So wie vor fast vier Jahren in Sotschi will Eric Frenzel auch in Südkorea wieder jubeln. Foto: AP

Die deutschen Topathleten in der Nordischen Kombination gehen voller Zuversicht in die Olympiasaison.

Oberstdorf - Hermann Weinbuch ist keiner, der sich sorgen um seinen Blutdruck machen muss. Der Bundestrainer der deutschen Kombinierer ruht in sich selbst. Auch an diesem winterlich kalten Morgen in Oberstdorf. Nachdem Weinbuch von der Schanze geklettert ist, auf der seine Athleten Sprung um Sprung trainiert haben, steht er völlig entspannt im Skimuseum, eine Hand in der Hosentasche. „Die letzte Saison war einzigartig, besser geht es nicht“, sagt der Chefcoach und kratzt sich mit der anderen Hand in seinem Drei-Tage-Bart, „aber Druck spüren wir trotzdem nicht. Dafür sind wir schon zu lange gut.“

Gut? Ist eine gewaltige Untertreibung. Im vergangenen Winter waren die schwarz-rot-goldenen Kombinierer so dominant, dass sie sich nur selbst geschlagen haben. Johannes Rydzek gewann bei der WM im finnischen Lahti alle vier Titel, Eric Frenzel zum fünften Mal den Gesamtweltcup (knapp vor Rydzek), das Team die Nationenwertung. Nicht selten standen bei Einzelrennen nur Deutsche auf dem Podest, und manchmal kam auch noch der Viertplatzierte aus der Über-Mannschaft des nordischen Skisports. Entsprechend groß ist die Erwartungshaltung. Für die neue Saison. Für die Weltcuprennen. Und vor allem für die Olympischen Spiele. Ein Problem ist das nicht - sagt zumindest Hermann Weinbuch. „Ich sehe das alles ganz gelassen“, meint der Bundestrainer, gesegnet mit dem Selbstbewusstsein des Siegers, „ich weiß, dass wir sehr viel drauf haben. Diese Stärke gibt uns Sicherheit.“

Harte Arbeit

Das klingt überzeugend, und es ist auch so gemeint - die Konkurrenz hört schließlich zu. Doch hinter dieser Gelassenheit steckt: harte Arbeit. Erst recht in diesem Sommer. Die Deutschen haben beim Ausdauertraining eine besondere Kombination absolviert: mehr Kilometer in geringerer Zeit. „Wir mussten neue Reize setzen“, sagt Assistenzcoach Ronny Ackermann. Und Hermann Weinbuch erklärt: „Wir haben noch mal draufgesattelt, sind an die absolute Belastungsgrenze gegangen.“ Weil die Herausforderung im Olympia-Jahr besonders groß ist.

Im Februar in Pyeongchang soll in jedem der drei Rennen zumindest eine Medaille her, Eric Frenzel peilt für sich sogar das Gold-Triple an. Aber auch die Weltcup-Gesamtwertung und die Nationenwertung zählen. „Wir wollen so viele Siege wie möglich verteidigen“, sagt Cheftrainer Weinbuch, „diesen Anspruch an uns selbst haben wir.“ Auch wenn es nicht einfach wird. Schließlich hatte die Dominanz der Deutschen im vergangenen Winter zwei Gründe: Die eigene Stärke – aber auch die Schwäche der anderen.

Die Probleme der anderen

Die Norweger hatten mit internen Problemen zu kämpfen, die Österreicher kamen ebenfalls nicht recht voran. Das wird diesmal anders sein, das ist allen Deutschen klar. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu glauben, dass wir von den Erfolgen der vergangenen Saison leben können. Die Konkurrenz ist viel besser geworden“, sagt Johannes Rydzek. „Die anderen Nationen haben mit sehr viel Akribie gearbeitet“, erklärt Eric Frenzel, „es wird viel enger werden.“ Davon ist auch Hermann Weinbuch überzeugt: „Unsere Gegner sind stärker geworden. Die Norweger haben mindestens so viel Substanz im Team wie wir.“

Ein Absturz ist nicht zu befürchten

Es könnte also spannender werden als im Winter 2016/17. Muss es aber nicht. Schließlich ist ein Absturz der beiden Überflieger nicht zu befürchten. Im Gegenteil. Nicht nur Hermann Weinbuch traut Johannes Rydzek und Eric Frenzel die Fortsetzung ihres Zweikampfs zu – nur diesmal womöglich mit unterschiedlichem Ausgang. Frenzel hat angekündigt, seinen Fokus voll auf die Olympischen Spiele auszurichten, nachdem er bei der WM in Lahti in den beiden Einzelwettbewerben Gold verpasste. Rydzek fehlt in seiner Sammlung dagegen noch der Sieg im Gesamtweltcup. „Da hat er noch eine Rechnung offen“, sagt Weinbuch, der das Duell seiner Alphatiere mit Wohlwollen betrachtet: „Für einen Trainer ist es ein großes Glück, so eine starke Mannschaft zu haben.“

Es ist ein Glück, das gelassen macht. Sogar vor einer Saison voller Herausforderungen.

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