Die Anrainer fürchten den Verlust der letzten Freiflächen.Josef Michel wehrt sich auch gegen eine Tunnellösung im Nord-Osten. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die Arge Nord-Ost hat sich in die Debatte eingeschaltet, ob eine Tunnellösung dem Nordostring zum Durchbruch verhelfen könnte. Der Ansatz sei ehrenhaft, aber trotzdem verkehrt, lautet das Fazit.

Stuttgart - Eins versicherte Joseph Michl gleich zu Beginn seiner Präsentation: Auf die leichte Schulter habe man die Beurteilung des Landschaftsmodells Nordostring nicht genommen. Die vor wenigen Wochen der Öffentlichkeit präsentierte Tunnelvariante des Straßenbauprojekts, das die Region seit Jahren beschäftigt, hat neuen Schwung in die verfahrene Debatte gebracht.

Nun hat sich die Arge Nord-Ost in die Debatte eingeschaltet, ein gemeinnütziger Verein, der sich für den Erhalt von Freiflächen im Norden und Osten Stuttgarts einsetzt. Am Freitag erklärte ihr Vorsitzender Joseph Michl, weshalb der Verein auch die Tunnelvariante des Nordostrings nicht unterstütze.

Größer Pluspunkt beim Faktor Lärm

„Sehr mutig und sehr ehrenhaft“ sei das Ansinnen zwar. Und in der Tat habe ein Tunnel im Vergleich mit der oberirdischen Variante Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen seien. So würde die Natur teilweise besser geschützt und die Landschaft nicht im gleichen Ausmaß zerstört wie im Falle eines oberirdischen Rings. Den größten Pluspunkt sieht Michl beim Faktor Lärm, der durch einen Tunnel wesentlich geringer ausfiele. Trotzdem überwiegen aus Sicht der Arge die Nachteile. Denn auch das Tunnelprojekt vernichte wertvolle Ackerböden: Von den elf im Modell vorgesehenen Tunnelkilometern würden de facto nur sechs tatsächlich unter der Erde verlaufen. Die anderen fünf Kilometer der Trasse verlaufen entweder oberirdisch oder verbrauchen durch sogenannte Einhausungen große Flächen. So bezeichnet man Bauten, die die Umgebung von stark befahrenen Straßen vor Lärm- oder Abgasemissionen abschirmen. Das zentrale Problem würde eine Tunnelvariante aus Sicht der Arge aber – genau wie ein oberirdischer Nordostring – nicht lösen, sondern verschlimmern: das hohe Verkehrsaufkommen.

Verkehr würde zunehmen

Dieses nämlich würde entgegen den Behauptungen der Befürworter des Projekts auf jeden Fall zunehmen, sagte Joseph Michl. Seine Gleichung ist einfach: Wer mehr Straßen baut, fördert den motorisierten Individualverkehr. Besonders dramatisch würde das auf der B 29 und der B 10/B 35 sichtbar werden, die man im Falle eines Nordostrings zu autobahnähnlichen Straßen ausbauen würde.

Eine Entlastung der Stuttgarter Innenstadt, ein zentrales Argument der Befürworter, würde durch den entstehenden Zusatzverkehr obsolet, so Joseph Michl. Auch ein weiteres Argument pro Nordostring sieht er widerlegt: die geringen Kosten. Denn mit 1,2 Milliarden Euro wäre eine Tunnelstrecke sechsmal so teuer wie der oberirdische Ring, der nach Schätzungen mit 200 000 Euro zu Buche schlägt. „Mit dem Tunnel wäre dieses Argument vom Tisch“, sagte Michl.

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