsburg - Mehr Menschen als je zuvor sind in den vergangenen Monaten mit den Bahnen und Bussen in der Region Stuttgart gefahren. Auf vier Millionen Fahrten beläuft sich der Zuwachs verglichen mit dem ersten Halbjahr des Vorjahres; das entspricht einem Plus von etwa zwei Prozent, bilanziert der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS).

Der VVS führt die Entwicklung auf die Tarifreform zum 1. April zurück, wodurch zahlreiche Verbindungen günstiger wurden. „Wir haben einen guten ÖPNV im Vergleich zu anderen Landkreisen“, sagt Landrat Rainer Haas über den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Kreis Ludwigsburg. Für ihn gab der Kreis im Jahr 1996 umgerechnet etwa 16 Millionen Euro aus, inzwischen sind es 35 Millionen Euro. Die Reform sei ein „großer Sprung“. Doch nun müssten zusätzliche Investitionen folgen, insbesondere die Infrastruktur müsste verbessert werden. sagt Haas. „Das heißt, nicht nur neue Busse mit WLAN und Klimaanlage, sondern auch zusätzliche Fahrangebote.“

Landkreis setzt auf Unternehmen aus der Region

Dazu zählt der Landrat die geplante Stadtbahn im Kreis und die Reaktivierung der Schienenstrecke nach Markgröningen. Hier ist Ludwigsburg Kandidat für das Gemeindeverkehrsfinanzierungskonzept des Bundes, das bis zu 80 Prozent der Kosten übernehmen könnte. Den Umbau der Bahnhöfe Korntal und Heimerdingen von 2020 an listet Haas neben der angestrebten Reaktivierung der Bottwartalbahn als weiteren Schritt. Für den Busverkehr laufen aktuell mehrere Ausschreibungen. Um Unternehmen aus der Region anzusprechen, halte der Landkreis die sogenannten Linienbündel, also die ausgeschriebenen Busnetze, bewusst klein, erklärt Haas. Den öffentlichen Nahverkehr insgesamt bezeichnet der Landrat als „steiniges Feld“. Zu langen Vorlaufzeiten bei der Planung und zahlreichen Projektpartnern kämen Bürger, die sich gegen Vorhaben stellen.

S-Bahnen fahren künftig häufiger

Gut läuft eine VVS-Aktion, bei der Senioren ihren Führerschein gegen ein Seniorenticket tauschen können. 2100 Führerscheine sind bislang eingegangen. Startschwierigkeiten gebe es hingegen beim privaten Betreiber Abellio, der den Bahnbetrieb der DB Regio im Juni neben dem Unternehmen Go-Ahead übernommen hat, sagt der VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Dem Unternehmen mangelt es offenbar an Zügen. Hachenberger zufolge sollen aber bis in zwei Monaten genügend Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Verspätungen und Ausfälle bei den S-Bahnen werden laut VVS künftig ohnehin zunehmend unbedeutend, da der Verbund die S-Bahn-Verbindungen bis Ende 2020 ausbaut.

Das Ziel ist, dass die Bahnen durchgängig im 15-Minuten-Takt fahren. „Dann sind Verspätungen nicht mehr so dramatisch“, sagt Hachenberger, „und man muss eigentlich nicht mehr auf den Fahrplan schauen.“ Die Prognose von Landrat Haas ist dennoch nicht rosig: „Solange die Baustelle am Tiefbahnhof in Stuttgart nicht erledigt ist, wird auch die Pünktlichkeit der S-Bahn nicht auf ein Normalniveau zu bringen sein.“

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