Wer zieht im November ins Rathaus ein? Eins ist sicher, der Kandidat muss einiges an Geld in die Hand nehmen, um den Wahlkampf zu bestreiten. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Gut eine halbe Million Euro, so Experten, müssen Kandidaten ausgeben, wenn sie sich erfolgreich fürs Stuttgarter Rathaus bewerben wollen. Dabei müssen Bewerber heutzutage deutlich mehr Kanäle bedienen als früher.

Stuttgart - Für die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl im Herbst stehen mehrere Kandidaten fest. Paul Witt, früherer Rektor der Verwaltungshochschule Kehl, geht davon aus, dass sie jeweils bis zu 500 000 Euro ausgeben müssen, um im Wahlkampf konkurrenzfähig zu sein. „Bei den Kosten für einen OB-Wahlkampf spricht man von 1 Euro bis 1,50 Euro je Einwohner“, so Witt. „In Großstädten wie Stuttgart liegt der Wert sicher unter einem Euro, da gewisse Fixkosten nur einmal entstehen.“ Parteien wie die CDU bestätigten diese Größenordnung.

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Witt glaubt zudem, dass alle alten und neuen Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen: „Soziale Medien ersetzen keine Plakate und Zeitungsanzeigen“, sagt er. Wie sich das Werben um Wählerstimmen verändert hat, weiß Jürgen Knappenberger. Er hat mit seiner Schorndorfer Agentur Spirit Kommunikation schon zahlreiche Wahlkämpfe für Kandidaten in kleineren und mittelgroßen Gemeinden in der Region Stuttgart betreut. „Es gibt nirgendwo greifbare Zahlen darüber, wie und wo man die Leute am besten erreicht“, sagt er. Klar sei aber: „Wahlkampf ist eine extreme Herausforderung geworden.“ Man müsse weiterhin alle alten Wege beschreiten, aber auch alle neuen. Dabei komme es immer weniger auf Inhalte an, sondern auf Inszenierung.

Wähler wollen einfache Botschaften

„Früher waren in den Wahlkampfbroschüren die Programme auf acht Seiten ausgebreitet. Heute interessiert das keinen mehr“, sagt er. Viele Wähler wollten einfache Botschaften. „Das macht Wahlkampf aber auch interessanter und unberechenbarer. Einen Amtsinhaber-Bonus gibt es kaum noch. Quereinsteiger haben bessere Chancen denn je.“

Im Rennen um den Vorsitz im Stuttgarter Rathaus haben sich seit Jahresbeginn die ersten Bewerber ins Feld gewagt. Der Tengener Bürgermeister Marian Schreier hatte bereits im November seine Bewerbung angekündigt. Nach der Absage von Amtsinhaber Fritz Kuhn (Grüne) folgte SPD-Kandidat Martin Körner im Januar. Veronika Kienzle (Grüne) und Frank Nopper (CDU) brachten sich im Februar in Position. Auch Bewerber wie der frühere Stadtisten-Stadtrat Ralph Schertlen, der Stuttgarter Werner Ressdorf sowie der Nürtinger Marco Völker kamen aus der Deckung. Vor ihnen liegen acht lange Monate des Wahlkampfes.

Wie man auch als Außenseiter eine Wahl zum Oberbürgermeister in kurzer Zeit gewinnen kann, hatte Martin Horn vor zwei Jahren in Freiburg vorgemacht.

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